Clemens Fuest zu Corona-Impfungen: »Der Staat sollte den Pharmaunternehmen Prämien anbieten«
Icon: vergrößernImpfstoff von Biontech/Pfizer
Foto: Sven Hoppe / DPA
Eine »Investition in Zukunft« – so hat Clemens Fuest im Dezember den harten Corona-Shutdown genannt. Der Präsident des Münchener Ifo-Instituts war ein Vater der Verschärfungen: als Mitautor des wegweisenden Positionspapiers der Nationalakademie Leopoldina, in dem Topwissenschaftler fachübergreifend neuerliche Geschäfts- und Schulschließungen forderten.
Ökonom Fuest ist überzeugt: Nur wenn die Pandemie beherrschbar ist, kann die Wirtschaft gedeihen. Umso wichtiger sind in seinen Augen nun die Impfungen. Im SPIEGEL-Interview fordert der 52-Jährige, dass der Staat die Impfstoffhersteller entschiedener unterstützt. Und ihnen Anreize bietet, so schnell wie möglich mehr zu liefern.
SPIEGEL: Professor Fuest, seit zwei Monaten wird das öffentliche Leben immer weiter heruntergefahren. Der Shutdown wird ein ums andere Mal verlängert und verschärft. Doch Deutschlands Wirtschaft scheint im Großen und Ganzen bisher glimpflich davonzukommen. Kann das sein?
Fuest: Der Eindruck ist schon richtig. Wir erwarten für die ersten drei Monate eine leichte Steigerung der Wirtschaftsleistung gegenüber dem vierten Quartal 2020, ungefähr 0,5 Prozent. Es gibt keinen Einbruch wie in der ersten Welle im vergangenen Frühjahr, die Situation ist auch ganz anders. Wir haben keine geschlossenen Grenzen für Güterverkehr, keine zerbrochenen Wertschöpfungsketten. Trotz aller Shutdown-Diskussionen machen wir nur einen relativ kleinen Teil der Wirtschaft zu. Das verarbeitende Gewerbe funktioniert, die Industrieproduktion läuft.

