Hubert Aiwanger: Älterer Bruder will antisemitisches Flugblatt verfasst haben
Kurz nachdem sich Bayerns Vizeministerpräsident Hubert Aiwanger deutlich von einem antisemitischen Flugblatt aus den späten Achtzigerjahren distanziert hat, hat sich nun der mutmaßliche Autor geäußert. Aiwangers älterer Bruder hat sich dazu bekannt, das Dokument verfasst zu haben. Die beiden besuchten damals gemeinsam das Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf-Pfaffenberg in Niederbayern.
»Ich bin der Verfasser des in der Presse wiedergegebenen Flugblattes«, erklärt Aiwangers Bruder in einer schriftlichen Stellungnahme. »Ich distanziere mich in jeder Hinsicht von dem unsäglichen Inhalt und bedauere sehr die Folgen dieses Tuns.«
Zu den Gründen erklärt der Bruder in knappen Sätzen: »Ich war damals total wütend, weil ich in der Schule durchgefallen war. Ich war damals noch minderjährig.«
Ein Verfasser aus der Familie würde auch einen Aspekt der Affäre erklären, über den die »Süddeutsche Zeitung« am Samstag berichtete: Demnach seien das Flugblatt und Hubert Aiwangers Facharbeit am Gymnasium aus dem Jahr 1990 auf Schreibmaschinen gleichen Typs geschrieben worden, »sehr wahrscheinlich« sogar auf ein und demselben Gerät. Zu diesem Schluss komme das Gutachten eines Sachverständigen im Auftrag der Zeitung.
Wer wann was auf dieser Schreibmaschine geschrieben hat, ließe sich nach Aiwangers Version und der Erklärung des Bruders wohl nicht im Nachhinein vollständig aufklären.
Zuvor hatte sich Hubert Aiwanger selbst zu den Vorwürfen geäußert: »Ich habe das fragliche Papier nicht verfasst und erachte den Inhalt als ekelhaft und menschenverachtend.« Und weiter: »Der Verfasser des Papiers ist mir bekannt, er wird sich selbst erklären. Weder damals noch heute war und ist es meine Art, andere Menschen zu verpfeifen.«
Laut Aiwanger wurden bei ihm als minderjährigem Schüler »ein oder wenige Exemplare« in der Schultasche gefunden. »Daraufhin wurde ich zum Direktor einbestellt. Mir wurde mit der Polizei gedroht, wenn ich den Sachverhalt nicht aufkläre. Meine Eltern wurden in den Sachverhalt nicht eingebunden.«
Als Ausweg sei ihm angeboten worden, ein Referat zu halten. »Dies ging ich unter Druck ein. Damit war die Sache für die Schule erledigt. Ob ich eine Erklärung abgegeben oder einzelne Exemplare weitergegeben habe, ist mir heute nicht mehr erinnerlich. Auch nach 35 Jahren distanziere ich mich vollends von dem Papier«, sagt Aiwanger. Zur Frage, wie und warum das Papier in der Schultasche gefunden wurde, gab es über das Statement hinaus keine weiteren Erklärungen ab.
Schriftstück mit menschenverachtender Sprache
Die »Süddeutsche Zeitung« hatte über Vorwürfe berichtet, Aiwanger habe als Gymnasiast ein antisemitisches Flugblatt verfasst. Man habe mit »mehreren Personen gesprochen, die sagen, Aiwanger sei als Urheber dieses Pamphlets zur Verantwortung gezogen worden«. Das Flugblatt war offenbar eine Reaktion auf einen Schülerwettbewerb zur deutschen Geschichte.
Das Schriftstück ruft stattdessen dazu auf, an einem anderen Wettbewerb teilzunehmen: »Wer ist der größte Vaterlandsverräter?« Bewerber sollten »im Konzentrationslager Dachau« vorstellig werden, es gebe »einen Freiflug durch den Schornstein in Auschwitz« zu gewinnen oder einen lebenslänglichen »Aufenthalt im Massengrab«.

