Experte Djir-Sarai im Interview: “Merz sollte Trump zum Regime-Change im Iran ermutigen”
Politik
Experte Djir-Sarai im Interview"Merz sollte Trump zum Regime-Change im Iran ermutigen"
03.03.2026, 14:48 Uhr Artikel anhören(07:05 min)00:00 / 07:05
- 0.5x
- 0.8x
- 1.0x
- 1.2x
- 1.5x
- 2.0x

Die USA und Israel führen Krieg gegen den Iran – für den Iran-Kenner und früheren FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai ist das ein Grund zur Hoffnung. Die Islamische Republik gehöre auf den "Müllhaufen der Geschichte", wie er im Interview sagt. Auch für Deutschland ergäben sich Chancen aus einem Ende der Mullahs.
ntv.de: Herr Djir-Sarai, als Sie von den Angriffen auf den Iran erfahren haben, was war Ihr Grundgefühl?
Bijan Djir-Sarai: Ich glaube, ich habe das gleiche Grundgefühl, wie ich es von vielen Menschen aus dem Iran höre. Einerseits gibt es die Angst vor dem Krieg. Auf der anderen Seite aber auch die große Hoffnung, dass dieses Regime scheitert und zu Ende geht. Dass die Islamische Republik endlich auf dem Müllhaufen der Geschichte landet. Die Menschen sind seit Wochen auf der Straße. Dabei ist klar geworden: Für einen Regime-Change brauchen sie Hilfe von außen. Die ist jetzt erfolgt.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf der Angriffe? Immerhin gab es Hunderte zivile Opfer.
Aus der Ferne kann ich zum Verlauf wenig sagen. Aber dass zentrale Säulen des Systems ausgeschaltet werden, begrüßen viele Menschen im Iran.
Welche Bedeutung hat der Tod des religiösen Führers Chamenei? Das Regime besteht ja fort und leistet Gegenwehr.
Das ist ein Schock und eine Schwächung für das Regime. Aber man darf nicht vergessen: Es hat sich seit Jahrzehnten auf diesen Augenblick vorbereitet. Die Institutionen der Islamischen Republik funktionieren nach wie vor. Man muss sich das wie eine Schlange mit mehreren Köpfen vorstellen. Erst wenn die Köpfe der Schlange abgeschlagen sind, ist das Regime gescheitert.
Ist Regimewechsel möglich?"Die Mullahs denken noch immer, sie seien die Auserwählten"
Wie sehr kann militärische Gewalt von außen diese Säulen ins Wanken bringen?
Das geht nur mit militärischer Gewalt von außen. Die Menschen im Iran können das System nicht allein beseitigen. Es beruht auf Gewalt. In den vergangenen Wochen sind fast 40.000 Menschen getötet worden. Wer als Oppositioneller auffällt, muss mit schwersten Konsequenzen rechnen, auch für die eigene Familie. Die Iraner brauchen Hilfe von außen.
Wie realistisch ist es, dass die Menschen selbst einen Regime-Change herbeiführen? Trump hat sie ja dazu aufgefordert.
Ich gehe fest davon aus, dass die Menschen wieder auf die Straße gehen, wenn zentrale Säulen des Regimes ausgeschaltet sind und Teile des Systems zusammenbrechen. Aber wir dürfen auch nicht vergessen: Wir reden hier über islamistische Hardliner, die bis zum Schluss das Ziel verfolgen, Menschen zu töten. Noch gibt es die Revolutionsgarden. Auch wenn es dort auch interne Konflikte gibt. Wir können aber von außen kaum einschätzen, wie groß die Risse im System sind.
Als mögliches neues Staatsoberhaupt wird der Schah-Sohn Reza Pahlavi gehandelt. Wie schätzen Sie seine Eignung dazu ein? Wie groß wäre eine Unterstützung für ihn?
Bei den Demonstrationen im Iran wird nur ein Name gerufen, und das ist der Name Pahlavi. Meinem Eindruck nach traut die Mehrheit der Iraner Pahlavi zu, den Iran in eine Demokratie nach westlichem Vorbild zu überführen. Ich halte das auch für denkbar. Wir sollten froh sein, dass es so eine Figur überhaupt gibt. Er ist ein Demokrat, er denkt westlich und könnte den Übergang gestalten. Ob er am Ende Präsident oder gar ein König innerhalb eines demokratischen Systems würde, müssen die Iraner entscheiden.
Jäger zum Krieg gegen Iran"Innenpolitisch wird es für Trump schieflaufen"
Wie sicher ist es überhaupt, dass sich der Iran in eine Demokratie verwandelt?
Die Mehrheit der Menschen im Iran will die Demokratie, davon bin ich überzeugt. Von Islamismus und Diktatur haben sie genug. Die Menschen wollen die Akteure der Islamischen Republik nicht mehr sehen. Erst recht nicht in Führungspositionen. Man darf sich da nichts vormachen. In der Islamischen Republik gibt es keine gemäßigten Reformkräfte, die den Wandel gestalten können. Das werden die Menschen nicht akzeptieren.
Das jetzige Regime will Israel vernichten. Wie sehr ist dieser Antisemitismus in der iranischen Gesellschaft verankert?
Für die Islamische Republik ist es das Ziel, Israel auszulöschen. In der Bevölkerung ist dieses Gefühl überhaupt nicht vorhanden. Eine künftige Regierung unter Pahlavi wäre proamerikanisch und proisraelisch. Das ist auch eine große Chance für uns in Europa. Geopolitisch würden Russland und China einen Verbündeten verlieren. Aber auch für die Region selbst. Alle dort wissen jetzt, wie gefährlich der Iran ist.
Terrorismusexperte zum Iran"Für die USA ist es ein Wettlauf gegen die Zeit"
Glauben Sie, Trump wird dranbleiben oder am Ende doch einen Kompromiss mit dem Regime schließen? Er hat ja schon gesagt, ein Modell wie in Venezuela wäre denkbar.
Das ist schwer zu beantworten. Präsident Trump ist für seine Unberechenbarkeit bekannt. Bei Israel ist das anders. Israel hat ein Sicherheitsinteresse und möchte, dass dieses Regime dauerhaft verschwindet.
Die Bundesregierung hat vermieden, die Angriffe völkerrechtlich einzuordnen. Ist für das Völkerrecht kein Platz mehr? Wie sehen Sie das?
Das Völkerrecht ist an dieser Stelle nicht zeitgemäß und muss angepasst werden. Im Iran sind in den vergangenen Wochen Menschen massenhaft abgeschlachtet worden. Es kann nicht sein, dass das Völkerrecht Diktatoren und diktatorische Regime schützt.
"Werden jedes Schiff verbrennen"So zentral ist die Straße von Hormus für die Energieversorgung
Welchen Beitrag könnte die Bundesregierung nun leisten, um einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen?
Es ist höchste Zeit, die Iran-Strategie zu ändern – in Deutschland und Europa. Wir müssen wegkommen von Atomverhandlungen und Dialogformaten mit diesem Regime. Wir brauchen eine klare Positionierung, dass ein Regime-Change erfolgen muss. Mit diesen Leuten darf man nicht mehr zusammenarbeiten. Der Nahe und Mittlere Osten wird nur eine sichere Region sein, wenn dieses Regime verschwindet.
Kann Deutschland überhaupt mehr als ein Zuschauer sein?
Selbstverständlich. Wir müssen damit aufhören, uns an nutzlose Abkommen zu klammern, und endlich die eigenen Interessen erkennen. Wenn die Islamische Republik untergeht, ist das auch eine Chance für die Auseinandersetzung mit Russland. Sie würde als Waffenlieferant und Verbündeter wegfallen.
"Wäre ein Erfolg für Merz"Bundesregierung hofft auf Trump-Bekenntnis zur Nato
Bundeskanzler Merz trifft heute US-Präsident Trump. Was erwarten Sie von ihm in der Iran-Frage?
Ich glaube, Herr Merz wird Trump nicht kritisieren und er sollte ihn zum Regime-Change im Iran ermuntern. Die Menschen im Iran brauchen jetzt diese Unterstützung. Alles andere als ein Ende der Islamischen Republik wäre eine Katastrophe. Die Menschen im Iran hoffen auf die Hilfe der Amerikaner. Darin sollte Merz Trump bestärken.
Mit Bijan Djir-Sarai sprach Volker Petersen

