Libanon: Regierungschef Hassan Diab kündigt Neuwahlen an
Icon: vergrößernHeftige Proteste in Beirut
Foto: Maxim Grigoryev/ imago images/ITAR-TASS
Der libanesische Ministerpräsident Hassan Diab hat angekündigt, seinem Kabinett Neuwahlen vorschlagen zu wollen.
Dies sei der einzige Weg, um die tiefe Krise des Landes zu überwinden, so Diab in einer Fernsehansprache. Ein entsprechendes Gesetz wolle er in einer Sitzung am Montag vorlegen.
Diab bestritt jedoch, für die wirtschaftlichen und politischen Probleme des Landes verantwortlich zu sein, gegen die am Samstag Tausende in Beirut auf die Straße gegangen sind.
Zuvor waren bei heftigen Protesten in der libanesischen Hauptstadt nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes mehr als 110 Menschen verletzt worden. Ins Krankenhaus seien 32 Personen eingeliefert worden, zitieren örtliche Medien die Hilfsorganisation. Laut einem Polizeisprecher wurde zudem ein Polizeibeamter getötet.
Demonstranten rufen zur Besetzung der Ministerien auf
Einige der Demonstranten waren bis in das Außenministerium vorgedrungen und hatten Beirut zum "Hauptquartier der Revolution" erklärt. Sie riefen ihre Mitbürger dazu auf, alle Ministerien zu besetzen. Sicherheitskräfte reagierten mit Wasserwerfern und Gummigeschossen. In der Innenstadt waren laut der Nachrichtenagentur Reuters auch Schüsse zu hören.
Die Demonstranten, von denen viele auch friedlich protestierten, machen die Regierung für die verheerende Lage des Landes und für die Explosion im Hafen von Beirut verantwortlich. Dabei starben mehr als 150 Menschen, mehr als 6000 wurden verletzt.
Offenbar hatten große Mengen der hochexplosiven Chemikalie Ammoniumnitrat jahrelang ohne spezielle Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelegen. Dies soll die gewaltige Explosion verursacht haben. Laut Berichten wurden Warnungen dazu ignoriert.
Bereits im vergangenen Jahr hatten Libanesen bei Massendemonstrationen grundlegende Reformen des politischen Systems gefordert. Doch seitdem hat sich die Lage im Land deutlich verschlimmert, hinzu kam die Corona-Pandemie: Es ist die vielleicht schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Libanons.
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