Coronavirus: WHO-Epidemiologin über die Schaltzentrale der Seuchenabwehr
Icon: vergrößernCorona-Expertin Van Kerkhove:»Es fühlt sich an wie eine einzige lange Nacht«
Foto: Anoush Abrar / DER SPIEGEL
Van Kerkhove, 43, ist technische Leiterin des Covid-19-Teams bei der Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf und ist damit die vielleicht wichtigste Frau im Kampf gegen die Pandemie.
SPIEGEL: Frau Van Kerkhove, stellen Sie sich einen Raumfahrer vor, der die Erde vor einem Jahr verlassen hat und jetzt heimkehrt. Wie würden Sie ihm die aktuelle Weltlage erklären?
Van Kerkhove: Ich glaube, ein solcher Mensch wäre völlig schockiert. Er würde mir wahrscheinlich nicht glauben, wenn ich ihm erklärte, was in seiner Abwesenheit passiert ist. Ich habe gelesen, dass es Forscher gab, die die ersten Monate der Pandemie auf einer einsamen Insel verbrachten. Es muss schlimm gewesen sein für sie zurückzukommen. Ich kann ja selbst kaum glauben, dass wir seit einem Jahr in diesem Film leben. Es fühlt sich an wie eine einzige lange Nacht.
SPIEGEL: Am 1. Januar erhielten Sie als WHO-Corona-Expertin eine E-Mail, in der von einem Cluster von Lungenentzündungen unbekannter Ursache in der chinesischen Großstadt Wuhan berichtet wurde. Was ging Ihnen durch den Kopf?

