Gegen die Tradition: US-Regierung feuert den obersten Militär
Politik
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Verteidigungsminister Hegseth schon hatte schon kurz nach der eigenen Nominierung geäußert, Brown gehöre entlassen.
40 Jahre steht Charles Brown im Dienste seines Landes, zuletzt als Generalstabschef. Damit ist nun Schluss. Sein Fokus auf Diversität und Gleichbehandlung im US-Militär war der neuen US-Regierung ein Dorn im Auge.
Entgegen der Tradition, die bisherige Besetzung des militärischen Spitzenpostens beizubehalten, hat US-Präsident Donald Trump einen neuen Generalstabschef der US-Streitkräfte bestimmt. Er danke Charles Q. Brown für 40 Jahre im Dienst des Landes – auch in seiner Position zuletzt – und wünsche ihm und seiner Familie eine "großartige Zukunft", schrieb Trump auf seinem Online-Sprachrohr Truth Social. Als Nachfolge auf dem direkt dem US-Verteidigungsminister nachgestellten Posten nominierte Trump den früheren Luftwaffen-Generalleutnant Dan Caine.
Bei bisherigen Regierungswechseln war die Besetzung des Generalstabschefs üblicherweise beibehalten worden. Der 63-jährige Brown war nach Angaben der "New York Times" erst der zweite Afroamerikaner auf dem Spitzenposten. Demnach hatte Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth schon kurz nach der eigenen Amts-Nominierung geäußert, dass Brown aus seiner Sicht entlassen gehöre – wegen dessen Fokus auf Diversität, Gleichbehandlung und Inklusionsthemen im US-Militär, schrieb die Zeitung.
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In einem emotionalen Video, das er nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten im Jahr 2020 veröffentlicht hatte, schilderte Brown seine Erfahrungen mit Diskriminierung in den Streitkräften. Oft sei er der einzige schwarze Soldat in seinem Geschwader gewesen, berichtete der erfahrene Kampfpilot. Als Schwarzer habe er besonderen Druck durch Vorsetzte empfunden, "fehlerfrei" zu agieren, da sie nach seiner Wahrnehmung sein Leistungsvermögen geringer eingeschätzt hätten als das anderer Soldaten.
Erste Frau an Navy-Spitze muss ebenfalls gehen
Insgesamt entließ die Regierung sechs Top-Führungskräfte im Pentagon, darunter Navy-Chefin Lisa Franchetti, die erste Frau an der Spitze der US-Marine. Parallel kündigte das Verteidigungsministerium an, dass es ab kommender Woche mit der Entlassung von etwa "fünf bis acht Prozent" seiner zivilen Mitarbeiter beginnen werde. Die ersten Entlassungen betreffen demnach 5400 Beschäftigte in Probezeit.
Die Entlassungen zielten darauf ab, "Effizienzgewinne zu erzielen und das Ministerium auf die Prioritäten des Präsidenten und die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte auszurichten", erklärte der zuständige Ministerberater Darin Selnick. Das Pentagon ist der größte Arbeitgeber in den USA. Es beschäftigt allein mehr als 900.000 Zivilisten. Dies bedeutet, dass Kürzungen von fünf Prozent mehr als 45.000 Stellen betreffen würden.
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Caine wurde von Trump auf Truth Social als "erfahrener Pilot, nationaler Sicherheitsexperte, erfolgreicher Unternehmer und Kriegskämpfer" gelobt. Beim Kampf gegen die Terrormiliz IS im Irak habe Caine "abgeliefert" und in Rekordzeit für eine Auslöschung des sogenannten Kalifats gesorgt. Trotz seiner hohen Qualifikation sei Caine von der Vorgängerregierung unter Joe Biden bei der Besetzung der Spitzenposten übergangen worden, schrieb Trump. "Aber jetzt nicht mehr!"
Als Soldat im Ruhestand müsste Caine nach Angaben der "New York Times" in den Dienst zurückberufen werden, um Generalstabschef zu werden. Auch muss der US-Senat die Besetzung noch bestätigen.
Quelle: ntv.de, chl/dpa/AFP