AstraZeneca-Impfung: Dänemark meldet zwei weitere Fälle von Blutgerinnseln
Icon: vergrößernCovid-19-Impfstoff AstraZeneca: In Deutschland sind bisher 13 Fälle von Thrombosen im Gehirn bekannt – geimpft wurden 1,6 Millionen Menschen
Foto: NEIL HALL / EPA
Dänemark hat am Samstag zwei weitere Fälle von Blutgerinnseln und damit verbundene Hirnblutungen bekannt gegeben, die nach einer Impfung mit der Covid-19-Vakzine von AstraZeneca aufgetreten waren. Betroffen sind zwei Krankenhausmitarbeiter. Demnach ist einer der Betroffenen an den Folgen gestorben.
Beide Personen hatten den Impfstoff weniger als 14 Tage vor Ausbruch der Symptome bekommen. Auch die dänische Arzneimittelbehörde bestätigte die »ernsthaften Berichte« auf Twitter, nannte aber keine Einzelheiten. Zunächst hatte die dänische Zeitung »Ekstra Bladet« darüber berichtet. Demnach soll es sich bei einer der Betroffenen um eine 30-jährige Frau handeln.
Mehrere europäische Länder hatten die Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca ausgesetzt, nachdem in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel bei den Geimpften aufgetreten waren. Laut dem in Deutschland für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) handelte es sich bei den Verdachtsfällen in Deutschland um Thrombosen im Gehirn, die selten vorkommen.
Zugleich hatten die Betroffenen einen Mangel an Blutplättchen, auch Blutungen waren aufgetreten. Laut dem PEI handele es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die schwer zu behandeln sei. Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca wurden deshalb in Deutschland vorübergehend ausgesetzt.
Beschwerden treten meist 4 bis 16 Tage nach Impfung auf
Eine Untersuchung der Europäischen Arzneimittelbehörde (Ema) konnte einen Zusammenhang zwischen den Impfungen und den Blutgerinnseln nicht ausschließen. Die Experten empfehlen den Impfstoff jedoch weiterhin, weil der Nutzen die Risiken weiterhin klar überwiege.
Deutschland hat daraufhin die Impfungen mit dem Mittel wieder aufgenommen. Geimpfte sollen nun über die möglichen Risiken und Symptome aufgeklärt werden. Das sind Warnsignale, die meist 4 bis 16 Tage nach der Impfung auftreten:
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Kopfschmerzen, auch vier Tage nach der Impfung
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Kurzatmigkeit
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Schmerzen in der Brust
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punktförmige Einblutungen
Am Freitag präsentierten Greifswalder Forschende eine mögliche Erklärung für die Symptome. Demnach fanden sich im Blut der Betroffenen spezielle Antikörper, die körpereigene Blutplättchen aktivieren, sogenannte Thrombozyten. Normalerweise passiert das bei einer Wunde. Die Blutplättchen sorgen dafür, dass sich diese wieder verschließt. Im Gehirn kann diese fehlgeleitete Aktivierung aber zu Blutgerinnseln führen.
Mögliche Ursache und Therapie gefunden
Die Wissenschaftler der Universitätsklinik Greifswald um Andreas Greinacher haben nach eigenen Angaben zudem ein Testverfahren entwickelt, das die Ursache für die Thrombose nachweisen kann.
Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung hat auf Basis der Greifswalder Erkenntnisse Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte veröffentlicht. Sie geht davon aus, dass die Gerinnselbildung bei Betroffenen mit einer Sinusvenenthrombose und Thrombozytopenie durch die Gabe von hoch dosierten intravenösen Immunglobulinen gestoppt werden kann.
Dänemark entscheidet am Donnerstag über AstraZeneca-Impfstoff
In Deutschland wurden bisher 13 Fälle von Sinusvenenthrombosen kurz nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet, die alle mit einem Mangel an Blutplättchen einhergingen, also einer sogenannten Thrombozytopenie. Betroffen waren zwölf Frauen unter 55 Jahren und ein Mann. Zwei Fälle sind tödlich verlaufen. Geimpft wurden mit dem Stoff von AstraZeneca rund 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.
Dänemark hatte die Impfungen mit AstraZeneca am 11. März ausgesetzt und bisher noch nicht wieder aufgenommen. Eine Entscheidung für den weiteren Einsatz wird am Donnerstag erwartet.
Laut dänischen Behördenangaben von Donnerstag wurden zunächst zehn Verdachtsfälle von Thrombosen untersucht, die nach einer Impfung mit dem Mittel von AstraZeneca aufgetreten waren. Einer dieser Fälle verlief tödlich. Bisher sind in Dänemark etwa 140.000 Menschen mit dem Impfstoff immunisiert worden.
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