Jens Spahn und das Corona-Chaos: Der Vielversprechende
Icon: vergrößernPolitiker Spahn: Es rumpelt gewaltig
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Andreas Chudowski / DER SPIEGEL
In Sachen Selbstverteidigung und Öffentlichkeitsarbeit macht Jens Spahn niemand etwas vor. Als in der vorigen Woche deutlich wurde, dass Deutschland zu wenig Impfstoff zur Verfügung steht, ging der zuständige Minister umgehend in die Offensive. Er beschrieb die Situation viel positiver, als sie tatsächlich ist. Dies gipfelte in der mutigen Ansage, jeder Bürger werde im Sommer ein Impfangebot erhalten.
An diesem Versprechen wird sich Spahn von nun an messen lassen müssen. Ob er es einlösen kann, ist unklar. Wie so vieles bei Spahn.
Für den Gesundheitsminister sind es turbulente Tage. Der Koalitionspartner SPD hat ihn als Hauptverantwortlichen für die bislang unbefriedigende Impfstoffbeschaffung ausgemacht und ihm ein vierseitiges Papier mit kritischen Fragen zukommen lassen. Auch die Kritik aus den Bundesländern am Beschaffungsminister wächst.
Eine Mehrheit der Bürger ist mit Spahns Management der Coronakrise hingegen zufrieden, bislang zumindest. In den Umfragen rangiert er meist ganz oben, einmal sogar vor Angela Merkel, auch wenn derzeit seine Werte deutlich fallen. Zugleich stellen sich immer mehr Fragen, ob die positive Sicht auf Spahn von der Realität gedeckt ist. Ob Schein und Sein im Einklang stehen. Ob Spahns Bilanz als Corona-Manager nur annähernd so gut ist wie sein Selbstmarketing.

