Libanon: Hamas-Kader überlebt mutmaßlichen israelischen Drohnenschlag
Angriff weit hinter der Front: Im Libanon sind bei einem Luftangriff zwei Menschen getötet worden. Der mutmaßlich israelische Angriff erfolgte etwa 30 Kilometer südlich der libanesischen Hauptstadt Beirut in einer mehrheitlich sunnitischen Region. So tief im Libanon greift Israel äußert selten feindliche Ziele an.
Laut Augenzeugen war ein Auto Ziel des Drohnenangriffs im Küstenort Dschadra. Bei den beiden Toten soll es sich um zwei unbeteiligte Zivilisten handeln. Es war zunächst unklar, wem der Angriff mit einer Drohne wirklich galt:
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Sowohl die schiitische Hisbollah als auch die Palästinenserorganisation Hamas dementierten, dass bei dem Angriff Mitglieder getroffen worden seien.
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Im Laufe des Samstags meldeten aber sowohl die Nachrichtenagentur AFP als auch die Nachrichtenagentur AP, dass das Ziel ein hochrangiges Mitglied der Hamas gewesen sei; Basel Saleh, wie ihn die AP identifiziert, soll den Versuch der gezielten Tötung demnach überlebt haben.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete vom Ort des Geschehens von einem beschädigten Auto und einem ausgebrannten Motorrad sowie Blutflecken. Die israelische Armee machte zunächst keine Angaben zu dem Vorfall.
Erst Anfang Januar war der bedeutende Exil-Anführer der Hamas, Saleh al-Aruri, bei einer Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut ums Leben gekommen. Die mit der Hamas verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon vermutet Israel hinter der Aktion. Auch mehrere Hisbollah-Kommandeure wurden gezielt getötet.
Seit Beginn des Gazakrieges nach dem Hamas-Massaker in Israel am 7. Oktober kommt es in der israelisch-libanesischen Grenzregion immer wieder zu Konfrontationen zwischen Israels Armee und militanten Gruppierungen wie der Hisbollah. Es ist die schwerste Eskalation seit dem zweiten Libanon-Krieg 2006.
Nach Angaben der Hisbollah wurden seit dem 7. Oktober insgesamt 185 ihrer Kämpfer getötet. Zehn israelische Soldaten kamen nach Militärangaben bei Beschuss an der Nordgrenze ums Leben. Auf beiden Seiten wurden auch Zivilisten getötet.
Der iranische Außenminister Hossein Abdollahian hat Israel derweil am Samstag vor einem groß angelegten Angriff auf den Libanon gewarnt. »Jegliche Aktion« in Richtung eines solchen Angriffs würde »Netanyahus Ende bedeuten«, sagte er mit Blick auf den israelischen Regierungschef bei seinem dritten Besuch im Libanon seit dem 7. Oktober.
Israel werde »niemals in der Lage sein, an zwei Fronten zu kämpfen«, erklärte der iranische Außenminister Abdollahian. Bei seinem Besuch in Beirut traf der Chefdiplomat unter anderem Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah, den hochrangigen Hamas-Vertreter Ussama Hamdan und den Chef der an der Seite der Hamas kämpfenden Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad, Siad al-Nachala.

