Corona-Forschung: “Drei gute Studien wären besser als 100 schlechte”

Der Mathematiker Gerd Antes kritisiert das Tempo, in dem Untersuchungen zu Covid-19 durchgeführt und veröffentlicht werden
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SPIEGEL: Die medizinische Forschung erlebt gerade einen GAU: Zwei wichtige Studien zu Covid-19, die in zwei der renommiertesten Medizinzeitschriften der Welt, "The Lancet" und "New England Journal of Medicine", erschienen sind, beruhen auf den gesammelten Patientendaten eines dubiosen US-Unternehmens. Nun besteht der Verdacht, die Daten könnten teilweise gefälscht sein. Wie groß ist der Schaden?
Antes: GAU ist das richtige Wort. Das ist eine echte Katastrophe für die Wissenschaft! Die "Lancet"-Studie hat dazu geführt, dass die Erprobung des Malariamittels Hydroxychloroquin gegen Covid-19 weltweit gestoppt wurde. Jetzt laufen die klinischen Tests zwar wieder an, aber ich fürchte, Hydroxychloroquin hat durch die fragwürdige Studie einen so schlechten Ruf bekommen, dass es schwer werden wird, noch ausreichend Probanden zu finden.
SPIEGEL: Die andere problematische Studie im "New England Journal of Medicine" konnte eine negative Wirkung bei Covid-19-Erkrankungen durch ACE-Hemmer nicht bestätigen.