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Corona: Diese Gruppen verlieren am meisten

July 05
20:36 2020
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Karsten Thielker

Von Tim Bartz, David Böcking, Markus Dettmer, Martin Hesse, Henning Jauernig, Anton Rainer und Anne Seith

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) erwartet, dass die Deutschen in Folge der Corona-Pandemie Hunderte Milliarden Euro an Einkommen verlieren. Nach den Prognosen des Forschungsinstituts wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 6,8 Prozent schrumpfen. Wie die Ökonomen für den SPIEGEL errechnet haben, bedeutet dies, dass das Volkseinkommen im Vergleich zu 2019 trotz gewaltiger Subventionen und Überbrückungshilfen um 110 Milliarden Euro sinkt.

Durchschnittlich 1325 Euro hätte jeder Bürger vom Säugling bis zum Greis demnach weniger zur Verfügung. Der tatsächliche Corona-Effekt ist sogar noch viel höher. Eine Civey-Umfrage für den SPIEGEL hat ergeben: Ein Drittel der Deutschen erwartet in diesem Jahr Einkommens- und Vermögenseinbußen, insgesamt 36 Prozent erwarten dies sogar für die nächsten drei Jahre.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Als Andrea Anneser zu Jahresbeginn ihren neuen Job antrat, konnte sie ihr Glück kaum fassen. Die 49-Jährige war nach sechs Jahren in Manchester gerade erst nach Schleswig-Holstein gezogen – sie bezeichnet sich selbst als "Brexit-Flüchtling". Sie wollte zurück, bevor Großbritannien in die Krise stürzt.

In Deutschland, wo die Industrie stark und die Zukunft sicher wirkte, sollte alles besser werden. Und tatsächlich: Eine Hamburger Traditionsfirma, Zulieferer für die Schiffs- und Autoindustrie, gab ihr einen Job als Projektmanagerin. Gut bezahlt und krisenfest, so schien es. "2020 sollte mein Jahr werden", sagt sie. Dann kamen die ersten Nachrichten aus China. Und Anneser begann, um ihren Plan zu fürchten.

Anneser ist verantwortlich für die Kunden aus der italienischen Autoindustrie, sie sah, wie erst die Lieferketten von Fiat zusammenbrachen, dann die Umsätze im eigenen Unternehmen – und schließlich ihr Traum vom neuen Leben zerbröselte: Zum Ende der Probezeit muss sie das Unternehmen verlassen.

Corona produziert millionenfach Krisenverlierer. Das Virus kann töten, und es kann Gesellschaften spalten. Selbst eine reiche wie die deutsche kann ins Schlingern geraten, wenn der soziale Friede brüchig wird, weil es nicht gelingt, den wirtschaftlichen Schaden einzudämmen und die Lasten fair zu verteilen.

Die Weltwirtschaft ist in die tiefste Rezession seit der großen Depression Ende der Zwanzigerjahre gestürzt. Bis zu 200 Millionen Menschen weltweit sind nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation von Arbeitslosigkeit bedroht. Mehr als sechs Millionen in Deutschland sind in Kurzarbeit; viele von ihnen werden in den kommenden Monaten wohl ihre Kündigung erhalten. "Machen wir uns nichts vor, die Kurzarbeit wird leider für viele in Arbeitslosigkeit enden", sagt Clemens Fuest, Chef des Münchner Ifo-Instituts. "Deutschland wird ärmer."

Kommen nach den fetten Jahren nun also die mageren? Rutscht die Gesellschaft ab – schneller und härter und dauerhafter als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik?

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