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Castrop-Rauxel: FBI soll schon an Weihnachten ersten Hinweis gegeben haben

January 08
22:20 2023

Ein Iraner wird verdächtigt, einen Giftanschlag geplant zu haben. Nach SPIEGEL-Informationen ist der 32-Jährige mutmaßlich IS-Sympathisant.

Ein 32-jähriger Mann ist bei einem nächtlichen Anti-Terror-Einsatz im Ruhrgebiet festgenommen worden, weil er sich die Giftstoffe Cyanid und Rizin für einen islamistisch motivierten Anschlag beschafft haben soll. Zumindest bei der Durchsuchung der Wohnung des Iraners in Castrop-Rauxel in der Nacht zum Sonntag wurden aber keine Giftstoffe gefunden, wie der zuständige Oberstaatsanwalt Holger Heming dem SPIEGEL sagte.

Ob der Verdächtige tatsächlich an Giftstoffe gekommen war und diese etwa anderswo gelagert wurden, beantworteten die Ermittler bislang nicht. Bei dem Einsatz wurde außerdem der Bruder des 32-Jährigen festgenommen, der sich bei dem Zugriff der Polizei in der Wohnung aufhielt.

Nach SPIEGEL-Informationen soll das FBI den ersten Tipp zu den nun Festgenommenen bereits an Weihnachten an deutsche Stellen gegeben haben. Offenbar hatten die US-Amerikaner die Telegram-Chatgruppe infiltriert, in der sich die beiden mutmaßlichen Täter zunächst nach Bombenbauplänen und später nach Giftstoffen erkundigt haben sollen.

Abhängig von Amerikas Geheimdiensten?

Es gab demnach zunächst Hinweise darauf, dass die Brüder wohl an Silvester zuschlagen wollten. Allerdings habe ihnen womöglich noch eine Zutat zur Herstellung des Gifts gefehlt, die erst nach dem Jahreswechsel geliefert worden sein könnte, heißt es in Behördenkreisen. Einer der beiden Brüder soll polizeilich bereits mehrfach in Erscheinung getreten und aktuell in psychiatrischer Behandlung gewesen sein.

Bei dem Hauptverdächtigen handelt es sich nach SPIEGEL-Informationen um Monir J., einen iranischen Sunniten. Aus den Telegram-Chats lässt sich schließen, dass er mutmaßlicher IS-Sympathisant ist. Ein Nachbar beschrieb ihn als ruhigen, unauffälligen jungen Mann.

Der Terrorismusexperte Peter Neumann wies darauf hin, dass bei fast jedem aufgedeckten Terrorplan der vergangenen Jahre der entscheidende Hinweis von US-Geheimdiensten gekommen sei. Deutschland sei auch bei der Terrorismusbekämpfung im Inneren nach wie vor sehr abhängig von Amerikas Geheimdiensten, sagte er. »Eigentlich sollte das die Konsequenz haben, dass man hier in Deutschland selbst versucht, solche Fähigkeiten aufzubauen, um diese Abhängigkeit zu verringern.«

Auch auf den verhinderten Rizin-Anschlag 2018 von Köln hatten damals amerikanischen Stellen ihren deutschen Kollegen aufmerksam machen müssen. Die US-Behörden hatten seinerzeit registriert, dass der Täter erhebliche Mengen der Grundstoffe zur Herstellung von Rizin bei Amazon bestellte. In einem 15-stöckigen Gebäude in der Hochhaussiedlung Chorweiler hatten ein Tunesier und seine deutsche Frau die Chemikalie hergestellt und Testexplosionen ausgelöst . Beide wurden zu langen Haftstrafen verurteilt.

»Wir hatten einen ernst zu nehmenden Hinweis, der die Polizei dazu veranlasst hat, noch in der Nacht zuzugreifen«, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) zum aktuellen Fall.

Die Fahnder schlugen gegen Mitternacht zu. Der Einsatzort wurde weiträumig abgesperrt. Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot vor Ort. Zahlreiche Einsatzkräfte trugen Schutzanzüge. Die Ermittler stellten Beweismittel wie elektronische Speichermedien sicher. Diese müssten nun ausgewertet werden, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf.

Das hochgiftige Rizin wird laut RKI in der Kriegswaffenliste unter »Biologische Waffen« aufgeführt. Cyanid ist ebenfalls hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sieht vor dem Hintergrund des Einsatzes die Gefahr islamistischer Anschläge in Deutschland nicht gebannt. Deutschland stehe weiterhin im unmittelbaren Zielspektrum islamistischer Terrororganisationen, sagte sie. Islamistisch motivierte Einzeltäter seien eine weitere erhebliche Gefahr. »Unsere Sicherheitsbehörden rechnen deshalb jederzeit mit Vorbereitungen für einen Anschlag.« Seit dem Jahr 2000 hätten die Behörden in Deutschland 21 islamistische Anschläge verhindert.

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