Curevac-Gründer Ingmar Hoerr über Risikokapital und die Konkurrenz zu Biontech
Icon: vergrößernCurevac-Labor: »Corona ist ein Weckruf«
Foto: Sebastian Gollnow / DPA
SPIEGEL: Während viele Menschen noch schnell ein paar Geschenke fürs Fest organisieren, wird in der von Ihnen mitgegründeten Firma in Tübingen rund um die Uhr an der einzig wirklich notwendigen Gabe gearbeitet: einem Impfstoff gegen Corona. Hätten Sie sich vorstellen können, dass Curevac mal zum Heilsbringer avanciert?
Ingmar Hoerr: Mir war schon klar, dass unsere Technologie großes Potenzial in sich trägt. Wir haben eine Sprache entwickelt, mit deren Hilfe wir direkt mit dem Körper sprechen können. Nur hat das 20 Jahre lang kaum jemanden interessiert.
SPIEGEL: Über mangelndes Interesse können Sie sich nicht mehr beklagen. Die Bundesregierung ist mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen.
Hoerr: Ja, ein Glück! Wobei es nicht Aufgabe der Bundesregierung sein sollte, grundsätzlich Risikokapital-Gesellschaften in Deutschland zu ersetzen. Deren Investitionsbereitschaft ist aber desaströs. Fakt ist: Ohne den Privatinvestor Dietmar Hopp wäre Curevac längst insolvent. Dass es uns noch gibt, ist so gesehen purer Zufall, reines Glück, nicht etwa das Ergebnis einer planvollen institutionellen Innovationsförderung. Aber genau das bräuchten wir, um gewappnet zu sein für die Krisen, die immer schneller und ohne Vorwarnung kommen.

