Corona-Maskenpflicht: Besser shoppen ohne Maske in Österreich?
Icon: vergrößernEinkäufer ohne Mundschutz in der Salzburger Getreidegasse
Foto: Barbara Gindl/ DPA
Maske ja oder nein? Seit dem Wochenende ist die Diskussion über Sinn und Unsinn des Mund-Nasen-Schutzes (MNS) wieder entfacht. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Gesundheitsminister der Länder lehnen eine Abschaffung der Maskenpflicht derzeit zwar ab. Doch der Druck aus Teilen der Wirtschaft wächst. Vor allem der Einzelhandel ist ungeduldig.
Die Argumentation: Wenn das Tragen der Masken endlich wegfalle, würden die Leute wieder vermehrt in die Innenstädte, Einkaufszentren und Fußgängerzonen strömen und nach Lust und Laune einkaufen. Gerade der besonders unter der Coronakrise leidende Modehandel hofft auf eine Wiederkehr der sogenannten Lustkäufe.
Doch ist das wirklich so? Könnte genau dies viele Kunden nicht auch verunsichern, angesichts stärker virengeschwängerter Ladenluft? Mit anderen Worten: Ist die Maskenpflicht ein Nachteil für den Einzelhandel – oder förderlich?
Erste Antworten gibt es aus Österreich, wo die Maskenpflicht im Einzelhandel seit dem 15. Juni abgeschafft wurde. Es galt bisher nur noch das Abstandsgebot von einem Meter unter Menschen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben. Und das Prinzip Eigenverantwortung: Wo es eng wird, soll die Maske auf.
"In Österreich hat sich die Kundenfrequenz erhöht, seit die Maskenpflicht gefallen ist", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands in Österreich. Zwar liegen sowohl Umsatz als auch Kundenaufkommen noch rund ein Viertel unter Vorjahresniveau. Aber das ist deutlich weniger als noch im Mai, wie eine Umfrage des Handelsverbands unter 140 Einzelhändlern in Österreich vom 18. bis 24. Juni ergab. "Die Umsatz- und Frequenzverluste sind rückläufig", sagt Will, der Wegfall der Maskenpflicht spiele da bereits eine Rolle.
Modehandel besonders unter Druck
Der Modehandel profitiert von dieser Entwicklung allerdings weniger: Die betroffenen Händler verzeichnen der Verbandsumfrage zufolge im Juni ein Umsatz- und Frequenzminus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hier scheint der Wegfall der Maskenpflicht also weniger zu wirken.
"Das Ende der Maskenpflicht ist zwar bemerkbar, vielmehr ist es aber die Wiedereröffnung der Gastronomie und damit die Wiederbelebung der Innenstädte, die Kundinnen und Kunden wieder zum Einkaufen motiviert. Insgesamt haben sich unsere Umsätze durch das Ende der Maskenpflicht und die Wiedereröffnung der Gastronomie leicht verbessert. Trotzdem kann man noch nicht von einem Aufwärtstrend sprechen, die Zurückhaltung ist immer noch spürbar", teilt die Modehauskette Peek & Cloppenburg auf Anfrage mit, einer der größten Modehändler in Österreich.
Handelsverbandsmann Will aber bekräftigt: "Dass eine Maske zeitintensive Lustkäufe nicht befeuert, steht außer Frage." Weitere Faktoren würden die Kauflaune jedoch bremsen: Momentan würden viele Konsumenten lieber sparen und sich auf lebensnotwendige Einkäufe beschränken, als sich ins Shoppingvergnügen zu stürzen. "Konsum braucht ein Klima der Zuversicht", sagt Will. Und das ist in Zeiten von drohendem Arbeitsplatzverlust nicht gegeben.
Wenig Unterschied spüren die Supermärkte. Dies bestätigt auch die Discounterkette Hofer, die zu Aldi Süd gehört. "Das Aufheben der MNS-Maskenpflicht hat keinen messbaren Effekt auf das Shoppingverhalten unserer Kundinnen und Kunden gezeigt", schreibt eine Sprecherin. Freiwillig könne diese natürlich weiterhin getragen werden, alle weiteren Hygienemaßnahmen wie Sicherheitsabstand, Plexiglaswände an den Kassen und Handdesinfektionsspender in den Eingangsbereichen gebe es weiterhin. Bei Spar heißt es: "Die Shoppinglaune bessert sich zusehends",dies habe allerdings nichts mit den Atemmasken zu tun. "Im Lebensmittelhandel war das eh nie ein Problem", schreibt eine Sprecherin.
"Kaufkräftige Pensionisten" ohne Maskenpflicht eher zurückhaltend
Doch könnte der Wegfall der Masken in Umkleidekabinen und zwischen dicht stehenden Supermarktregalen nicht auch kontraproduktiv sein? Tatsächlich treffe dies vor allem auf "kaufkräftige Pensionisten", also ältere und gefährdete Menschen zu, sagt der Handelsverband-Geschäftsführer. Diese seien tendenziell zurückhaltender bei nicht lebensnotwendigen Einkäufen seit dem Wegfall der Masken. Gleichzeitig seien junge Leute und Berufstätige wieder stärker in den Läden anzutreffen.
Die neue Konsumlaune könnte jedoch bald wieder verfliegen, wenn die Infektionszahlen wieder steigen. Genau dies lässt sich seit Mitte Juni feststellen: Gab es in Österreich am 15. Juni offiziell nur noch 373 Covid-19-Kranke, so sind diese seitdem stetig auf mehr als 1000 gestiegen.
Zum Wegfall der MNS-Pflicht hatte Gesundheitsminister Rudolf Anschober noch gesagt: "Sollten die Infektionszahlen wieder nach oben gehen, würden sehr rasch einzelne Lockerungsschritte wieder zurückgenommen und/oder Schutzmaßnahmen wieder verstärkt."
Genau das ist inzwischen passiert: Als erstes Bundesland führt Oberösterreich nach einem spürbaren Anstieg der Corona-Infektionen die Maskenpflicht wieder ein. Von Donnerstag an müssten die Bürger wieder einen Mund-Nasen-Schutz in Läden und Lokalen wieder tragen, sagte Landeschef Thomas Stelzer (ÖVP) am Dienstag in Linz. Die Gäste von Lokalen würden auf freiwilliger Basis gebeten, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. "Es ist ein Anstieg, der uns besorgt und uns natürlich auch nicht tatenlos zusehen lässt", sagte Stelzer.
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