Drogenfahnder knackten Krypto-Handys: Eine Superwaffe gegen das organisierte Verbrechen

Tatort Deutschland: Am Dienstag sprengten LKA und Zoll ein Netzwerk mutmaßlicher Drogenimporteure. Die Männer sollen über den Seeweg rund zwei Tonnen Kokain nach Hamburg gebracht haben. Einige Verdächtige nutzten für ihre Kommunikation Encrochat-Handys. Die geknackten Nachrichten lieferten den Ermittlern entscheidende Hinweise.
Ein Mafioso hat es nicht leicht. Da ist zum Beispiel Giuseppe M., ein Italiener Mitte dreißig, er lebt am Niederrhein. Nach außen ist M. Gastronom. Tatsächlich aber gehört er wohl der 'Ndrangheta an, einer der mächtigsten Mafiaorganisationen Europas.
Taucht man ein in die verschlüsselten Chatnachrichten, die M. per Handy verschickte, kann der Kalabrese einem manchmal schon fast leidtun. Gangster zu sein ist ein 24-Stunden-Job.
Ständig soll M. irgendwo Geld besorgen, damit der Laden läuft. Horrende Zinsen bei Geschäftspartnern müssen getilgt, Kosten für Kuriere, Mieten, Autos beglichen werden. Also sucht Giuseppe M. ständig neue Drogenlieferanten und gurkt dafür Tausende Kilometer mit dem Auto quer durch Europa. Und dann nervt auch noch die Familie aus Süditalien. »Hör zu, du Behinderter!«, entfährt es M. in einem Chat. Es ist der 1. Mai 2017, es gibt mal wieder Probleme mit einer Kokslieferung. »Jetzt gehst du mir wirklich auf den Sack!«
Die Nachrichten, die M. mit seinen Komplizen austauscht, lesen sich wie Dialoge aus einem schlechten Mafiafilm. Kaum jemand in der Welt des Giuseppe M. scheint verlässlich zu sein. Alle hauen sich gegenseitig übers Ohr. Kurdische Partner sitzen ihm im Nacken. Dann erzählt ihm auch noch ein Nachbar, dass die Kripo heimlich sein Haus filme. Es muss jemand gequatscht haben. Cazzo!

