Corona-Impfstoff-Verteilung: Das Menschheitsprojekt
Icon: vergrößernBehandlungszentrum für Corona-Patienten in einer Moskauer Eissporthalle:Wer den Zugang zu Impfstoffen kontrolliert, wird an Macht gewinnen
Foto: Maxim Shemetov / REUTERS
João Doria hat lange auf diese Fracht gewartet. Am Donnerstag kam sie an. Morgens um kurz nach halb acht landete eine Maschine von Turkish Cargo auf dem internationalen Flughafen von São Paulo im Südosten Brasiliens, beladen mit Kühlcontainern. Darin lagerten 120.000 Ampullen mit Coronavac, einem Impfstoffkandidaten einer chinesischen Firma. Die Ladung ist kostbar. Vom Flughafen wurden die Ampullen direkt an einen geheimen Ort transportiert.
Doria ist der Gouverneur des Bundesstaats São Paulo. Er hat in den vergangenen Monaten alles darangesetzt, möglichst schnell Zugriff auf den chinesischen Impfstoff der Firma Sinovac zu erhalten. Die 120.000 Einheiten sind die erste Charge, die den Brasilianern zur Verfügung stehen wird, sobald die Zulassung erfolgt ist, womöglich schon in wenigen Wochen.
Der Gouverneur hat in der Pandemie früh auf den chinesischen Pharmakonzern gesetzt. Sinovac darf die Vakzine seit Monaten in dem brasilianischen Bundesstaat testen. Sollte die dort geplante Impfkampagne erfolgreich verlaufen, hat der konservative Politiker etwas vorzuzeigen, wenn er in zwei Jahren wie erwartet zur Präsidentschaftswahl antritt.

