Bundesregierung will Kiew langfristig mit Haubitzenmunition versorgen
Die Bundesregierung bereitet nach SPIEGEL-Informationen eine langfristige Unterstützung der Ukraine mit Artilleriemunition vor. Das Verteidigungsressort legte dem Haushaltsausschuss des Bundestags Ende vergangener Woche einen entsprechenden Rahmenvertrag mit der Firma Rheinmetall zur Genehmigung vor. Dieser sieht bis 2029 die Lieferung von bis zu 333.000 Schuss 155-Millimeter-Munition zum Auffüllen der eigenen Depots, aber auch zur langfristigen Versorgung der ukrainischen Streitkräfte mit dringend benötigter Haubitzenmunition vor.
Für die nächsten beiden Jahre ist laut den vertraulichen Papieren bereits ein erstes Paket von 20.000 Schuss für die Ukraine vereinbart, die Kosten von knapp 60 Millionen Euro werden von der Bundesregierung übernommen. Parallel dazu erhält auch die Bundeswehr eine Tranche von 20.000 Schuss, dieses Paket soll demnach schon 2023 ausgeliefert werden.
In den Jahren bis 2029 kann die Truppe dann je nach Bedarf weitere Munitionspakete aus dem Vertrag abrufen. Erst kürzlich hatte das Verteidigungsministerium eingeräumt, dass die Truppe derzeit nur über etwa 20.000 Schuss Artilleriemunition verfügt und damit weit von den Nato-Vorgaben für die Bevorratung entfernt ist.
Allein die Größe des Rahmenvertrags illustriert, wie dringlich die schnelle Beschaffung von Munition für die Panzerhaubitzen ist. So hatte die Bundeswehr im Jahr 2019 wesentlich kleinere Verträge für die Zeit bis heute geschlossen. Statt der nun angepeilten 333.000 Schuss Munition hatte das Ministerium damals nur ein Zehntel der Menge bestellt.
Kurz nach Amtsantritt im Frühjahr hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius mit der Rüstungsindustrie vereinbart, umfangreiche Rahmenverträge zu schließen, damit sich die Munitionsproduzenten besser vorbereiten und zum Beispiel Rohstoffe in ausreichender Menge einkaufen können.
Für die Ukraine soll der neue Vertrag eine langfristige Versorgung mit Munition sichern. Laut der als Verschlusssache eingestuften Vorlage kann Kiew auch nach der Lieferung des ersten Pakets nach Absprache mit der Bundesregierung weitere Munitionspakete bestellen. Der Vertrag allein illustriert damit auch, dass in Berlin niemand mit einem schnellen Ende der Kämpfe in der Ukraine rechnet.
Die Nachfrage nach Munition weltweit ist enorm
Einen festen Preis für die weiteren Pakete hat das Ministerium laut den vertraulichen Unterlagen nicht fixiert. Rheinmetall sei wegen der weltweiten Nachfrage nach Munition nicht bereit gewesen, im Rahmenvertrag »konkrete Lieferfristen oder Preise« für zukünftige Pakete festzulegen. Stattdessen muss nun für jedes neue Paket ein eigenes Angebot angefordert werden.
Bis heute hat Deutschland der Ukraine im Zug der Waffenhilfe rund 25.000 Schuss Artilleriemunition geliefert, eine weitere Tranche der gleichen Größe soll in den kommenden Wochen an der Front eintreffen. Der Bedarf der Ukraine ist immens. Im Verteidigungsressort schätzen die Experten, dass die Streitkräfte bei ihrem Kampf gegen die russischen Invasoren zwischen 200.000 und 300.000 Artilleriegranaten pro Monat verschießen.

