Hörigkeit Havannas statt Umsturz: Trump möchte Kuba nach Modell Venezuela übernehmen
Politik
Hörigkeit Havannas statt UmsturzTrump möchte Kuba nach Modell Venezuela übernehmen
18.03.2026, 20:35 Uhr
Von Roland Peters, New YorkArtikel anhören(08:21 min)00:00 / 08:21
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US-Präsident Trump will Kuba "übernehmen". Er könne mit dem kommunistischen Land machen, was er wolle, brüstet er sich. Es könnte auf politische Unterwerfung hinauslaufen. Wie in Venezuela.
Es gibt wohl kaum ein symbolischeres Foto aus Havanna als das stilisierte Konterfei Ernesto "Che" Guevaras auf einer Fassade am Revolutionsplatz. Geht es nach US-Präsident Donald Trump, dürfte unter den Augen des linken Kämpfers bald Erstaunliches geschehen: Eine wirtschaftliche Öffnung des kommunistischen Kubas für Unternehmen und Investitionen aus den verfeindeten Vereinigten Staaten. Zudem soll Präsident Miguel Díaz-Canel abdanken, berichtet die "New York Times". Mindestens.
Für Trump ist Kuba nur ein weiterer großer internationaler Konflikt, in den er sich gestürzt hat. Aus dem kriegszerstörten Gazastreifen wollen er und seine Familie eine Riviera am Mittelmeer machen, die Regierung in Caracas muss sich inzwischen seinem Willen beugen, im Iran fallen die Bomben. Nun könnte Kuba akut werden.
Im Weißen Haus schwärmte Trump am Montag: "Es ist eine schöne Insel, tolles Wetter" – und zeigte sich im jahrzehntelangen Ringen der Systeme siegesgewiss. "Ich denke, wir werden die Ehre haben, Kuba zu übernehmen", sagte er. "Übernehmen?", hakte ein Journalist nach. "In irgendeiner Form", führte der Präsident aus: "Ob ich es befreie oder übernehme, ich kann damit machen, was ich will", brüstete er sich. Es ist unklar, ob das eine Drohung war – oder bereits die Verkündung eines politischen Kurswechsels, der kurz bevorsteht.
USA wollen Präsidenten absetzenTrump: "Werde die Ehre haben, Kuba zu übernehmen"
Hörigkeit statt Umsturz
Ziel ist kein Regime Change, sondern die Unterwerfung Havannas. Entsprechend äußerte sich Außenminister Marco Rubio, dessen Eltern Exilkubaner sind und der als Hardliner bekannt ist. "Kuba braucht neue Verantwortliche", sagte Rubio am Dienstag. "Ihre Wirtschaft funktioniert nicht (..) Sie stecken in großen Schwierigkeiten, und die Verantwortlichen wissen nicht, wie sie das Problem lösen sollen, also müssen sie neue Verantwortliche einsetzen." Die anderen sollen zukünftig tun, was Washington will. Es wäre eine historische Wende.
Kuba verhandelt inzwischen auch offiziell mit den USA. Der kubanische Vizepremierminister Oscar Pérez-Oliva Fraga erklärte dem US-Medium NBC, seine Regierung sei offen für flexible Handelsbeziehungen "mit in den Vereinigten Staaten lebenden Kubanern und deren Nachkommen", sowie für Geschäfte mit US-Unternehmen. Kuba wolle verschiedene Sektoren der kubanischen Wirtschaft ankurbeln: den Bau, Tourismus und Infrastruktur. Bislang dürfen US-Bürger aufgrund von Sanktionen keine Geschäfte in Kuba machen.
Die Probleme des Karibikstaates sind auch davon verursacht, dass die USA in den 67 Jahren seit der Revolution strenge Sanktionen gegen die Insel verhängt haben. Mehrere US-Präsidenten haben so versucht, die kommunistische Führung zu stürzen, aber alle scheiterten. Für die sind das Argumente, um von potenziellen Fehlern ihrer Politik abzulenken; also davon, dass die Regierung eine Mitverantwortung für die humanitäre Krise im Land hat. Aber auch die Vereinten Nationen sehen in der US-Wirtschaftsblockade einen Verstoß gegen die Menschenrechte der Kubaner.
"Kollektive Bestrafung"
Díaz-Canel äußerte sich in der Nacht zu Mittwoch entsprechend propagandistisch – aber nicht komplett falsch. "Sie haben Pläne, sich das Land, seine Ressourcen, das Eigentum und sogar die Wirtschaft selbst anzueignen, die sie ersticken wollen, um uns in die Knie zu zwingen." Nur so lasse sich der "erbarmungslose Wirtschaftskrieg" erklären, der eine "kollektive Bestrafung gegen das gesamte Volk" sei. "Jeder Angreifer von außen wird auf einen unüberwindbaren Widerstand stoßen."
"Unüberwindlicher Widerstand"Kubas Präsident warnt die USA vor Angriff
Durch die US-Ölblockade ist Kuba eine der letzten großen staatlichen Einkommensquellen weggebrochen: der Tourismus. Die Regierung investierte in den vergangenen zehn Jahren vor allem in staatliche betriebene Hotels, die größtenteils leer geblieben sind. Fluglinien annullierten wegen Kerosinmangels Flüge nach Kuba, Maschinen landeten leer auf der Insel und hoben voller Rückreisender wieder ab.
Trump schränkte zudem den Tourismus für US-Amerikaner ein und erklärte den Karibikstaat zum Terrorismus-Unterstützer. Für Deutsche und andere Europäer bedeutet das: Wer nach Kuba fliegt, kann laut US-Medien danach nur noch mit Visa in die USA reisen. Die einfachen Esta-Anträge lehnt das Außenministerium ab.
Sich wechselseitig verstärkende Krisen plus US-Sanktionen und Ölblockade sind in der derzeitigen Lage gegipfelt. "Die Stromversorgung reicht nicht aus, das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, Krankheiten breiten sich aus und verursachen Todesfälle, die Inflation führt zu Lebensmittelknappheit, der Tourismus ist wegen Covid eingebrochen und ist nie wieder auf das vorherige Niveau zurückgekehrt", sagte Daniel Pedreira bereits im Februar zu ntv.de. Im Jahr 2018 besuchten 4,8 Millionen internationale Touristen Kuba; 2025 waren es 1,8 Millionen.
Mit der Entführung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro hat Trump gute Erfahrungen gemacht, das betont er immer wieder. Mit Caracas und der neuen Staatschefin Delcy Rodríguez pflegt das Weiße Haus angeblich exzellente Beziehungen. Die US-Regierung hat die Sanktionen gegen das weiterhin autoritär regierte Venezuela etwas gelockert. Caracas hat die verpflichtende staatliche Beteiligung an Öl-Infrastruktur aufgegeben und politische Gefangene freigelassen.
Gesundheitssystem vor KollapsÖlmangel und kein Strom bringen Kuba chaotische Zustände
Beliebtheit trotzdem gering
So bedeutsam Trumps Tanz auf internationalen Schlachtfeldern auch sein mag, den kritischen Blick auf den Kurs im eigenen Land dürften sie kaum abwenden können; noch weniger in einem Wahljahr. Der Präsident lobt sich in seinem so eigenen Duktus permanent für die angeblichen wirtschaftlichen Erfolge. Aber die Wähler haben mit hohen Lebenshaltungskosten zu kämpfen, die auch laut Umfragen das wichtigste politische Thema sind.
Bislang ist offenbar nur am Rande interessant, dass sein Schwiegersohn Jared Kushner sich nun beruflich in Gaza verwirklicht, Maduro in Brooklyn im Gefängnis sitzt, der neue iranische Ajatollah verwundet wurde oder er Kuba dazu zwingt, sich dem Westen zu öffnen. Trumps Zustimmungswerte bleiben bislang desaströs, wobei die Beliebtheit des Präsidenten sich erfahrungsgemäß auf die Erfolgschancen der Kongresskandidaten seiner Partei auswirkt. Umfragen zufolge war nie ein Krieg so ungewollt von der US-Öffentlichkeit wie der derzeitige gegen den Iran. Die Folgen bemerken auch Republikaner bis in die verlassensten ländlichen Gegenden an der Tankstelle.
Statt sich also auf Innenpolitik und die nahenden Kongresswahlen zu konzentrieren, dreht der Präsident bislang das größtmögliche Rad: Geopolitik. Gewinnt oder verprellt er damit potenzielle Wähler der Republikaner? Die Exilkubaner in den USA, inzwischen viele auch mit Familien, US-Staatsangehörigkeit und damit Wahlberechtigung, sind überwiegend Republikaner, viele davon Hardliner gegen die Regierung in Havanna und im Zweifel für Sanktionen. Wäre ihnen eine wirtschaftliche Öffnung und Hörigkeit Havannas genug, um in ihre Heimat zu investieren?

