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Licht ins Dunkelfeld: Neue Studie belegt Ausmaß psychischer Gewalt in Partnerschaften

February 10
13:46 2026

Panorama

Licht ins DunkelfeldNeue Studie belegt Ausmaß psychischer Gewalt in Partnerschaften

10.02.2026, 10:02 Uhr

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Erstmals wurde auch deutlicher erfasst, inwieweit Männer Gewaltopfer werden. (Foto: picture alliance / photothek)

Eine aktuelle Dunkelfeldstudie liefert erschreckende Zahlen zur Gewalt in Deutschland. Demnach ist psychische Gewalt in Partnerschaften für Frauen und Männer ein massives Problem. Fast die Hälfte der Frauen und 40 Prozent der Männer erleben sie. Doch kaum jemand erstattet Anzeige.

Bei Gewalterfahrungen gibt es trotz vieler offizieller Zahlen, beispielsweise aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, viele Fälle, die nicht erfasst werden. Um das tatsächliche Ausmaß von sexueller Belästigung und verschiedenen Formen von Gewalt besser abschätzen zu können, hat die Bundesregierung deshalb in einer Studie dieses sogenannte Dunkelfeld erforscht. Die Ergebnisse stellen Bundesbildungsministerin Karin Prien, Innenminister Alexander Dobrindt und der Chef des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, heute zusammen vor.

ntv.de lag die Untersuchung vorab vor. Für die sogenannte LeSuBia-Studie (kurz für Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) wurden zwischen Juli 2023 und Januar 2025 insgesamt 15.479 Menschen in Deutschland zu ihren Gewalterfahrungen befragt. Die Vorbereitungen dazu hatten noch vor der Zeit der Ampel-Regierung begonnen.

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Dabei geht es sowohl um betroffene Frauen als auch um Männer. Ein Schwerpunkt liegt laut BKA auf der genaueren Erhebung von Gewalterfahrungen in Paarbeziehungen, auf sexualisierter Gewalt und Gewalt im digitalen Raum. Ein zentraler Befund der Studie ist: In den zurückliegenden fünf Jahren waren Frauen und Männer sowohl von psychischer als auch von körperlicher Gewalt in (Ex-)Paarbeziehungen ähnlich häufig betroffen. Weibliche Betroffene weisen jedoch bei beiden Gewaltformen eine deutlich stärkere Schwere der Gewalt auf. Aber auch Männer sind von sexueller Belästigung, sexuellem Übergriff und Stalking betroffen.

Erniedrigungen und Kontrolle

Demnach erleben 48,7 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer mindestens einmal im Leben psychische Gewalt in einer Partnerschaft oder Ex-Partnerschaft. Über alle Geschlechter hinweg ist emotionale Gewalt die am weitesten verbreitete Form psychischer Gewalt. 37,8 Prozent der Befragten gaben an, sie mindestens einmal im Leben erlebt zu haben. Dazu gehören ständiges Beschimpfen, Lächerlichmachen, Erniedrigen oder Anschreien, Drohungen oder auch die Kontrolle des Handys, von finanziellen Entscheidungen oder sozialen Beziehungen.

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Männer werden demnach vergleichsweise häufig Opfer von kontrollierender Gewalt, Frauen erleben prozentual in höherem Maße psychische Gewalt, haben in den Gewaltsituationen mehr Angst und schätzen die Situation schwerwiegender ein als Männer. Zur Anzeige gebracht wird psychische Gewalt in den seltensten Fällen. Die Anzeigequoten liegen bei den meisten psychischen Gewaltformen unter 3 Prozent.

Körperliche Gewalt wird etwas häufiger angezeigt. Die Anzeigequote liegt in diesem Bereich bei Frauen bei 2,7 Prozent und bei Männern bei 3,5 Prozent. 16,1 Prozent der Befragten haben den Angaben zufolge in ihrem Leben bereits körperliche Gewalt durch den (Ex-)Partner oder die (Ex-)Partnerin erfahren. Innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 5,7 Prozent. Prinzipiell gaben Frauen mit 18 Prozent im Vergleich zu 14 Prozent bei den Männern an, körperliche Gewalt im Zusammenhang mit ihrer Partnerschaft erlebt zu haben.

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3,2 Prozent der Menschen, die in einer Partnerschaft gelebt haben, wurden mindestens einmal im Leben bereits durch einen (Ex-)Partner oder eine (Ex-)Partnerin an einer offiziellen Stelle falsch beschuldigt. Innerhalb der letzten fünf Jahre waren es 1,2 Prozent. Dies trifft den Angaben zufolge Männer hier mit 1,4 Prozent etwas häufiger als Frauen (0,9 Prozent). Falschbeschuldigungen finden selten in aktuellen Beziehungen statt, sondern verstärkt in Beziehungen, die zum Tatzeitpunkt bereits beendet waren oder die zum Tatzeitpunkt noch bestanden, inzwischen jedoch beendet wurden. Als bemerkenswert bezeichnen es die Studienautorinnen und -autoren auch, dass Männer am häufigsten nach Ende der Partnerschaft falsch beschuldigt wurden und Frauen zu einem Zeitpunkt, als die Partnerschaft noch bestand.

Unterschiedliche Tätergruppen

Sexuelle Belästigung hat fast jede zweite Person (45,8 Prozent) in ihrem Leben erfahren. Innerhalb der letzten fünf Jahre gaben über ein Viertel (26,5 Prozent) an, sexuell belästigt worden zu sein. Meist geht es dabei um sexuelle Belästigung ohne Körperkontakt, also Catcalling, sexuell anzügliche oder beleidigende Sprüche, aufdringliches Anstarren, bewusst zweideutige Gesten oder unerwünschte sexuelle Nachrichten, Bilder oder Videos. Diese Erfahrungen machen 40,4 Prozent der Befragten mindestens einmal im Leben. Bei sexueller Belästigung mit Körperkontakt gaben 26,8 Prozent der Befragten an, sie schon einmal erlebt zu haben.

Dabei zeigen sich große Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Im Laufe ihres Lebens hat jeder vierte Mann (23,5 Prozent), aber jede zweite Frau (56,7 Prozent) sexuelle Belästigung ohne unmittelbaren Körperkontakt erfahren. Sexuelle Belästigung mit Körperkontakt haben 40,8 Prozent der Frauen und 12,3 Prozent der Männer bereits erlebt.

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Jede zehnte befragte Person berichtet von mindestens einem sexuellen Übergriff im Laufe ihres Lebens, also einer sexuellen Handlung gegen den Willen der betroffenen Person (11,2 Prozent). Bei Frauen sind am häufigsten (Ex-)Partner oder die (Ex-)Partnerinnen Täter bzw. die Täterin (46,5 Prozent). Bei Männern sind die meisten Täterinnen oder Täter eine flüchtig bekannte Person (33,3 Prozent), gefolgt von Freunden, Bekannten und Nachbarn (27,1 Prozent).

5,2 Prozent der Befragten vermuten, mindestens einmal im Leben K.-o.-Tropfen untergemischt bekommen zu haben, Stalking hat mehr als jede fünfte Person in ihrem Leben schon einmal erlebt (21,2 Prozent), digitale Gewalt 9,9 Prozent. Frauen erleben digitale Gewalt häufiger und bewerten diese als schwerer als Männer. Als Täter oder Täterin von digitaler Gewalt werden von Frauen sowie von Männern am häufigsten Fremde genannt (Frauen: 33,9 Prozent; Männer: 51,1 Prozent). Frauen erfahren digitale Gewalt am zweithäufigsten durch Freunde, Bekannte und Nachbarn und am dritthäufigsten durch eine (Ex-)Partnerin oder einen (Ex-)Partner. Männer nennen als zweithäufigsten Täter oder Täterinnen flüchtig bekannte Personen und am dritthäufigsten Freunde, Bekannte und Nachbarn.

Mit der Studie erfüllt die Regierung einerseits eine Verpflichtung aus der Istanbul-Konvention zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen. Sie geht andererseits jedoch darüber hinaus, indem sie nicht nur Frauen als potenziell Betroffene in den Blick nimmt, sondern alle Menschen in Deutschland. Die gewonnenen Daten sollen der Behörde dazu beitragen, effiziente und wirksame Maßnahmen zur Bekämpfung von Gewalt zu entwickeln.

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