Alexej Nawalny und Nord Stream 2: Angela Merkel in der Russland-Falle
Icon: vergrößernKanzlerin Merkel, Präsident Putin in Moskau im Januar: "Schwerwiegende Fragen, die nur die russische Regierung beantworten kann"
Foto: SERGEY GUNEEV / SPUTNIK / KREMLIN / EPA-EFE/ REX
Offiziell war es eine Einladung zum Kaffeetrinken, als Angela Merkel am Mittwochmittag ihre sechs wichtigsten Minister im Kanzleramt versammelte, die Einberufung des Sicherheitskabinetts hätte zu viel Aufsehen erregt.
Es ging um das Schicksal Alexej Nawalnys, des russischen Oppositionspolitikers, der vergiftet in der Berliner Charité liegt. Die Analyseergebnisse des Münchner Bundeswehrinstituts für Pharmakologie und Toxikologie lagen vor, ein Oberstabsarzt, der schon Giftattacken in Syrien untersucht hatte, erklärte sie den Kabinettsmitgliedern. Das Ergebnis war eine politische Bombe.
Ohne Zweifel, sagte der Arzt nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung, gehöre das Gift zur Nowitschok-Gruppe von Nervenkampfstoffen. Man habe die Spuren nicht nur im Blut, im Urin und in Hautproben Nawalnys gefunden, sondern auch an einer Flasche, die er auf der Reise dabeigehabt hatte. Seine Angehörigen hatten sie nach dem Zusammenbruch des Politikers aufbewahrt und den Ärzten in Berlin übergeben. Vermutlich hatte Nawalny aus der Flasche getrunken, als er bereits vergiftet war, und so die Spuren des Gifts dort hinterlassen.

