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Druck auf Ministerin nimmt zu: Reiche muss niedrige Gasspeicher-Füllstände erklären

February 17
14:16 2026

Wirtschaft

Druck auf Ministerin nimmt zuReiche muss niedrige Gasspeicher-Füllstände erklären

17.02.2026, 11:20 Uhr imageVon Thomas SteinmannArtikel anhören(09:04 min)00:00 / 09:04

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Die Gasspeicher leeren sich wegen des kalten Winters schneller. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Gasspeicher leeren sich, doch die zuständige Ministerin tut bislang nichts. Nun muss Katherina Reiche im Wirtschaftsausschuss deshalb kritische Fragen beantworten. Nicht nur die Opposition will Antworten.

Es ist nicht lange her, dass Katherina Reiche zu Gast im Wirtschaftsausschuss des Bundestages war. Mitte Januar lud die Opposition die Wirtschaftsministerin in den Ausschuss, um sie zu einem Event im österreichischen Ferienort Seefeld zu befragen, das Österreichs früherer Bundeskanzler Sebastian Kurz und Karl-Theodor zu Guttenberg, Ex-Verteidigungsminister und Reiches Lebensgefährte, organisiert hatten. Kritische Fragen blockte Reiche reihenweise ab, indem sie ihre Teilnahme an dem Treffen mit Unternehmern und Ministern aus anderen Ländern als "privat" deklarierte. Und zu privaten Terminen müssen Bundesminister nichts sagen.

Ganz anders wird es sein, wenn Reiche an diesem Dienstagnachmittag den Abgeordneten erneut Fragen beantworten soll. Dieses Mal geht es in der Sondersitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Energie, die nicht-öffentlich als Videokonferenz angesetzt ist, um ein Thema, bei dem die CDU-Politikerin zweifellos die zuständige Ministerin ist: um die sich rapide leerenden Erdgasspeicher in Deutschland. Vor allem die Grünen erwarten Antworten, wie die Bundesregierung sicherstellen will, dass das Land ohne Gasengpässe durch den restlichen Winter kommt.

Seit Wochen sinken die Füllstände der deutschen Gasspeicher, inzwischen haben sie ein Niveau erreicht, das Experten Sorgen bereitet. An diesem Montag waren die Speicher im Bundesschnitt nur noch zu 23,5 Prozent gefüllt. In manchen Regionen liegen die Füllstände noch deutlich darunter – etwa in Bayern, wo der Füllstand landesweit 18 Prozent beträgt. Gleichzeitig rollt in manchen Teilen der Republik eine neue Kältewelle an, die dazu führen könnte, dass sich die Speicher wieder mit einem schnelleren Tempo leeren als in den vergangenen Tagen. Das Gassystem fahre "am Rande der Belastungsgrenze", warnte der Verband der Speicherbetreiber (Ines) schon Anfang Februar.

Während mit den abnehmenden Füllständen der Druck in den Speichern sinkt und manche Anlagen deshalb langsamer ins Netz ausspeisen, steigt der politische Druck auf Reiche. Die CDU-Ministerin hatte nach ihrem Amtsantritt im Mai entschieden, auf Eingriffe in den Markt zu verzichten, um bei der damals schon schleppenden Befüllung der Speicher nachzuhelfen. Die frühere Ampel-Regierung hatte nach dem russischen Überfall auf die Ukraine bewusst eingegriffen, um einen Gasmangel abzuwehren. Die Folge: Weil sich der Gasmarkt nach dem Ende der Pipeline-Lieferungen aus Russland strukturell geändert hat und es sich für Händler nicht mehr rentiert, Gas im Sommer auf Vorrat für den Winter zu kaufen, wurden die Speicher vor diesem Winter wenig gefüllt.

Grüne schießen sich auf Reiche ein

Hinzu kam, dass durch einen späten Kälteeinbruch im Frühjahr 2025 noch Gas ausgespeichert wurde – statt mit dem Wiederauffüllen der Reservoire zu beginnen. Schon als die Große Koalition im Mai die Regierung übernahm, war klar, dass viele Speicher die Mindestfüllstände bereits aus technischen Gründen nicht mehr erreichen können. Zudem spekulierten viele Marktakteure darauf, dass der Staat wie in der Gaskrise 2022/2023 notfalls eingreifen werde, um die Speicher auch zu hohen Preisen zu füllen – was die Gaspreise für Lieferungen im Sommer trieb. Erst nachdem Reiche Anfang Juli klargemacht hatte, dass es mit ihr keine solchen Eingriffe geben werde, sanken die Preise für Gas im Sommer, sodass von da an mehr eingespeichert wurde.

GasspeicherMinisterium beschwichtigtGasspeicher sind nur halb so voll wie sonst zu dieser Zeit

Dies alles führte dazu, dass das Land mit einem Füllstand in diesen Winter ging, der rund 20 Prozentpunkte unter dem des Vorjahres lag. Diesen Rückstand zu Beginn der Heizperiode schleppt das Gassystem nun durch ihren weiteren Verlauf, weshalb die Speicher trotz eines insgesamt nicht einmal besonders kalten Winters heute so leer sind wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Je nachdem, wie lange sich der Winter hält und wie sich die Temperaturen entwickeln, könnte die Lage noch heikel werden. Im Worst-Case-Szenario halten es manche Gasmanager sogar für denkbar, dass in einzelnen Regionen Industriebetriebe ihren Verbrauch einschränken müssen. Von einem "Zitterspiel" ist in der Branche die Rede – auch für die verantwortliche Ministerin.

Auch die Opposition gibt sich wegen der Lage alarmiert. Vor allem die Grünen, die Reiche sonst gerne eine allzu große Nähe zur Gasbranche unterstellen, haben sich auf die Ministerin eingeschossen. Als Reiches oberster Kritiker tritt Michael Kellner auf, in Ampel-Zeiten Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und nun energiepolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Kellner war nah dran, als der damalige Minister Robert Habeck nach Beginn des Ukrainekrieges mit staatlichen Gaseinkäufen eine Versorgungskrise abwenden musste. Später war Kellner daran beteiligt, Habeck im Bundestagswahlkampf 2025 als Krisenmanager zu inszenieren – während sich die Union an Habecks milliardenteuren Gaskäufen abarbeitete.

"Ministerin Reiche macht ihren Job nicht", schimpfte Kellner. Das Wirtschaftsministerium hoffe auf das Wetter, dabei sei die Lage "angespannt". Vor der Ausschusssitzung am Dienstag verschärfte er den Ton noch: Reiche wiege die Gaskunden in falscher Sicherheit, indem sie seit Wochen versichere, das Land werde gut durch den Winter kommen. Im Wirtschaftsausschuss werde sie viele Fragen beantworten müssen.

Union will stärkere Rolle des Staates

Reiches Ministerium und die ihm unterstellte Bundesnetzagentur, die für die Versorgungssicherheit verantwortlich ist, halten bislang stoisch an ihren beruhigenden Aussagen fest. Ihre Linie: die Füllstände der Speicher seien für sich genommen kein Gradmesser für mögliche Engpässe, dank der neuen Flüssigerdgasterminals an Nord- und Ostsee könne Deutschland jetzt kurzfristiger reagieren. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Flüssigerdgas (LNG) verfügbar. Zudem gebe es auch noch die Nachbarländer, die bei Bedarf mehr Gas aus ihren LNG-Terminals oder Speichern liefern könnten.

Kurzum: Die Versorgungslage sei stabil, ein Gasmangel derzeit nicht zu befürchten. In vertraulichen Gesprächen allerdings sieht auch manch ein Fachbeamter in Reiches Haus die aktuelle Lage problematischer – auch mit Blick auf die Speicherstände bei Deutschlands Nachbarn, die teilweise ebenfalls sehr niedrig sind. Hinzu kommt die große Frage, wie die Gasspeicher, die im Frühjahr fast leer sein dürften, zum nächsten Winter wieder aufgefüllt werden sollen.

Selbst die Unionsfraktion im Bundestag ist zuletzt bereits vorgeprescht. In einem Papier zur Gasversorgung fällten die Energiepolitiker von CDU und CSU vergangene Woche ein kritisches Urteil zu Reiches bisherigem Ansatz, es alleine dem Markt zu überlassen, die bestehenden staatlichen Vorgaben für Mindestfüllstände zu Beginn und Ende des Winters zu erreichen. Um die Befüllung der Speicher sicherzustellen, müsse der Staat künftig eine stärkere Rolle spielen, forderten die Experten der Union: "Bei der Versorgungssicherheit muss auf Nummer Sicher gegangen werden." Dies gelte insbesondere für geopolitische Risiken oder schwere Versorgungsschocks, in denen ein Versagen des Marktes zu befürchten wäre, heißt es in dem Papier.

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Welche Instrumente dem Staat dafür zur Verfügung stehen sollen, ließen die Unionsexperten zunächst noch offen. Konkret erwähnten sie lediglich den Aufbau einer strategischen Gasreserve, ähnlich wie es sie beim Erdöl bereits gibt. Diese solle geprüft werden, um "insbesondere disruptive Ereignisse abzusichern, ohne Marktverzerrungen zu erzeugen", schrieben sie. Zuvor hatten sich schon der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, und der Branchenverband BDEW für eine solche Reserve ausgesprochen. Allerdings steht die Debatte noch ganz am Anfang, so ist etwa noch unklar, wie groß sie sein müsste und wer sie verwalten soll.

Seit mehreren Wochen liegt zu diesem Thema in Reiches Ministerium ein Gutachten einer Beratungsfirma, das auf Fachebene ausgewertet wird. Was der Ministerin selbst vorschwebt, um die Befüllung der Speicher in Zukunft sicherzustellen und einen ähnlich angespannten Winter wie diesen zu verhindern, hat sie bisher noch nicht zu erkennen gegeben – zumindest nicht öffentlich. Klar ist, dass Fragen dazu in der Ausschusssitzung am Dienstag kommen werden.

Dieser Text erschien zuerst bei capital.de

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