Coronavirus News am Samstag: Italien jetzt Land mit den meisten Toten in Europa
Icon: vergrößernCorona-Testzentrum in einer Kathedrale in Neapel
Foto: Vincenzo Noletto / imago images/Pacific Press Agency
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SPD-Ministerpräsidenten für Schließungen spätestens ab Mittwoch
19.39 Uhr: Alle Zeichen deuten auf einen harten Lockdown zur Wochenmitte: Nach Informationen des SPIEGEL haben sich nun auch die SPD-geführten Länder auf schnelle Schließungen geeinigt. Zum Artikel.
Estland erreicht neue Rekordzahlen
19.29 Uhr: In Estland hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen einen neuen Höchststand erreicht. Die nationale Gesundheitsbehörde in Tallinn meldete am Samstag 760 positive Tests binnen 24 Stunden. Der bisherige Rekordwert lag bei 561. Insgesamt wurden in dem baltischen EU-Land seit Beginn der Pandemie fast 18.000 Infektionen erfasst.
Estland mit seinen 1,3 Millionen Einwohner registriert seit dem Herbst einen deutlichen Anstieg der Neuinfektionen. Nach Angaben der EU-Behörde ECDC ist die Entwicklung aktuell schlechter als in Deutschland. Zur Eindämmung der Pandemie hat die Regierung in Tallinn neue Corona-Schutzmaßnahmen verhängt.
Linke fordert »solidarischen Lockdown«
18.58 Uhr: Vor den erneuten Beratungen von Bund und Ländern in der Corona-Pandemie setzt sich die Linke für einen »solidarischen Lockdown« ein. »Der schnellste Weg, die hohe gesundheitliche Gefährdung jetzt zu senken, führt über einen energischen Lockdown. Aber dieser Lockdown muss genauso sozial sein«, heißt es in einem Papier, das unter anderem die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger sowie mehrere Landes- und Fraktionschefs aus den Bundesländern unterschrieben haben.
Niemand dürfe in der Pandemie und durch einen zweiten Lockdown in existenzielle Not gestürzt werden, heißt es darin. Konkret fordern die Linken-Politiker unter anderem eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes auf 90 Prozent, ein Überbrückungsgeld für Freischaffende und Selbstständige, das nicht nur Betriebskosten, sondern auch die Lebenshaltungskosten bezuschusse. Für den Fall einer Schließung von Schulen und Kindergärten, müsse der Verdienstausfall für Eltern, die zu Hause bleiben müssen, gesichert sein.
Am Montag beginnt Corona-Impfkampagne in den USA
18.11 Uhr: Der Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer soll ab kommender Woche in den USA verfügbar sein. Die Auslieferung habe begonnen, teilte Gus Perna von der Operation Warp Speed mit, mit der die US-Regierung die Entwicklung von Corona-Impfstoffen fördert. Die ersten 145 Impfzentren sollen demnach das Vakzin am Montag erhalten, bis Mittwoch werde dann die erste Phase der Auslieferung des Impfstoffs abgeschlossen.
Der Pfizer-Biontech-Impfstoff hatte am Freitag eine Notfallzulassung in den USA erhalten. Die USA sind das sechste Land, in dem der Impfstoff von Biontech und Pfizer grünes Licht erhielt. Die Entscheidung der US-Arzneimittelbehörde FDA fiel nur drei Wochen nach dem Antrag der beiden Unternehmen auf eine Notfallzulassung. Als erstes hatte der Impfstoff von Biontech und Pfizer in Großbritannien eine Notfallzulassung erhalten, es folgten Kanada, Bahrain und Saudi-Arabien. In der EU läuft die Prüfung für eine Notfallzulassung noch.
Aussicht auf neuen Lockdown: Innenstädte gut besucht, aber unter Vorjahresniveau
17.10 Uhr: Angesichts der Diskussion um Ladenschließungen wegen steigender Corona-Zahlen haben viele Menschen in Deutschland den Samstag noch einmal für Geschenkekäufe genutzt. Es sei der stärkste Tag im Weihnachtsgeschäft gewesen, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Trotzdem lägen die Umsätze noch knapp 25 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Zum Bummeln komme kaum jemand in die Städte – stattdessen würden Wunschzettel abgearbeitet.
Auch in Niedersachsen und Bremen nutzten die Kunden den vielleicht letzten Einkaufssamstag vor Weihnachten. »Im Vergleich zu den Vorwochen merkt man, dass mehr Menschen da gewesen sind«, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Umsätze vor dem dritten Advent in diesem Jahr 40 bis 50 Prozent unter denen des Vorjahres lägen. Auch hier kauften die Menschen zielgerichteter ein.
Dresden und Frankfurt: Kleine Corona-Proteste trotz Demo-Verbot
16.34 Uhr: In Dresden und in Frankfurt am Main haben die obersten Landesgerichte Protestkundgebungen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung verboten, es kam aber im Laufe des Samstags immer wieder zu Ansammlungen angereister Demonstranten. In der sächsischen Landeshauptstadt war die Polizei mit insgesamt 1500 Kräften im Einsatz und löste die Gruppen und Grüppchen auf. In Frankfurt drohte die Polizei am Nachmittag mit dem Einsatz von Wasserwerfern, um »verschieden große Ansammlungen« aufzulösen.
Das sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen hatte ebenso wie der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel die zuvor von Verwaltungsgerichten erlassenen Verbote bestätigt. Für Dresden hatte die sogenannte »Querdenken«-Bewegung eine Demonstration mit 4000 Teilnehmern angemeldet. In Frankfurt waren rund 40.000 Teilnehmer erwartet worden.
Söder spricht sich für »kompletten Lockdown« aus
15.52 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat seine Forderung nach einem schnellen Vorgehen im Kampf gegen die Corona-Pandemie bekräftigt. »Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Wir brauchen einen kompletten Lockdown«, sagte der CSU-Parteivorsitzende der »Welt am Sonntag«.
»Die Zahlen sind so schlimm wie nie. Wir dürfen uns nicht mehr in Einzelmaßnahmen verheddern«, betonte Söder. »Wir müssen das Land zum Schutz unserer Bevölkerung jetzt klug runterfahren. Nur so bekommen wir Corona in den Griff.«
Angesichts der hohen Corona-Zahlen waren die Rufe nach einem schnellen Lockdown in den vergangenen Tagen deutlich lauter geworden. Auch Söder sprach sich wiederholt für bundesweit geltende Ausgangsbeschränkungen, Schließung von Geschäften, Betriebsferien und verlängerte Schulferien aus. Die endgültige Entscheidung über einen Lockdown soll bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Sonntag fallen.
Positive Entwicklung in Italien: Erste Lockerungen ab Sonntag
14.32 Uhr: Wegen sinkenden Corona-Zahlen dürfen in vielen Regionen Italiens die Restaurants und Bars ab Sonntag wieder öffnen. Rund fünf Wochen nach der Einrichtung von drei Risikozonen und eines Teil-Lockdowns ist die Zeit der Roten Zonen dann zunächst vorbei.
Vielmehr gehören die anfangs stark betroffene Lombardei im Norden und Kalabrien im Süden sogar wieder zu den Gelben Zonen mit geringem Risiko. Gesundheitsminister Roberto Speranza hatte außerdem am Freitag in Rom angeordnet, dass die Abruzzen als letzte Rote Zone in die mittlere, orangene Kategorie wechseln.
Damit wird der Alltag für viele Italiener vorübergehend etwas einfacher. Denn in den Gelben Zonen dürfen – anders als in den beiden anderen Risikogebieten – die Lokale tagsüber wieder öffnen. Und die Menschen dort können ihre Wohnorte wieder frei verlassen. In ganz Italien müssen die Lokale allerdings weiter um 18 Uhr für Gäste schließen. Und ab 22 Uhr gilt eine Ausgangssperre bis zum frühen Morgen, für die es nur wenige Ausnahmen gibt.
Die Behörden in dem 60-Millionen-Einwohner-Land hatten am Freitag gut 18.700 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Das waren mehr als 5000 weniger als vor einer Woche. Der sogenannte R-Wert für sieben Tage lag in der Woche bis 6. Dezember bei 0,82. Der R-Wert zeigt an, wie viele Menschen ein Infizierter durchschnittlich ansteckt. Sinkt er unter 1, gibt es weniger Neuinfektionen, die Epidemie läuft aus.
Verfassungsbeschwerde von »Querdenken«-Initiator abgewiesen
13.58 Uhr: Der Anmelder der »Querdenken«-Demonstration in Dresden hat erfolglos versucht, weiter gegen das gerichtlich bestätigte Verbot vorzugehen. Er habe am Samstagvormittag Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingelegt, sagte Marcus Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. Die Stadt hatte die geplante Kundgebung gegen die Corona-Politik verboten, sowohl das Verwaltungsgericht Dresden als auch das Sächsische Oberverwaltungsgericht in Bautzen hatte die Entscheidung bestätigt.
Anfang Dezember hatte das Bundesverfassungsgericht das Verbot einer «Querdenker»-Demonstration in Bremen kurz zuvor bestätigt. Am frühen Nachmittag folgte auch für die Dresdner Veranstaltung die Bestätigung: Die «Querdenken»-Demonstration am Samstag bleibt untersagt. «Der Eilantrag wurde abgelehnt», sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Damit seien in diesem Fall alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft.
Kirchenvertreter halten Gesangsverbot bei Gottesdiensten für angemessen
13.25 Uhr: Angesichts der Entwicklung der Corona-Pandemie hätte das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) Verständnis für ein Gesangsverbot bei den Weihnachtsgottesdiensten. »Ich glaube, die Gottesdienste selbst können aber so wie geplant stattfinden«, sagte der ZdK-Vorsitzende Thomas Sternberg am Samstag in Münster der Deutschen Presse-Agentur.
Möglicherweise könnten zwar nicht die Gemeindemitglieder, aber Solisten singen, sagte Sternberg. Als Auflagen seien bei den Gottesdiensten klare hygienische Vorschriften wie persönliche Anmeldung, Abstandsgebot, Maskenpflicht und Desinfektion vorgesehen. »Die katholische und die evangelische Kirche haben sich in der Pandemie sehr verantwortungsvoll verhalten – auch schon während des ersten Lockdowns«, sagte Sternberg.
»Dass wir bei unseren Gottesdiensten alles tun wollen, um Gefährdungen der Gesundheit auszuschließen, ist für uns selbstverständlich und eine klare Konsequenz des christlichen Nächstenliebegebots«, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche Deutschlands am Samstag auf Anfrage. »Deshalb gilt: Grundsätzliches Kriterium ist nicht, was höchstmöglich zulässig wäre, sondern was verantwortbar ist.«
Zuvor hatten der Virologe Alexander Kekulé und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für die Weihnachtsfeiertage ein Gesangsverbot in allen Kirchen gefordert.
Aufruf zum Weihnachtsshopping: Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann in der Kritik
12.32 Uhr: Trotz steigender Corona-Infektionszahlen und zahlreicher angekündigter Demonstrationen in der Frankfurter Innenstadt hat Oberbürgermeister Peter Feldmann für diesen Samstag mit preiswerten ÖPNV-Tickets zum Weihnachtsshoppen gelockt – und dafür Kritik eingesteckt. So schrieb etwa die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek auf Twitter: »Ist heute der 1. April!???«. Eine große Demo gegen die Corona-Maßnahmen wurde zwar verboten, zahlreiche Gegendemonstranten wollten aber trotzdem auf die Straße gehen.
Jeder in Frankfurt könne am Samstag mit einem günstigen Kinderfahrschein statt eines Einzelfahrscheins für Erwachsene fahren, hatte Feldmann bereits am Freitag verkündet. »Mit diesem Angebot ermöglichen wir den Fahrgästen am Samstag vor dem dritten Advent, kostengünstig mit einem Kinderfahrschein in Frankfurt unterwegs zu sein, um so ihren Weihnachtseinkauf zu erledigen«, sagte der Oberbürgermeister.
Am Samstag versuchte Feldmann auf Twitter, die Botschaft zu erklären. Die Aktion sei bereits vor Monaten geplant gewesen. »Ich sehe ein: Sie passt nicht in die jetzige Zeit«, sagte Feldmann. »Es tut mir leid, wenn sie als Einladung zum Leichtsinn missverstanden wurde.«
Das Verbot einer angekündigten Demonstration mit 40.000 Teilnehmern der »Querdenker« war am Samstag vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel in zweiter Instanz bestätigt worden. Die Richter begründeten dies mit einer hohen Infektionsgefahr. Derweil kündigten die Initiatoren bei Telegram an, vor das Bundesverfassungsgericht ziehen zu wollen. Auch zahlreiche Gegendemonstrationen waren angekündigt. Die »Querdenker« hatten ihre Unterstützer zudem dazu aufgerufen, trotz des Verbots nach Frankfurt zu kommen und spontane Versammlungen anzumelden. Die Polizei ist mit Hundertschaften vor Ort.
Kretschmann erwartet harten Lockdown vor Weihnachten
12.15 Uhr: Der bundesweite Lockdown wird nach Einschätzung des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann schon vor Weihnachten kommen. «So wie es sich abzeichnet, wird der harte Lockdown vor Weihnachten kommen und nicht erst danach», sagte Kretschmann am Samstag beim Grünen-Landesparteitag in Reutlingen mit Verweis auf eine Corona-Schalte mit anderen Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel. Dort sei am Samstagmorgen die Ministerpräsidentenkonferenz an diesem Sonntag zur Corona-Krise vorbereitet worden. Kretschmann betonte, die Menschen müssten sich darauf einstellen, dass schon nächste Woche das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben so weit wie möglich heruntergefahren werde.
Doping: Wada prüft Corona-Vakzine auf verbotene Substanzen
11.51 Uhr: Die Welt-Anti-Doping-Agentur will die verschiedenen Corona-Impfstoffe prüfen, ob sie möglicherweise im Sport verbotene Substanzen enthalten. Wie die Wada am Samstag mitteilte, wolle man damit den Athleten und anderen Interessengruppen Klarheit »über den Status von SARS-Cov-2-Impfstoffen in Bezug auf die Liste der verbotenen Substanzen und Methoden« verschaffen.
Die Athleten und andere aus der Anti-Doping-Gemeinschaft würden von der Wada informiert werden, falls ein Bestandteil eines Impfstoffs problematisch sein könnte. »Um es klar zu sagen: Trotz der Neuartigkeit dieser Impfstoffe gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass solche Impfstoffe gegen Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen würden«, hieß es in der Mitteilung.
Die Wada habe mit verschiedenen Pharmaunternehmen, darunter auch der Impfstoffentwickler Pfizer, Vereinbarungen zur Kooperation getroffen und sei mit ihnen in dieser Angelegenheit in Kontakt, um die Zusammensetzung der verschiedenen Impfstoffe zu ermitteln.
Vizekanzler Scholz kündigt »sehr einschneidende Maßnahmen« an
11.29 Uhr: Die Zeichen stehen auf Lockdown: »Wir müssen in den nächsten Tagen sehr weitreichende, sehr einschneidende Maßnahmen treffen«, kündigte Bundesfinanzminister Olaf Scholz bei einer Online-Veranstaltung der SPD an. Das Virus breite sich wieder stärker aus, deswegen müssten weitreichende Maßnahmen zum Schutz der Bürger ergriffen werden. Als Beispiel für mögliche Maßnahmen nannte Scholz neue Beschränkungen für den Einzelhandel.
Am Sonntag um 10 Uhr konferieren die Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Während der Telefonschalte sollen neue Regelungen für die kommenden Wochen festgelegt werden. Merkel hatte zuletzt darauf gedrängt, Schulen und Geschäfte möglichst früh zu schließen, um die gleichbleibend hohen Infektionszahlen in Deutschland abzusenken.
Rekord bei Neuansteckungen in Südkorea: Polizei und Milität sollen Infektionsketten nachverfolgen
11.19 Uhr: Südkorea hat einen Rekordwert von 950 neuen Ansteckungen binnen eines Tages gemeldet – und mobilisiert Polizei und Armee zur Nachverfolgung von Infektionsketten. Rund 800 Polizisten, Militärangehörige sowie Amtsärzte würden für umfangreiche Tests im Großraum Seoul eingesetzt, kündigte die Regierung am Samstag an. Präsident Moon Jae In sprach von einer Notsituation.
Das Land hatte die Pandemie den Sommer über mit Nachverfolgung, Tests und Quarantäne-Anordnungen gut in den Griff bekommen. Die neue Welle veranlasste die Regierung am Dienstag dazu, nun auch Beschränkungen für Restaurants und Geschäfte zu verhängen. Den bisherigen Höchststand mit 909 Neuinfektionen am Tag hatte es Ende Februar gegeben. Insgesamt verzeichnet Südkorea knapp 42.000 Corona-Ansteckungen und 578 damit zusammenhängende Todesfälle.
Proband erkrankt: Peru stoppt Tests mit chinesischem Impfstoff
10.55 Uhr: Peru hat vorsorglich die klinischen Tests eines Corona-Impfstoffs des chinesischen Herstellers Sinopharm ausgesetzt, nachdem bei einem Probanden neurologische Probleme festgestellt wurden. Die staatliche Gesundheitsbehörde teilte am Freitag örtlichen Medien zufolge mit, dass eine Testperson Schwierigkeiten habe, seine Arme zu bewegen. Forschungsleiter German Malaga sagte vor Journalisten, das Problem sei der Aufsichtsbehörde gemeldet worden.
Demnach könnte es sich um das sogenannte »Guillain-Barré-Syndrom« handeln, eine seltene und nicht ansteckende Erkrankung des Nervensystems, die die Bewegung der Arme und Beine beeinträchtigt. Im Juni 2019 hatte das südamerikanische Land in fünf Regionen den Gesundheitsnotstand ausgerufen, nachdem mehrere Fälle des Syndroms bekannt wurden. In den 1970er Jahren waren in den USA ähnliche Fälle bei Impfungen gegen die Schweinegrippe aufgetreten.
Die klinische Studie für den Corona-Impfstoffkandidaten von Sinopharm sollte diese Woche nach Tests mit rund 12.000 Menschen abgeschlossen werden. Bei einem erfolgreichen Verlauf hat die peruanische Regierung angekündigt, bis zu 20 Millionen Dosen des Mittels kaufen zu wollen. Damit könnten zwei Drittel der Bevölkerung immunisiert werden.
Weltweit wurden bereits 60.000 Menschen mit dem Vakzin von Sinopharm geimpft, darunter Freiwillige in Russland, Saudi-Arabien und Argentinien. Sinopharm setzt bei der Impfstoffherstellung auf die Methode mit inaktivierten Viren. Das bedeutet, dass der Wirkstoff nicht so stark gekühlt werden muss wie die Impfstoffe von Pfizer und Biontech sowie Moderna und damit leichter transportiert und gelagert werden kann. Sinopharm hat jedoch ähnlich wie weitere chinesische Hersteller bisher keine Daten über die Sicherheit oder Wirksamkeit der Impfstoffe veröffentlicht.
Thüringens Innenminister befürchtete Angriffe auf Impfzentren
10.20 Uhr: Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Georg Maier (SPD), hat vor Angriffen auf Transporte von Corona-Impfstoffen und Angriffen auf die Impfzentren gewarnt. »Wir müssen Impftransporte auf jeden Fall schützen«, sagte Thüringens Innenminister dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Auch die Impfzentren wird man schützen müssen. Das ist ein Gebot der Stunde aufgrund der aufgeheizten Atmosphäre und radikalen Äußerungen von Impfgegnern.«
Maier fügte hinzu: »Ich sehe da eine Gefahr. Denn die Impfgegner haben auf den Demonstrationen ja deutlich gemacht, wie radikal sie sind, und das mit gewissen Symbolen wie dem Judenstern gezeigt. Unter ihnen hat eine gewisse Radikalisierung stattgefunden.« Ihn wundere überdies, wie gering die Impfbereitschaft in der Bevölkerung sei. »Daran merken Extremisten, dass hier ein Anknüpfungspotenzial besteht. Deshalb muss man das sehr ernst nehmen.«
Vor wenigen Tagen hatte der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle ebenfalls darauf hingewiesen, dass Impfzentren, Lager und Transportwege sensible Ziele seien, die entsprechend geschützt werden müssten. Insbesondere zeigten eine Unterwanderung der »Querdenken«-Bewegung durch Rechtsextremisten und die Ausschreitungen bei Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen, »dass die Szene durchaus bereit und fähig ist, Gewalt anzuwenden«. Er forderte Bund und Länder auf, ein Sicherheitskonzept vorzulegen. Daneben könnten Impfzentren aber auch wegen der großen Besucherzahlen zu Zielen für Anschläge »mit anderem ideologischen Hintergrund« werden.
»Querdenken«-Demo in Dresden verboten
09.00 Uhr: Das Oberverwaltungsgericht Sachsen hat eine für den Samstag geplante »Querdenken«-Demo in Dresden untersagt. In der Begründung des Gerichts heißt es, dass das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit überwiege.
Bei vorangegangenen »Querdenken«-Demonstrationen war es wiederholt zur Missachtung von Abstandsgeboten und Maskenpflicht gekommen. Die Bewegung protestiert gegen die Corona-Politik der Bundesregierung, obwohl die Fallzahlen gerade in Sachsen gleichbleibend hoch sind. Lesen Sie hier mehr zu dem Thema.
Studie: Masken reduzieren Corona-Infektionsrisiko um 45 Prozent
08.55 Uhr: Ein Mund-Nasen-Schutz verringert das Corona-Infektionsrisiko einer Studie zufolge um fast die Hälfte – um durchschnittlich rund 45 Prozent. »Das sind 55 statt 100 Neuinfektionen«, sagte der Mainzer Ökonom Klaus Wälde, einer der Autoren der in der Fachzeitschrift »PNAS« veröffentlichten Studie, der Deutschen Presse-Agentur. »Oder noch anschaulicher: Statt 20 000 Neuinfektionen am Tag hätten wir ohne Masken rund 38 000.« Sein Fazit: »Jeder sollte Masken tragen, um sich und andere vor Infektionen zu schützen.«
Wälde hatte mit drei anderen Wirtschaftswissenschaftlern den Sonderweg Jena untersucht und mit Daten aus ähnlichen deutschen Städten verglichen. In der thüringischen Stadt wurden Schutzmasken – begleitet von einer Öffentlichkeitskampagne – bereits am 6. April eingeführt, rund drei Wochen früher als in den meisten anderen deutschen Kreisen und Städten.
Die Wissenschaftler verglichen Jena mit Städten wie Trier, Darmstadt, Cloppenburg und Rostock. Dort waren Infektionsgeschehen, Bevölkerungsdichte, Durchschnittsalter, Seniorenanteil sowie die Ausstattung mit Ärzten und Apotheken ähnlich wie in Jena. »Wir haben geschaut, was in Jena und in den Vergleichsregionen drei Wochen nach der Einführung der Maskenpflicht passiert.«
Um weitere Effekte auszuschließen, berücksichtigten die Wissenschaftler andere Regelungen in Deutschland in dieser Zeit. »Es gab keine Änderungen von Verordnungen in Jena und Thüringen acht bis zwölf Tage vor und nach dem 6. April«, sagte Wälde. »Damit war klar, dass wir den Effekt von Masken identifiziert haben. Nicht vollständig ausschließen können wir sonstige Verhaltensänderungen durch Signaleffekte.« Ein solcher Signaleffekt wäre etwa, dass sich Menschen in Gegenwart von Masken generell vorsichtiger verhalten.
Beratungen zwischen Merkel und Länderchefs am Sonntagvormittag
07.57 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen auf eine Termin für eine neuerliche Telefonkonferenz geeinigt: Am Sonntag, den 13. Dezember um 10 Uhr am Vormittag solle ein weiteres Gespräch folgen, hieß es aus einer Länder-Staatskanzlei gegenüber dem SPIEGEL. Thema der Konferenz soll vor allem die Frage nach einem früheren, härteren Shutdown sein: Während Merkel sich dafür aussprach, Schulen und Geschäfte bereits vor Heiligabend zu schließen, hatte es aus den Ländern gegen schärfere Corona-Regeln zuletzt noch Widerstand gegeben.
Robert Koch-Institut meldet erneut über 28.000 Neuinfektionen
07.31 Uhr: Binnen eines Tages haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem Robert Koch-Institut (RKI) 28.438 neue Corona-Infektionen übermittelt. Das geht aus Zahlen vom Samstagmorgen hervor. Der Höchststand war am Freitag mit 29.875 registrierten Fällen erreicht worden. Die Gesundheitsämter meldeten zudem 496 neue Todesfälle. Lesen Sie hier alle weiteren aktuellen Zahlen zum Coronavirus in Deutschland.
Impfstoff von Pfizer und Biontech erhält Notfallzulassung in den USA
03.43 Uhr: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer eine Notfallzulassung erteilt. Dies teilte die US-Behörde am Freitagabend (Ortszeit) mit. Medienberichten zufolge soll das Weiße Haus die FDA zuvor mit Drohungen zur Notfallzulassung des Vakzins gedrängt haben.
Erste Impfungen sind dem abgewählten US-Präsidenten Donald Trump zufolge noch an diesem Wochenende geplant. Der Impfstoff sei für alle Amerikaner kostenfrei, teilte Trump außerdem mit.
Österreich streicht Lockerungen über die Feiertage teilweise
01.43 Uhr: Angesichts der angespannten Corona-Lage in Österreich hat die Regierung in Wien die geplanten Ausnahmen für die Weihnachtsfeiertage wieder eingeschränkt. Heiligabend und am ersten Weihnachtsfeiertag seien Treffen mit zehn Menschen zulässig, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz am Freitagabend der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
»Ab dem 26. Dezember gilt wieder, was auch jetzt gilt« – dann dürften sich nur noch höchstens zwei Haushalte mit maximal sechs Erwachsenen und sechs Kindern treffen. Auch zum Silvesterfeiern dürfen sich laut Kurz nur maximal zwei Haushalte treffen.
Die nächtliche Ausgangsbeschränkung von 20.00 Uhr bis 06.00 Uhr gelte weiterhin, eine Ausnahme bilde die Silvesternacht, sagte Kurz. Ursprünglich sollten die Ausnahmeregelungen vom 24. bis 26. Dezember sowie für den 31. Dezember gelten.
Die österreichischen Bundesländer können nun eine Maskenpflicht an stark frequentierten Plätzen im Freien einführen. Bislang galt diese nur in öffentlichen Verkehrsmitteln und geschlossenen Räumen.
Österreich hatte erst am Montag seinen harten Corona-Lockdown gelockert. Statt ganztags gilt seit Montag nur noch eine nächtliche Ausgangssperre. Geschäfte, Einkaufszentren sowie Friseure und andere Dienstleister haben wieder geöffnet, auch ein Großteil der Schüler durfte wieder ins Klassenzimmer zurück.
Icon: Der Spiegel

