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Erwerbstätigkeit von Frauen weltweit: Seltener in Arbeit, schlechter bezahlt

November 01
03:01 2020
Malerin und Dekorateurin (Archivbild) Icon: vergrößern

Malerin und Dekorateurin (Archivbild)

Foto: Thierry Gouegnon / REUTERS

Mandanten verteidigen, ein Geschäft führen oder einen Bus fahren – weltweit machen das mehr Männer als Frauen, und nicht nur diese Tätigkeiten: Dass es die Männer sind, die arbeiten und dafür Geld bekommen, ist immer noch der Normalfall der Erwerbstätigkeit.

Frauen sind seltener überhaupt erwerbstätig und arbeiten weniger Stunden für Geld. Weltweit heißt das: Weniger als die Hälfte aller Frauen im erwerbsfähigen Alter haben einen bezahlten Job. Frauen verbringen jedoch deutlich mehr Zeit mit unbezahlten Tätigkeiten wie Hausarbeit, Pflegearbeit und Feldarbeit für die eigene Familie.

Besonders extrem ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Nordafrika und im Nahen Osten. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) schätzt den Anteil der arbeitenden Frauen in diesen Regionen auf den niedrigsten weltweit.

Anders sieht es hingegen in Subsahara-Afrika aus: Frauen arbeiten dort eher als in Europa.

Woran liegt es, ob Frauen erwerbstätig sind oder nicht?

Bei Ländervergleichen muss beachtet werden: Faktoren wie die Altersverteilung der Gesellschaft, Gesetze und kulturelle Normen können den Anteil der arbeitenden Frauen beeinflussen. In Ländern mit niedrigen Einkommen arbeiten Frauen zum Beispiel auf den Höfen oder in Familienbetrieben – ohne bezahlt zu werden. Sie zählen dann nicht zu den Erwerbstätigen.

Andersherum kann ein schlecht entwickeltes Bildungswesen zu höherer Erwerbstätigkeit führen: Die Statistik betrachtet Frauen ab 15 Jahren – in den meisten Ländern geht ein Großteil der Menschen in diesem Alter noch zur Schule. Besuchen junge Frauen in einem Land kürzer die Schule und fangen früher an zu arbeiten, erhöht das die Erwerbstätigenquote. Auch ein niedriger Anteil von Frauen, die studieren, steigert die Quote.

Wie sehr auch Kultur, Normen und politische Vergangenheit die Erwerbstätigkeit beeinflussen, lässt sich unter anderem in Deutschland beobachten: Noch immer arbeiten weniger westdeutsche als ostdeutsche Frauen in Vollzeit. Besonders bei Müttern ist der Unterschied groß: In ostdeutschen Bundesländern arbeiten Frauen mit Kindern unter elf Jahren dreimal häufiger in Vollzeit als in westdeutschen. Die Lücke zwischen West und Ost ist zwar bereits geschrumpft, doch auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung sind noch Unterschiede erkennbar.

Ein Faktor, der die Erwerbstätigkeit von Frauen begünstigt, ist die Gendergerechtigkeit. Im "Sustainable Development Goals (SDG) Gender-Index" werden verschiedene Lebensaspekte erfasst, etwa Armut, Hunger, Zugang zu Wasser, Klimafolgen und Gleichheit.

Das Ergebnis: Je höher die Gendergerechtigkeit, desto mehr Frauen gehen bezahlten Tätigkeiten nach. Und es tut sich etwas grundsätzlich: In den meisten Ländern der Welt arbeiten heute mehr Frauen als noch 1980.

Allerdings: Auf der ganzen Welt gibt es kein einziges Land, in dem erfasst wurde, dass Männer mehr unbezahlte Arbeit leisten als Frauen. Das gilt auch für alle europäischen Länder, wie Zahlen der Weltbank zeigen.

Die größte Differenz Europas herrscht in Albanien, dort wenden Frauen täglich 4,5 Stunden mehr auf als Männer, um zu putzen, zu pflegen, zu kochen. In Deutschland beträgt die Lücke 1,5 Stunden, wie die jüngsten Zahlen von 2013 zeigen. Die geringsten Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es diesbezüglich in Norwegen, wo Frauen den Männern 2011 nur 45 Minuten voraushatten.

Im Mittel über alle OECD-Staaten arbeiten Frauen so insgesamt 30 Minuten mehr am Tag – unbezahlte und bezahlte Arbeit zusammengenommen. In Portugal macht dieser Unterschied sogar 90 Minuten aus, in Deutschland liegen Männer und Frauen etwa gleichauf.

Frauen arbeiten auch deutlich häufiger in Teilzeit – jedoch nicht immer freiwillig: Der Anteil der Frauen, die ungewollt in Teilzeit arbeiten, liegt OECD-weit mehr als doppelt so hoch wie jener der Männer, bei etwa fünf Prozent. Besonders groß ist die Diskrepanz in Ländern, die ohnehin eine hohe Arbeitslosigkeit haben, wie Spanien und Italien.

Dass Frauen weniger Stunden für Bezahlung arbeiten, führt unter anderem dazu, dass sie ein geringeres Einkommen haben als Männer. In den OECD-Staaten verdienen Frauen im Schnitt 13 Prozent weniger als Männer. In diese sogenannte unbereinigte Gehaltslücke spielt hinein, dass Frauen häufig weniger Stunden arbeiten – aber auch, dass Jobs, in denen typischerweise viele Frauen arbeiten, schlechter bezahlt werden.

Klar ist auch: Wer weniger oder gar nicht für Geld arbeitet, läuft eher Gefahr, in Abhängigkeit zu geraten oder in Armut abzurutschen, besonders im Alter.

Wo Männer lieber eingestellt werden als Frauen

Dafür, dass weniger Frauen erwerbstätig sind, gibt es allerdings auch strukturelle Gründe. Das zeigt sich etwa an der weltweiten Arbeitslosenquote: Die Frauenarbeitslosigkeit auf der Welt ist sechs Prozent höher als die der Männer. Auch wenn Frauen also am Erwerbsleben teilhaben wollen, sind sie häufiger ohne Job als Männer.

Das wiederum liegt häufig an kulturellen Gründen. In Indien und Tunesien beispielsweise war 2012 noch die Meinung verbreitet, dass bei Jobknappheit ein Mann Vorrang vor einer Frau haben sollte, wenn sich beide auf eine Stelle bewerben. Mehr als 80 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu. In Deutschland sahen das immerhin noch 19 Prozent so.

Icon: Der Spiegel

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