Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

Griechenland: Mehr als 100 Kinder unter Deck des Unglücksschiffs befürchtet

June 16
05:57 2023

Nach dem Untergang des Flüchtlingsboots vor der griechischen Küste berichten Überlebende von den Verhältnissen an Bord. Was sie unter anderem der britischen BBC schildern, lässt Schlimmstes für die weiteren Bergungsarbeiten befürchten.

Demnach könnten sich bis zu 750 Personen auf dem Schiff befunden haben, als es am Mittwoch rund 50 Seemeilen südwestlich der griechischen Halbinsel Peloponnes unterging. Die Küstenwache konnte bisher 104 Menschen retten, 78 wurden tot geborgen. Je länger die Suchaktion dauert, desto geringer werden die Chancen, noch Überlebende zu finden.

Die BBC beruft sich in ihren Berichten vor allem auf Ärzte, die sich um die Überlebenden kümmern. So zitiert der Sender einen Kardiologen im Krankenhaus von Kalamata. »Die Überlebenden berichten uns, dass im Inneren des Schiffs Kinder gewesen seien. Kinder und Frauen«, so Manolis Makaris. Ihm seien Zahlen zwischen 50 und 100 genannt worden, erklärte Makaris weiter mit Blick auf die möglichen Kinder an Bord.

Aufnahmen der griechischen Küstenwache zeigen das Fischerboot vor dem Untergang. Das Deck ist komplett voller Menschen, die Innenräume sind aber nicht zu erkennen.

Die meisten Passagiere stammen laut Küstenwache aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. Die geborgenen Toten wurden bereits im Laufe des Donnerstags nach Athen gebracht, wo versucht werden soll, die Leichen unter anderem mithilfe von DNA-Proben zu identifizieren.

Nach neuesten Erkenntnissen der Behörde sei der Fischkutter vor einigen Tagen aus Ägypten gestartet, habe dann einen Stopp im libyschen Tobruk gemacht und weitere Menschen aufgenommen. Danach nahmen die Schleuser Kurs auf Italien.

Behörden nehmen mutmaßliche Schleuser fest

Nach dem Untergang hat die griechische Küstenwache neun Überlebende festgenommen. Sie sollen als Schleuser agiert haben. Wie der staatliche Rundfunk (ERT) am Donnerstagabend berichtete, wird den aus Ägypten stammenden Männern unter anderem die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Sie sollen dem Staatsanwalt der Hafenstadt Kalamata vorgeführt werden. Dieser werde entscheiden, wie es weitergehe, hieß es.

Unterdessen gibt es wachsende Kritik am Verhalten der Küstenwache. Auf von den griechischen Behörden veröffentlichten Luftaufnahmen des Bootes sind bereits Stunden vor dessen Untergang Dutzende von Menschen auf dem Ober- und Unterdeck des Bootes zu sehen, die nach oben blicken, einige mit ausgestreckten Armen. Dennoch griff die Küstenwache zu diesem Zeitpunkt nicht ein. Offizielle erklärten, die Menschen hätten Hilfe wiederholt abgelehnt und gesagt, sie wollten Italien erreichen.

Griechenlands Oppositionsführer und Ex-Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte hingegen nach Angaben des »Guardian« bei einem Besuch im Hafen von Kalamata, Überlebende hätten ihm gesagt, sie hätten um Hilfe gerufen. »Welches Protokoll verlangt nicht die Rettung eines überladenen Bootes kurz vor dem Untergang?«

Neueste Beiträge

12:25 Sprecherin dementiert: Bericht: Merz erwägt großen Kabinettsumbau

0 comment Read Full Article