Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

Martin Walser: Schriftsteller im Alter von 96 Jahren gestorben

July 28
20:07 2023

Der Schriftsteller Martin Walser ist tot. Er starb mit 96 Jahren im baden-württembergischen Überlingen am Bodensee. Das berichten unter anderem die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« und das ZDF übereinstimmend.

Walser gehört zu den bekanntesten und streitbarsten Autoren der deutschen Nachkriegsliteratur. Über 60 Jahre lang schuf er ein außerordentlich umfangreiches Werk, an dessen Umfang und Breite sich nur wenige deutsche Nachkriegs-Autoren messen können. In seinen Büchern erforschte er das Alltagsbewusstsein der Gesellschaft mit einfühlsamer Ironie und satirischem Blick.

Geboren wurde Martin Walser 1927 als Sohn eines katholischen Gastwirts im bayerischen Wasserburg. Schon als Zwölfjähriger soll er erste Gedichte geschrieben haben, nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er unter anderem Literaturwissenschaft. Seinen ersten Erzählband »Ein Flugzeug über dem Haus« veröffentlichte er 1955, den ersten Roman »Ehen in Philippsburg« 1957.

In den Jahren darauf folgten unzählige Werke. Mehr als zwei Dutzend Romane, dazu Novellen, Essays, Gedichte und Reden. Auch eine Vielzahl von Theaterstücken, Hörspielen und Übersetzungen. »Ein titanisches Werk«, sagte Literaturkritiker Denis Scheck einmal über Walsers Wirken als Autor. 2021 erschien sein letztes Buch, der Gedichtband »Sprachlaub« mit Aquarellen seiner Tochter Alissa.

Legendär war auch Walsers Fehde mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, die mit Walsers Roman »Tod eines Kritikers« zum wohl berühmtesten Streit der Nachkriegsliteratur avancierte. Walser sah sich von dem Kritiker »aus der deutschen Literatur vertrieben« und setzte sich gegen Reich-Ranicki auch literarisch zur Wehr.

Im Jahr 2004 wechselte Walser mit allen seinen Werken vom Suhrkamp Verlag zum Rowohlt Verlag – vor allem wohl, weil er sich in seinem Streit mit Reich-Ranicki nicht unterstützt gefühlt hatte. Walser inszenierte seinen Abschied in einem offenen Brief als Abrechnung.

Seine gesammelten erzählerischen, dramatischen und essayistischen Werke, seine Fotos und Computerdateien, aber auch die private Bibliothek hatte Walser 95-jährig dem Deutschen Literaturarchiv (DLA) in Marbach als sogenannten Vorlass übergeben. Es waren 75.000 handschriftliche Seiten, darunter 75 Tagebücher, die Walser seit den Fünfzigerjahren führte.

Neueste Beiträge

23:16 “BRAUCHEN HILFE VON NIEMANDEM!”: Trump geht Nato-Partner scharf an – Verhalten ist “schockierend”

0 comment Read Full Article