Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

Corona-Hochburg Sachsen: Wein, Party und Särge

December 24
04:47 2020
Särge mit Corona-Toten in Chemnitzer Krematorium: »So eine Situation gab es niemals zuvor« Icon: vergrößern

Särge mit Corona-Toten in Chemnitzer Krematorium:»So eine Situation gab es niemals zuvor«

Foto: Sven Döring / DER SPIEGEL

Die Wucht der Coronakrise in Sachsen lässt sich in Zahlen fassen: Zuletzt 427 Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner, mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Oder in Bildern: Bundeswehrsoldaten in Uniform helfen in Altenheimen, Krankenwagen stauen sich vor einer Klinik. Aber wohl nirgendwo wird das Ausmaß der Katastrophe so deutlich wie in einem Chemnitzer Keller.

In den weiß gekachelten Gängen stapeln sich Holzsärge, dicht an dicht, immer zwei aufeinander. Allein vor den vier Einäscherungsöfen stehen 24 davon. Kleine Zettel daran warnen: »Achtung! Corona-Virus-Infektion«. Die Leiterin des städtischen Friedhofs trägt Daunenjacke, Jeans, Brille, sie will ihren Namen nicht gedruckt sehen. Blass sieht sie aus, gehetzt und ausgelaugt. »Wir arbeiten seit Wochen im Dauerbetrieb«, sagt sie. Seit mehr als 20 Jahren ist sie in der Beerdigungsbranche. »So eine Situation gab es niemals zuvor.«

Bevor die zweite Welle Sachsen traf, wurden hier durchschnittlich 21 Leichname pro Tag eingeäschert, jetzt sind es mindestens 40. Und die Bestatter bringen immer neue Särge, mehr als 200 stehen inzwischen im Gebäude. Die hundert Kühleinheiten im Untergeschoss hat die Krematoriumsleitung mehrfach belegen lassen. Sie reichen trotzdem nicht mehr aus.

Neueste Beiträge

8:17 Krankenkassen widersprechen: Merz schiebt hohen Krankenstand auf telefonische Krankschreibung

0 comment Read Full Article