Biden fordert landesweite Maskenpflicht im Kampf gegen Corona
Icon: vergrößernPräsidentschaftsbewerber Joe Biden, vorbildlich wie immer mit Maske
Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS
Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat eine landesweite Maskenpflicht im Kampf gegen die Corona-Pandemie gefordert. "Jeder Amerikaner sollte mindestens in den kommenden drei Monaten eine Maske tragen, wenn er draußen ist", sagte Biden am Donnerstag. "Jeder Gouverneur sollte das Tragen von Masken verpflichtend anordnen." Nach Einschätzung von Experten könnten so in den kommenden drei Monaten 40.000 Menschenleben gerettet werden, sagte der frühere Vizepräsident.
"Das hat nichts mit Demokraten, Republikanern oder Unabhängigen zu tun", sagte Biden mit Blick auf die politisch aufgeheizte Debatte über Schutzmasken in den USA. "Es geht nicht um Ihre Rechte, es geht um Ihre Verantwortung als Amerikaner." Die Menschen sollten "Patrioten" sein und ihre Mitbürger schützen. "Das ist Amerika."
Der 77-Jährige und seine Vize-Kandidatin Kamala Harris hielten am Donnerstag in Bidens Heimatstadt Wilmington im Bundesstaat Delaware eine Videokonferenz mit Experten zur Corona-Krise ab. Beide hatten bereits am Vortag den Umgang von Präsident Donald Trump mit der Pandemie scharf kritisiert und dem Republikaner politisches Versagen vorgeworfen.
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Einen ausführlichen Bericht über den ersten gemeinsamen Auftritt von Biden und Harris und über ihre Attacken gegen Trump lesen Sie hier: "Amerika schreit nach Führung"
In den USA wurden bereits mehr als 5,2 Millionen Corona-Fälle registriert, mehr als 166.000 Menschen starben bislang an den Folgen einer Infektion – mehr als in jedem anderen Land weltweit. Aktuell sind in den USA sind so viele Menschen an einem Tag mit dem Coronavirus gestorben wie seit Ende Mai nicht mehr. Binnen 24 Stunden gab es etwa 55.900 bekannte Neuinfektionen und rund 1500 Tote, wie aus Zahlen der Universität Johns Hopkins in Baltimore am Donnerstagmorgen (MESZ) hervorging. Am 27. Mai waren 1522 Corona-Tote gemeldet worden, den Höchststand in absoluten Zahlen gab es Mitte April mit 2666 Todesfällen.
Kritiker geben Trump eine erhebliche Mitschuld an den verheerenden Zahlen. Der Präsident hatte die Gefahr durch das Virus lange Zeit kleingeredet und pochte später auf eine rasche Lockerung der Corona-Beschränkungen. Er untergrub zudem lange Zeit Empfehlungen der Gesundheitsbehörden zum Tragen von Schutzmasken. Als die amerikanische Seuchenbehörde CDC den Gebrauch von Gesichtsmasken empfahl, machte Trump klar, dass er keine tragen werde: "Ich kann mir das für mich selbst irgendwie nicht vorstellen." Er hat diese Linie lange durchgehalten. Wenn es eine Konstante in Trumps Corona-Politik gibt, dann ist es die Ablehnung der Maske.
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Eine Analyse von Trumps Masken-Politik finden Sie hier: Kampf um die Maske
Icon: Der Spiegel

