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Corona und Wirtschaft: Für mich wird 2021 gut – für Deutschland weniger

January 11
11:59 2021
Passanten in der Dortmunder Innenstadt: Drei von fünf Menschen in Deutschland blicken zuversichtlich ins neue Jahr Icon: vergrößern

Passanten in der Dortmunder Innenstadt: Drei von fünf Menschen in Deutschland blicken zuversichtlich ins neue Jahr

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Selten war die Freude darüber, dass ein Jahr endlich zu Ende geht, so sehr zu greifen gewesen wie dieses Mal – es könne ja nur besser werden als in diesem ungeliebten 2020, meinten viele. Allerdings ist 2021 mit dem Momentum des Vorjahrs gestartet: Bund und Länder haben den harten Corona-Shutdown am vergangenen Dienstag verlängert und noch einmal verschärft; vorerst bis Ende Januar, aber ob das Infektionsgeschehen dann Lockerungen zulassen wird, ist mehr als fraglich.

Der absehbare wirtschaftliche Schaden des Shutdowns ist beträchtlich: Ladenbesitzer, Gastwirte oder Künstlerinnen werden weiter ohne Umsätze dastehen, viele Arbeitnehmer zusätzlich in Kurzarbeit gehen. Eltern müssen ihre Kinder zu Hause betreuen – und fallen deshalb in ihrem Betrieb ganz aus oder reduzieren ihre Arbeitszeit im Homeoffice.

Doch selbst nach den harten Beschlüssen der vergangenen Woche ist eine Mehrheit der Menschen in Deutschland optimistisch, dass es für sie persönlich wirtschaftlich ein gutes Jahr werden wird. Für die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik empfinden die Deutschen die Aussichten jedoch deutlich gedämpfter.

Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL unter rund 5000 Menschen in Deutschland, durchgeführt nach den jüngsten Shutdown-Beschlüssen. Drei von fünf Befragten sehen demnach in Bezug auf ihre persönliche wirtschaftliche Lage zuversichtlich aufs Jahr 2021. Bei exakt einem Viertel der Menschen herrscht in dieser Hinsicht hingegen wenig oder überhaupt keine Zuversicht vor, der Rest ist unentschieden.

Damit haben auch die Verschärfungen der Shutdown-Maßnahmen Mitte Dezember und in der ersten Januarwoche die zuversichtliche Haltung der Menschen in Deutschland mitten in der Coronakrise nicht eintrüben können.

Bemerkenswert ist, dass selbst unter den Selbstständigen eine absolute Mehrheit von 53 Prozent der Befragten Zuversicht für das neue Jahr äußert – obwohl diese Gruppe im Schnitt die Folgen des Shutdowns weitaus am stärksten zu spüren bekommt, wie Daten aus dem Frühjahr 2020 belegen. Erwartungsgemäß liegt der Anteil der Optimisten bei ihnen aber niedriger als bei den durch Kurzarbeit deutlich besser abgesicherten Arbeitnehmern (62 Prozent) und den Rentnern (68 Prozent).

Nur ein kleiner Unterschied ist zwischen Ost- und Westdeutschland festzustellen: Im Osten ist der Anteil der Zuversichtlichen mit 56 Prozent etwas geringer als im Westen, wo 62 Prozent persönlich ein wirtschaftlich gutes Jahr erwarten.

Auch ansonsten gibt es keine wirklich großen Unterschiede beim optimistischen Blick auf 2021. Zwar ist er bei Menschen mit niedriger Schulbildung oder beruflicher Qualifikation tendenziell etwas weniger stark ausgeprägt als bei Hochqualifizierten, aber stets sind die Zuversichtlichen in der Mehrheit, liegen die Stimmungen nicht diametral auseinander. Das Gleiche gilt für Stand oder Land, Jung oder Alt, Frauen oder Männer, Ledige oder Verheiratete, Wohlstandsregionen oder strukturschwache Gebiete.

Lediglich eine Ausnahme gibt es: Ob jemand optimistisch oder pessimistisch ins neue Jahr blickt, hängt entscheidend mit der politischen Einstellung zusammen. Während bei Anhängern von Union, SPD und Grünen die Zuversichtlichen jeweils mehr als zwei Drittel stellen und bei der Linken (die überdurchschnittlich von Arbeitslosen und Niedrigverdienern gewählt wird) immerhin knapp über die Hälfte, sind sie bei der FDP mit 43 Prozent nur noch in der relativen Mehrheit.

Bei AfD-Anhängern kehrt sich das Verhältnis komplett um: Nur 26 Prozent von ihnen sind für 2021 persönlich zuversichtlich, 59 Prozent sind pessimistisch. Mit 31 Prozent ist der Anteil derjenigen, die nicht nur wenig, sondern »gar nicht« zuversichtlich ins neue Jahr blicken, extrem hoch. Soziodemografisch lässt sich das kaum erklären, denn keine andere Personengruppe in Deutschland weist überhaupt eine überwiegend pessimistische Erwartung bezüglich der eigenen wirtschaftlichen Entwicklung auf, geschweige denn so eine ausgeprägte.

Für Deutschland als Ganzes weniger Optimismus

Ein grundsätzlich anderes Bild ergibt sich allerdings bei der Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland im neuen Jahr. Hier halten sich Optimisten (41 Prozent) und Pessimisten (44 Prozent) unter allen Befragten etwa die Waage – bei einer Schwankungsbreite von jeweils 2,5 Prozent ist nicht völlig sicher, was von beidem überwiegt.

Zu beobachten ist hier ein Phänomen, das in vielen ähnlich angelegten Umfragen auftritt und auch vom fortlaufend erhobenen SPIEGEL-Wirtschaftsmonitor bekannt ist: Die persönlichen Umstände werden in der Regel deutlich positiver beziehungsweise optimistischer eingeschätzt als die der gesamten Gesellschaft.

So erwartete zum Beispiel bereits im Sommer 2019 weit mehr als die Hälfte der Deutschen einen wirtschaftlichen Abschwung – die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz blieb allerdings völlig unverändert auf sehr niedrigem Niveau.

Bei der aktuellen Frage nach der Zuversicht für das neue Jahr ist die Diskrepanz zwischen den persönlichen Aussichten und denen für die Gesamtwirtschaft aber auch inhaltlich nachvollziehbar. Denn die Erfahrung aus dem Jahr 2020 zeigt: Die Wirtschaftsleistung ist weitaus stärker eingebrochen als die durchschnittlichen Einkommen der Privathaushalte. Der Staat hat den finanziellen Schaden der Pandemie für einen großen Teil der betroffenen Bürgerinnen und Bürger in hohem Maße aufgefangen, etwa durch das eigens aufgebesserte Kurzarbeitergeld oder die Corona-Hilfen – und wird das auch im neuen Jahr tun.

Ein Umstand ist jedoch frappierend: die Gleichmäßigkeit der unterschiedlichen Einschätzung. Nicht nur bei der Gesamtheit der Befragten, sondern auch in (nahezu) allen einzelnen Personengruppen liegt der Anteil derer, die in Bezug auf die persönliche Wirtschaftslage optimistisch sind, um fast exakt 20 Prozentpunkte höher als derer, die das in Bezug auf die deutsche Gesamtwirtschaft sind – und umgekehrt der Anteil der Pessimisten um rund 20 Prozentpunkte niedriger.

Auch hier gibt es lediglich in Zusammenhang mit der politischen Einstellung etwas stärkere Abweichungen. In der Grafik sind die Optimisten in Bezug auf die persönliche Entwicklung blau dargestellt, in Bezug auf die allgemeine Konjunktur rot.

Zwei Parteien fallen ein wenig aus dem Rahmen: So sind SPD-Wähler ausgesprochen optimistisch, was die allgemeine Wirtschaftslage betrifft – mit 62 Prozent ist der Anteil der Zuversichtlichen nur zehn Prozentpunkte niedriger als bei der Frage nach der persönlichen Lage. Bei den FDP-Wählern ist die Diskrepanz zwischen der erwarteten persönlichen und allgemeinen Entwicklung mit 27 Prozentpunkten besonders groß, lediglich 16 Prozent von ihnen erwarten eine positive Konjunkturentwicklung, 72 Prozent eine negative. Nur die AfD-Wähler sind noch pessimistischer: Hier beträgt das Verhältnis 7 zu 88 Prozent.

Icon: Der Spiegel

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