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CDU: Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen bei der Jungen Union in Köln

October 04
00:23 2020
Friedrich Merz hinter "Team Röttgen"-Schild: Ein paar Frotzeleien müssen sein an diesem Tag. Icon: vergrößern

Friedrich Merz hinter "Team Röttgen"-Schild: Ein paar Frotzeleien müssen sein an diesem Tag.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die drei Kandidaten halten Abstand, was vermutlich nicht nur mit dem Coronavirus zu tun. Merz und Röttgen begrüßen sich kurz, Merz und Laschet auch, Faust gegen Faust. Laschet und Röttgen gehen sich aus dem Weg. Man spricht nicht miteinander, aber auch nicht übereinander.

"Wir sind keine Gegner, wir sind Wettbewerber", sagt Norbert Röttgen. Die drei Herren versuchen, Gentlemen zu sein, doch sie können es sich auch nicht verkneifen, in ihren Reden ein paar Seitenhiebe auf ihre Wettbewerber einzubauen.

Die Junge Union Nordrhein-Westfalen hat in Köln ihren NRW-Tag abgehalten und dabei die Kandidaten um den CDU-Vorsitz eingeladen: Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Alle drei stammen aus Nordrhein-Westfalen, dem größten und einflussreichsten Landesverband der CDU. Im Gürzenich, einer Festhalle im Zentrum Kölns, traten sie am Samstagnachmittag nacheinander auf die Bühne. Vor einer blauen Leinwand mit einem überdimensionalen Kompass drauf machten sie Wahlkampf, wie passend.

"Die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen aus CDU und FDP ist die stabilste Regierung, die wir in ganz Deutschland haben", sagt der Ministerpräsident Armin Laschet.

"Klimapolitik muss Teil von Außenpolitik werden", sagt der Außenpolitiker Norbert Röttgen.

"Wir brauchen ein besseres Klima für die Wirtschaft, das Gerede in den Schulen über die angeblich so schlechte Wirtschaft in unserem Land muss aufhören", sagt der Wirtschaftsliberale Friedrich Merz.

Die drei Kandidaten starteten schon gemeinsam in die Woche. Am Montag trafen sie sich im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin mit Annegret Kramp-Karrenbauer, der Noch-Vorsitzenden, um über den Fahrplan zum Parteitag im Dezember in Stuttgart zu beraten. Danach trennten sich die Wege der drei, ein kleiner Wochenrückblick auf die Termine der Kandidaten lohnt sich. Die Planungen, die Auftritte des Trios hätten unterschiedlicher kaum sein können, zumindest wenn man Laschets Stundenplan mit dem von Merz oder Röttgen vergleicht.

Merz trat bei der CDU Rems-Murr auf und bei der CDU in Lüdenscheid, Röttgen war per Videokonferenz zu Gast bei der CDU Lichtenberg, er nennt seinen Streifzug durch die Kreisverbände "Röttgen Rallye".

20 Prozent sind für Spahn, der gar nicht antritt

Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen tagte am Dienstag mit seinem Kabinett, man beschloss einen Entwurf zum Gewerbesteuerausgleichsgesetz, es geht um Mittel von 2,7 Milliarden Euro. In der Ministerpräsidentenkonferenz verhandelte Laschet später mit der Kanzlerin, wie es in der Coronakrise weitergeht. Am Mittwoch reiste Laschet nach Rom, wo er den italienischen Ministerpräsidenten Guiseppe Conte und den Papst traf.

Laschet macht keine Rallye, er regiert, trifft Staatschefs auf der internationalen Bühne. Sein Terminplan hat schon etwas Kanzlerhaftes, doch das wirkt sich nicht unbedingt auf seine Chancen im Kandidatenrennen aus. In einer aktuellen SPIEGEL-Umfrage sprachen sich 36 Prozent der Unionsanhänger für Merz als CDU-Chef aus, mehr als 20 Prozent sind demnach für Jens Spahn, der gar nicht antritt. In Laschet sehen nicht mal zehn Prozent den neuen Vorsitzenden.

Das Corona-Krisenmanagement des Ministerpräsidenten zahlt nicht auf sein Konto ein. Zu zögerlich, zu unentschieden, werfen ihm Kritiker vor. Aus Laschets Umfeld heißt es, dass inzwischen eine gewisse Ruhe bei ihm eingekehrt sei, auch ein wenig Stolz, seinen Kurs durchgehalten zu haben, in der Krise Politik nach dem eigenen Koordinatensystem zu machen, auch wenn es nicht immer populär sei.

Im Gürzenich ist Laschet der erste Kandidat auf der Bühne. Er erzählt von seiner Italienreise, dort würde man "genau darauf schauen", was in der CDU gerade passiere, sagt er. "Wenn wir die politische Mitte preisgeben", sagt Laschet, "ist das Risiko, dass Rot-Rot-Grün den Kanzler stellt, riesengroß." Das sei die Richtungsentscheidung, vor der man bei der Bundestagswahl 2021 stehe. "Wollen wir, dass die Linken in Deutschland an der Macht beteiligt werden? Meine Antwort lautet: nein."

Die AfD, sagt Laschet, habe man kürzlich bei der Kommunalwahl in NRW auf rund fünf Prozent der Stimmen drücken können. Nun wolle er sie auch nicht mehr im Landtag sehen. "Das gelingt nur", sagt Laschet, "wenn wir unsere Politik erklären, wenn man weiß, dass wir alles sorgsam abgewogen haben."

Laschet erinnert an die Landtagswahl 2012 in NRW, die CDU sei "am Boden" gelegen, Christdemokraten seien "im Wahlkampf auf der Straße beschimpft" worden. Der CDU-Spitzenkandidat war damals Norbert Röttgen, er verlor die Wahl krachend gegen Hannelore Kraft (SPD). Röttgen sitzt hinten im Saal und hört Laschet zu, als dieser an sein Wahldebakel erinnert.

Röttgen-Fans tragen "Nobbi"-T-Shirts

Doch große Liebe schlägt auch Laschet nicht entgegen. Es ist bezeichnend, dass er den lautesten Applaus erntet, als er Jens Spahn anspricht. Der Bundesgesundheitsminister unterstützt den NRW-Ministerpräsidenten im Kampf um den CDU-Vorsitz, die beiden treten als Team an. "Wir waren nicht immer einer Meinung", sagt Laschet, aber das sei "ja gerade das Kunststück". Ihm sei es darum gegangen, jemanden in sein Team zu integrieren, an dem er sich reiben könne. Spahn stehe "für eine große Gruppe in der Partei", sagt Laschet. Die CDU werde die Bundestagswahl 2021 nur gewinnen, wenn alle Strömungen in der Partei berücksichtigt würden.

An den Tischen im Gürzenich sitzen rund zwei Dutzend JUler, die T-Shirts tragen, auf denen das Konterfei von Röttgen zu sehen ist. Die Shirts sind rot-weiß-blau, im Obama-Stil. "Nobbi" steht unter dem Gesicht des Politikers, es gibt auch Aufkleber von dem Motiv. Die Röttgen-Fans haben zudem Schilder mitgebracht, auf denen "Parteivorsitzender 2020" gedruckt ist. Sie werden hochgehalten, als Röttgen die Bühne betritt.

Während Laschet gerade noch über den Reifenhersteller Continental in Aachen gesprochen hat, surft Röttgen lieber durch die Weltpolitik. Er schlägt den großen Bogen. Es geht in seiner Rede um die Proteste in Belarus, um "das aggressive Russland", um Joe Biden und die Nato. "Wir können nicht mehr sagen: Was da draußen passiert, geht uns nichts an", sagt Röttgen. Und: "Wir wollen unseren europäischen Beitrag dazu leisten, damit die Welt wieder friedlicher wird."

Bei Merz gibt es mehr Krawall

Es ist dasselbe Thema, das Friedrich Merz anschneidet. "Wir müssen aus der Nische der Weltpolitik heraustreten", sagt er, "und unsere Interessen wahrnehmen." Wobei Merz mehr auf Krawall gebürstet ist als Röttgen und Laschet. Er teilt aus, gegen die Grünen: "Die sind hedonistisch veranlagt, die beschreiben eine Welt, die mit der Wahrheit kaum mehr etwas zu tun hat." Gegen die FDP: "Die spielen keine Rolle mehr, schade drum." Und auch ein bisschen gegen Laschet und seinen Politikstil, unterschiedliche Meinungen zusammenzuführen: "Wir müssen klar sein in unseren Aussagen und nicht rücksichtsvoll auf andere schauen."

Auch ein bisschen Untergangsstimmung kommt in der Rede von Merz vor: "Wir fallen im Wettbewerb der großen Tech-Firmen immer weiter zurück", sagt er. Man müsse in Deutschland "am Mindset etwas ändern", es könne doch nicht sein, dass immer mehr mittelständische Unternehmen keine Nachfolger für die Chefetagen fänden. Der Zeitgeist, sagt Merz, sei "ein windiger Geselle", von der CDU werde "Prinzipientreue" erwartet. "Es muss irgendwo Orientierung geben", sagt Merz und lässt durchblicken, wo genau es sie gibt: bei ihm.

Kleine Umfrage zum Schluss unter den JUlern: Welchen Kandidaten fanden sie am besten? Merz sei "inhaltlich stark" gewesen, da könne ihm "niemand das Wasser reichen", hört man, er habe aber "zu wenig Energie versprüht". Laschet habe "Lust auf Zukunft" gemacht, sagen andere. "Wichtig war mir", sagt eine JUlerin, "dass das heute eine faire Sache war und sie sich nicht gegenseitig angekeilt haben."

Als Merz vor dem Saal im Gürzenich steht, geht er auf die Fan-Gruppe von Röttgen zu. Die jungen Politiker halten noch ihre Schilder in der Hand. "Hört mal", sagt Merz, "die Schrift auf den Schildern kann man gar nicht lesen." Der Farbkontrast sei nicht stark genug, im Fernsehen und auf weite Entfernung könne doch niemand erkennen, was da geschrieben stehe.

Merz gibt den Röttgen-Fans ein paar Tipps fürs Merchandising. Ein paar Frotzeleien müssen eben sein an diesem Tag.

Icon: Der Spiegel

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