Harvard-Philosoph Michael Sandel über die Mitschuld der Demokraten am Aufstieg Donald Trumps
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Sein Ton ist immer freundlich, seine Ausstrahlung ist die eines zurückhaltenden Gentlemans. Gleichzeitig hat er diese Präsenz, die so typisch ist für US-amerikanische Topleute, ob sie nun in der Politik oder an Universitäten zu finden sind. Seine Argumentation ist scharf und nicht selten anklagend.
Sandel, 67 Jahre alt, lehrt als Philosophieprofessor an der US-Eliteuniversität Harvard. Seine Vorlesungen sind auch als »Ted Talks« im Internet abrufbar. Sein neues Buch heißt »Vom Ende des Gemeinwohls«. Es erscheint nicht ohne Grund in der Endphase des amerikanischen Wahlkampfs: Es handelt – natürlich – von US-Präsident Donald Trump, von dessen Vorgänger Barack Obama, auch von Trumps Herausforderin im vorigen Wahlkampf, Hillary Clinton, und deren Mann Bill, dem früheren Präsidenten.
Sandel macht Schuldige ausfindig für die Spaltung der Gesellschaft der USA und die Spaltung der Gesellschaften so vieler Länder, auch Deutschlands. Im Zentrum seiner Anklage aber steht nicht Trump. Sandel zielt auf die liberalen Kräfte: die Demokraten in seinem Land, die Sozialdemokraten in Europa.

