Donald Trump und Corona: Ein extremes Jahr in den USA
Icon: vergrößernZentrum einer Weltmacht: Washington, D.C.
Foto: ALEX EDELMAN/ AFP
Die Ankunft am Flughafen in Washington ist eines dieser Amerika-Erlebnisse, die bei mir immer grundsätzliche Fragen über ein Land aufwerfen, das seit vier Jahren mein Zuhause ist. Oft wartet man nach einem achtstündigen Flug eine halbe Ewigkeit, bis man einreisen darf. Das Zusammentreffen mit den Grenzbeamten hat oft etwas von einer Prüfung.
Und jedes Mal frage ich mich: Was mache ich hier? Warum tue ich mir das an? Und: Bin ich hier eigentlich willkommen?
Einmal blickte mich der Grenzbeamte besonders mürrisch an. Er fragte streng: »Für wen arbeiten Sie?«
»Der Spiegel«, sagte ich.
»Ah, das ist der Versandhandel aus Chicago?«, fragte er.
»Nein, das ist eine Zeitschrift aus Deutschland«, sagte ich.
Er lachte. Ich lachte. Er drückte mir den Stempel in den Pass und sagte freundlich: »Welcome back, Sir.«
Es sind diese Momente, in denen ich mich immer wieder aufs Neue mit Amerika versöhne. Das Land hat zwei Gesichter, es kann verstörend sein und großartig, alles auf einmal.
Auch nach vier Jahren wird mein Amerika-Bild nicht eindeutiger, es wird eigentlich immer komplizierter. Ich verehre die USA und seine Menschen. Ich bewundere ihre Offenheit, ihre Freundlichkeit, den guten Sinn für Humor. Ich mag die Weite des Landes, die atemberaubende Schönheit der Nationalparks. In Städten wie New York, San Francisco oder Los Angeles spüre ich die unvergleichliche Kraft, Intelligenz und Dynamik, die in den USA steckt.

