Donald Trump plant ersten Wahlkampfauftritt – Datum und Ort sind heikel

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt (im Januar 2020): "laut und ungestüm und groß"
Joshua LOTT/ AFP
Erstmals seit mehr als drei Monaten will US-Präsident Donald Trump voraussichtlich am Freitag kommender Woche wieder eine Wahlkampfveranstaltung abhalten – trotz der andauernden Corona-Pandemie.
Trump kündigte am Mittwoch (Ortszeit) bei einem Treffen mit Unterstützern aus der afroamerikanischen Gemeinschaft im Weißen Haus an, die erste Kundgebung werde es voraussichtlich am Freitagabend in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma geben. Weitere Veranstaltungen seien in Florida, Texas und Arizona geplant. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte mit Blick auf die Pandemie, man werde für die Sicherheit der Teilnehmer sorgen.
Der Kommunikationsdirektor von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtaugh, sagte dem Sender Fox News am Mittwoch, die geplanten Kundgebungen des Republikaners Trump würden "laut und ungestüm und groß" werden – anders als die Veranstaltungen des designierten Herausforderers der Demokraten, Ex-Vizepräsident Joe Biden.
Murtaugh wies Kritik an Wahlkampfveranstaltungen des Präsidenten während der Pandemie zurück. Er sagte, Trump-kritische Medien hätten sich auch nicht daran gestört, dass bei den Protesten infolge des Todes des Afroamerikaners George Floyd Corona-Schutzmaßnahmen ignoriert worden seien. Trump bewirbt sich bei der Wahl im November um eine zweite Amtszeit.
Am Termin der geplanten Wahlkampf-Show, dem 19. Juni, wird in den USA dem Ende der Sklaverei gedacht. Trump hatte sich unter anderem im Jahr 2017 an diesem Tag zu dem Thema geäußert.
Der Ort des Auftritts weckt dunkle Erinnerungen
Neben dem Datum wirft auch der geplante Ort der Veranstaltung Fragen auf. Die Stadt Tulsa hat eine düstere Vergangenheit mit Blick auf Verbrechen gegen Afroamerikaner. Im Jahr 1921 hatte dort ein weißer Mob das Schwarzenviertel Greenwood in nur einer Nacht niedergebrannt und 300 Menschen ermordet. Ausgerechnet dort will Trump nun – ein Jahr vor dem 100. Jahrestag der brutalen Verbrechen – auftreten, während die Floyd-Proteste das Land erschüttern.
Bei seiner Strategie zur Wiederwahl spielen die Veranstaltungen vor vielen Zuschauern eine wichtige Rolle. Der Präsident setzt auf die Bildersprache und Dynamik, die von den straff choreographierten Auftritten ausgeht. Seine letzte Wahlkampfveranstaltung hatte er am 2. März in Charlotte in North Carolina abgehalten.
Danach hatte die Coronakrise Kundgebungen unmöglich gemacht. Allerdings hatten auch die Virus-Briefings im Weißen Haus immer wieder einen werbenden Charakter gehabt. Teils hatte Trump dabei bis zu zwei Stunden lang die angeblichen Erfolge der eigenen Administration gelobt.
Nun soll es also vor Live-Publikum weitergehen. Dabei ist die Pandemie in den USA noch längst nicht überwunden. Im Gegenteil: In einigen US-Bundesstaaten gibt es neue Ausbrüche mit teilweise stark ansteigender Anzahl von Infektionen.
Im Westen und Süden steigen die Fallzahlen derzeit bedenklich
Die Johns-Hopkins-Universität in Baltimore berichtete von einer deutlichen Tendenz einer Reihe von Bundesstaaten – darunter unter anderem Kalifornien, Arizona, Utah, Arkansas, South Carolina und Nevada im Süden des Landes. In einstigen Brennpunkten wie New York und seinen Nachbarregionen gehen die Zahlen aber weiterhin zurück.
Der wichtige Trump-Berater Anthony Fauci hatte am Mittwoch vor einer zu raschen Rückkehr zu einer vermeintlichen Normalität gewarnt. Das Coronavirus bezeichnete er als "meinen schlimmsten Alptraum", die Krise sei "noch lange nicht ausgestanden". Trotz dieser und ähnlicher Warnungen treibt Präsident Trump eine Öffnung des Landes voran. Er will vor allem die US-Wirtschaft schnellstmöglich wieder in Fahrt bringen. Wie bei der Wiederaufnahme seiner öffentlichen Veranstaltungen hat er dabei den Wahltermin am 3. November im Blick.
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