Gold im Skispringen: Philipp Raimund gelingt die gigantische Sensation
Olympia
Gold im SkispringenPhilipp Raimund gelingt die gigantische Sensation
09.02.2026, 20:48 Uhr

Es hat sich im Training angedeutet. Da springt Philipp Raimund konstant vorne mit. Was er dann auf der Normalschanze abliefert, ist eine Sensation. Der 25-Jährige hat noch nie ein Weltcupspringen gewonnen. Nun holt er die zweite Goldmedaille für Team D bei den Olympischen Winterspielen 2026.
Erste Winterspiele, erstes Gold: Philipp Raimund hat sich sensationell zum Olympiasieger im Skispringen gekrönt. Der 25-Jährige siegte im Wettbewerb von der Normalschanze im italienischen Predazzo. Raimund setzte sich im ersten olympischen Springen seiner Karriere vor Silbergewinner Kacper Tomasiak aus Polen durch. Rang drei teilten sich der Japaner Ren Nikaido und der Schweizer Gregor Deschwanden.
Im Weltcup hat Raimund noch nie ein Einzel gewonnen. Für das deutsche Team ist es der Mega-Höhepunkt einer ganz schweren Saison mit zahlreichen Enttäuschungen.
"Es war ähnlich wie im Sommer schon hier. Vor dem ersten Sprung war ich scheiße-nervös. Es sind alle hier. Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber ich bin so, so stolz drauf. Jetzt bin ich Olympiasieger, das ist unglaublich", sagte Raimund und fügte hinzu: "Noch keinen einzigen Weltcup gewonnen und dann auf der größten Bühne, ganz oben zu stehen, das ist unglaublich."
Auf dem Trainerturm verdrückte selbst der sonst so coole Chefcoach Stefan Horngacher eine Träne. "Der Hille war so konzentriert wie nie in seinem Leben", sagte Horngacher stolz und baff am ARD-Mikrofon: "A Bierle werden wir schon trinken."
Fast auf den Tag genau acht Jahre nach dem Triumph von Andreas Wellinger in Pyeongchang hat Deutschland seinen fünften Skisprung-Olympiasieger im Männer-Einzel. Zuvor hatten noch die DDR-Springer Helmut Recknagel (1960), Hans-Georg Aschenbach (1976) und Jens Weißflog (1984/1994) triumphiert. "Das ist ultrasensationell", jubelte ARD-Experte Sven Hannawald, der im Einzel 2002 "nur" Silber gewonnen hatte.
Hannawald fiebert am Mikrofon mit
Die Zuschauer im sehr gut gefüllten Sprung-Stadion sahen einen packenden Wettkampf. Anders als so oft in diesem Winter im Weltcup sprang der Slowene Domen Prevc diesmal nicht allen davon. Der Saison-Dominator und Vierschanzentourneesieger wurde nur Sechster. Raimund lieferte diesmal die große Show. Zahlreiche angereiste deutsche Fans feierten den gebürtigen Göppinger.
Schon nach seinem ersten Versuch zeigte Raimund die Faust. Sein Sprung auf 102 Meter brachte ihn in eine hervorragende Ausgangsposition. "Komm, bitte", sagte die mitfiebernde Skisprung-Legende Sven Hannawald am ARD-Mikrofon. Im zweiten Durchgang ließ Raimund 106,5 Meter folgen.
Schon im Training zeigte er, wie gut ihm die Schanze im Val di Fiemme liegt. Am Tag vor dem Wettkampf belegte der 25-Jährige in drei Trainingsrunden die Plätze eins, eins und zwei.
"Ich habe ein Gefühl dafür aufgebaut, was für Punkte ich habe, worauf ich mich konzentrieren muss", sagte er. Er könne nun ganz entspannt an den Wettkampf herangehen, ergänzte Raimund im Stile eines Routiniers. "Ich glaube, dass wir tatsächlich aufgeregter sind als er", sagte sein Bruder Fabian in der ARD.
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Erste Winterspiele für Raimund
Sportlich hat sich Raimund im vergangenen Jahr enorm weiterentwickelt und auch ein persönliches – für einen Skispringer ungewöhnliches – Problem gelöst. Höhenangst, die Raimund noch in der vergangenen Saison zwischenzeitlich plagte, macht ihm nach eigenen Angaben keine Schwierigkeiten mehr. Mit einem Psychologen hat er das Thema aufgearbeitet.
Raimund will seine ersten Winterspiele auch abseits des Wettkampfes genießen. Der extrovertierte Sportler nimmt in der Mannschaft eine besondere Rolle ein. "Er lebt von den Emotionen", beschrieb Sportdirektor Horst Hüttel zuletzt. "Seine Art tut auch den anderen gut." Gut tut Raimund nun auch dem deutschen Medaillenspiegel.
Die anderen deutschen Athleten, Felix Hoffmann, Andreas Wellinger und Pius Paschke, konnten nicht in den Kampf um Edelmetall eingreifen. Für die Springer geht es bereits an diesem Dienstag weiter. Dann steht das Mixed-Team auf dem Programm (18.45 Uhr/ZDF und Eurosport).
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