“Massive Eskalation” im Iran: Merz kritisiert Kriegsführung Israels und der USA scharf
Politik
"Massive Eskalation" im IranMerz kritisiert Kriegsführung Israels und der USA scharf
27.03.2026, 21:08 Uhr Artikel anhören(04:15 min)00:00 / 04:15
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US-Präsident Trump kritisiert Deutschland wegen ausbleibender Hilfe bei der Sicherung der Straße von Hormus. Nun äußert Kanzler Merz in ungewöhnlich deutlicher Form Zweifel am Vorgehen der USA und Israels im Iran-Krieg.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump persönlich scharf für sein Agieren im Iran-Krieg attackiert. "Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang", sagte Merz auf einer Veranstaltung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle", so Merz.
Merz bezweifelte auch, dass die USA und Israel mit ihren Angriffen auf den Iran dort einen Regierungswechsel erreichen werden. "Ist das Thema Regime-Change wirklich das Ziel?", fragte er. "Wenn das das Ziel ist, glaube ich nicht, dass sie das erreichen werden. Das ist meistens schiefgegangen." Generell beurteilte er die Erfolgschancen der Kriegsführung Israels und der USA kritisch.
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Zuvor hatte US-Präsident Trump Deutschland wegen der ausbleibenden Hilfe bei der Sicherung der Straße von Hormus kritisiert. Er habe es als "unangemessen" empfunden, dass von deutscher Seite geäußert worden sei: "Das ist nicht unser Krieg." Das sagte der Republikaner am Donnerstag während einer Kabinettssitzung im Weißen Haus. Trump nannte keinen konkreten Namen, schrieb die Äußerung aber der Spitze zu ("the head of Germany"). Der Satz stammt ursprünglich von Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Mit Blick auf die Kritik von US-Präsident Donald Trump an der Zurückhaltung Deutschlands und anderer Nato-Staaten in dem Konflikt wies Merz darauf hin, er habe Trump vor Kriegsbeginn gesagt: "Wenn Du willst, dass wir helfen, frag uns bitte vorher". Dies habe der US-Präsident nicht getan.
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Merz bekräftigte aber das deutsche Angebot, nach Abschluss eines Waffenstillstandes etwa bei der militärischen Absicherung der Straße von Hormus zu unterstützen. Der Kanzler kann sich nach einem Ende des Iran-Kriegs einen Einsatz der Bundeswehr zur Räumung von Minen in der Straße von Hormus vorstellen. "Das können wir. Und wenn wir danach gefragt werden und das im Rahmen eines wirklichen Mandates kollektiver Sicherheit geschieht – also Vereinte Nationen, Nato, Europäische Union – mit einem Bundestagsbeschluss, ist das eine Option", sagte er. Von einer solchen Situation allerdings "sind wir weit davon entfernt".
Sein Eindruck sei vielmehr: "Die USA und Israel verstricken sich in diesen Konflikt jeden Tag tiefer", warnte der Kanzler. Deutschland bemühe sich, hier einen Beitrag zur Deeskalation zu leisten. Auch gebe es Versuche, auf Israel einzuwirken, allerdings "mit begrenztem Erfolg".
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Um ein gutes Verhältnis mit USA bemüht
Merz betonte, dass er sich dennoch um ein gutes Verhältnis mit den USA bemühe. "Das ist eine Gratwanderung, aber ich lege Wert darauf, dass wir dieses transatlantische Bündnis nicht ohne Not von unserer Seite aus gefährden", sagte er. Es gebe viele Gründe, die Beziehungen zu erhalten. "Und wir wissen ja im Übrigen auch nicht, was kommt nach Trump."
Er sei nicht unbedingt davon überzeugt, dass das Verhältnis sofort wieder besser werde. "Aber es kann ja sein, dass es jemanden gibt, der den Wert des transatlantischen Bündnisses wieder anders beurteilt. Ich möchte es jedenfalls nicht gefährden." Der Kanzler betonte allerdings auch, dass es keinerlei Zweifel am Schutzschirm der USA für Europa gebe.

