Debatte um Mehrarbeit : Wie viele Flüchtlinge arbeiten – und Arbeit suchen
Wirtschaft
Debatte um Mehrarbeit Wie viele Flüchtlinge arbeiten – und Arbeit suchen
21.02.2026, 07:14 Uhr
Von Christina LohnerArtikel anhören(06:37 min)00:00 / 06:37
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Unter Flüchtlingen ist die Arbeitslosenquote deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Jahre nach der Ankunft in Deutschland wendet sich das Blatt jedoch zu einer sogar überdurchschnittlichen Erwerbstätigenquote. Allerdings nur bei einem Geschlecht.
Die Diskussion um Mehrarbeit dürfte am Wochenende wieder hitzig werden. Die CDU berät bei ihrem Parteitag über den umstrittenen, inzwischen geänderten Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion. Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels müsse vorhandene Arbeitskraft bestmöglich genutzt werden, heißt es darin. Parteichef Friedrich Merz bekräftigte in seiner Rede am Freitag bereits die Forderung, die "Arbeitsproduktivität zu heben". Auch wenn sich die Forderungen in erster Linie auf Beschäftigte beziehen, die ohne triftigen Grund in Teilzeit – "Lifestyle-Teilzeit – arbeiten, stellt sich bei ungenutztem Arbeitspotenzial auch die Frage nach geflüchteten Menschen in Deutschland.
Die Berufstätigkeit von Flüchtlingen hat in den vergangenen zehn Jahren bereits deutlich zugenommen. Mit den Jahren in Deutschland steigt die Erwerbstätigenquote von Flüchtlingen, wie der Mediendienst Integration unter Berufung auf die Arbeitsagentur berichtet. Von den Flüchtlingen, die 2015 nach Deutschland kamen, waren 2024 knapp zwei Drittel erwerbstätig, davon fast drei Viertel in Vollzeit. Das zeigen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). 70 Prozent übten demnach eine qualifizierte Tätigkeit aus, allerdings arbeiteten 41 Prozent auch sechs Jahre nach ihrer Ankunft unterhalb ihres vorherigen Ausbildungsniveaus.
Nach acht oder mehr Jahren war die Erwerbstätigenquote von geflüchteten Männern aus den klassischen Herkunftsländern mit 86 Prozent sogar höher als in der durchschnittlichen männlichen Bevölkerung (81 Prozent). Unter den 2015/16 nach Deutschland geflüchteten Frauen war der Anteil jedoch deutlich niedriger, nur jede dritte von ihnen war erwerbstätig – während es von allen Frauen in Deutschland fast drei Viertel sind, wenn auch die Hälfte davon in Teilzeit. Die Hauptgründe für die geringe Arbeitsmarktbeteiligung geflüchteter Frauen sind Kinderbetreuung, weniger Sprachkenntnisse sowie ein niedrigerer Bildungsstand und weniger Berufserfahrung.
Die Arbeitslosenquote von Flüchtlingen ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken. Unter Menschen aus den "klassischen Asylherkunftsländern" – Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria und Pakistan – hatte sie 2016 noch 50 Prozent betragen, im vergangenen Herbst lag sie bei 27 Prozent. Das waren knapp 274.000 Menschen aus diesen Ländern ohne Job.
Ukrainer kommen schneller in Arbeit
Ukrainerinnen und Ukrainer hinzugerechnet, waren Ende des Jahres insgesamt knapp 426.000 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet. Menschen in Integrations- und Ausbildungsmaßnahmen dazugezählt, waren insgesamt fast 783.000 Geflüchtete als arbeitsuchend registriert. Die Zahl aller Arbeitsuchenden in Deutschland betrug im Januar 3,7 Millionen, die Zahl der Arbeitslosen wieder mehr als drei Millionen. Die Arbeitslosenquote in der Gesamtbevölkerung lag bei 6,6 Prozent.
Von den Ukrainern in Deutschland waren mit gut 38 Prozent zuletzt noch einmal mehr Menschen arbeitslos als aus den anderen Herkunftsstaaten. Im Vergleich zu diesen gelingt ihre Integration in den Arbeitsmarkt aber schneller, wie eine aktuelle IAB-Studie zeigt. Von den Ukrainern war dreieinhalb Jahre nach ihrer Ankunft die Hälfte erwerbstätig. Bei den 2015 eingereisten Flüchtlingen aus anderen Ländern war diese Quote erst nach rund sechs Jahren erreicht.
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Die Forscher führen die schnellere Arbeitsaufnahme von Ukrainern vor allem auf den direkten Zugang zum Arbeitsmarkt sowie zu Integrations- und Sprachkursen und auf die sofortige Einbindung ins Bürgergeld-System zurück, also die Betreuung durch die Jobcenter. Diese soll jedoch abgeschafft werden, ukrainische Flüchtlinge sollen stattdessen Asylbewerberleistungen erhalten.
Asylsuchende aus anderen Ländern, die sich noch im Asylverfahren befinden oder nur geduldet sind, dürfen frühestens nach drei Monaten in Deutschland arbeiten. Nicht arbeiten dürfen Flüchtlinge zudem, solange sie verpflichtet sind, in einer Aufnahmeeinrichtung zu wohnen, ebenso wie Menschen aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten. Auch Geduldete aus diesen Ländern bekommen keine Arbeitserlaubnis.
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Viele erhalten Sozialleistungen
Ukrainerinnen arbeiten allerdings oft in Teilzeit und Helfertätigkeiten, der Grundsicherungsbezug ist nach wie vor hoch. Zwei Jahre und neun Monate nach ihrem Zuzug erhielten 41 Prozent der Beschäftigten aus der Ukraine ergänzende Leistungen. Insgesamt lebten noch zwei Drittel der Frauen und 61 Prozent der Männer in Haushalten, die staatliche Grundsicherung erhielten. Das Beschäftigungsniveau bleibe damit unter dem vorhandenen Potenzial, warnten die IAB-Forscher mit Blick auf die Pläne, Ukrainer aus der Jobcenter-Betreuung zu nehmen.
Bei den Flüchtlingen aus den klassischen Herkunftsstaaten ist der Anteil der Beschäftigten inzwischen höher als der der Sozialhilfeempfänger. Im vergangenen Herbst waren knapp 700.000 von ihnen sozialversicherungspflichtig und gut 100.000 geringfügig beschäftigt. Das waren insgesamt rund 50 Prozent, währen die Sozialhilfe-Quote bei knapp 42 Prozent lag. Selbstständige Tätigkeiten – unter Geflüchteten verbreitet – sind in dem Wert (im Gegensatz zur Erwerbstätigenquote) zudem nicht enthalten. In der Gesamtbevölkerung betrug die Beschäftigungsquote gut 70 Prozent.

