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Idil Baydar: Persönliche Daten von Kabarettistin von hessischem Polizeirechner abgerufen

July 14
04:17 2020
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Kabarettistin Idil Baydar

Foto: Thalia Engel/ picture alliance / dpa

Bei der von Rechtsextremen bedrohten Kabarettistin Idil Baydar führt die Spur offenbar erneut zu einem Rechner der hessischen Polizei. Wie die "Frankfurter Rundschau" unter Berufung auf einen internen Polizeivermerk berichtet, wurden persönliche Daten Baydars von einem Computer der Behörde abgerufen. Von welchem Revier der Zugriff auf die Informationen erfolgte, geht laut der Zeitung jedoch nicht aus dem Vermerk hervor.

Eine ähnliche Spur verfolgten die Ermittler zuletzt bei den Drohschreiben an die Linken-Abgeordnete Janine Wissler. Sie hatte mehrere Mails erhalten, in denen Drohungen gegen ihr Leben gerichtet wurden. Zudem erhielten die Schreiben Nazi-Floskeln wie "Heil Hitler" – und Informationen, die aus öffentlichen Quellen nicht so ohne Weiteres zugänglich sind, etwa zur Wohnadresse der Politikerin. Sie waren mit "NSU 2.0" unterschrieben.

Sicherheitskreise bestätigten dem SPIEGEL, dass Wisslers Privatadresse noch kurz vor dem Versenden an einem Polizeicomputer in einem Wiesbadener Revier abgefragt wurde.

Ähnlich lief es in einem Fall aus dem Jahr 2018. Damals waren Morddrohungen gegen die Frankfurter Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, gerichtet worden, nachdem kurz zuvor persönliche, öffentlich nicht bekannte Daten zur Adresse der Juristin in einem Polizeicomputer in Frankfurt am Main aufgerufen worden. Bei ihren Ermittlungen waren Polizeibehörden damals auf eine rechtsextreme Chat-Gruppe aus insgesamt sechs Polizeibeamten gestoßen, die inzwischen vom Dienst suspendiert sind.

Baydar ist 1975 geboren und bezeichnet sich als Comedienne, Schauspielerin und Social Influencer. Laut ihrer Webseite veröffentlichte sie anfangs auf YouTube Videos, etwa von ihrer Kunstfigur Jilet Ayse. 2015 erhielt sie demnach den Sonderpreis für Integration und Toleranz der Initiative Hauptstadt Berlin.

Laut einem Interview mit "Zeit online" wurde sie allein im vergangenen Jahr mehrfach mit dem Tod bedroht, insgesamt acht Mal erstattete sie deswegen Anzeige. Ein Täter konnte bislang aber offenbar noch nicht ermittelt werden.

Icon: Der Spiegel

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