Nachrichten in der Welt


Nachrichten der Welt

AfD-Geheimtreffen: Peter Sloterdijk verlässt Verein Deutsche Sprache

January 13
05:36 2024

Der Philosoph Peter Sloterdijk kündigt seine Mitgliedschaft im Verein Deutsche Sprache (VDS) »mit sofortiger Wirkung«, wie es in einem Schreiben heißt, das ein Redakteur des Deutschlandfunks auf X teilte. Grund dafür ist nach Angaben des Deutschlandfunks , der als Erster über diesen Vorgang berichtete, die Teilnahme eines Vorstandsmitglieds des Vereins am Geheimtreffen von AfD-Politikern, Rechtsextremen und Unternehmern.

Auf dem Treffen in Potsdam wurden im November radikale Abschiebepläne von Menschen mit migrantischer Herkunft besprochen. Die Recherchen von »Correctiv« haben in den vergangenen Tagen für Wirbel gesorgt. Silke Schröder, Vorstandsmitglied des VDS hatte an dem Treffen teilgenommen.

Auch andere VDS-Mitglieder sind mit dem Engagement ihrer Vorständin nicht einverstanden. Nach DLF-Informationen forderte der Schauspieler Dieter Hallervorden Schröder zum Verlassen des Vereins auf. Der VDS hat die Teilnahme Schröders bereits am Donnerstag verurteilt. Diese sei mit dem Verein nicht abgesprochen und auch nicht von ihm initiiert oder autorisiert worden. »Der VDS unterstützt keine Aktionen, die nicht mit dem Grundgesetz vereinbar sind und lehnt Diskriminierungen jeder Form ab«, heißt es in einer Mitteilung auf X .

Die VDS-Vorständin legt nach

Schröder selbst wehrte sich auf der Plattform X gegen die Enthüllung ihrer Teilnahme an dem Rechtsradikalen-Treffen. Sie schrieb von »deutschem Mainstreamjournalismus«, bei dem »linksextreme Schreiberlinge (…) mit staatlicher Förderung hirnlosen Quatsch voneinander abschrieben« und empfahl eine »Remigration« an »Ausbildungsstätten, die ihnen ideologiebefreit die Grundlagen ihres Handwerks beibringen«. Mittlerweile ist der Account von Silke Schröder auf privat gestellt, der Tweet kann nicht mehr abgerufen werden.

Der Deutschen Journalistenverband (DJV) kritisiert das Statement. »Darunter kann man nur den Wunsch nach einer Deportation von unliebsamen Journalistinnen und Journalisten in Umerziehungslager verstehen«, erklärte der DJV-Vorsitzende Mika Beuster nach Angaben des Redaktionsnetzwerk Deutschland . Das erinnere an die dunkelsten Zeiten in Deutschland. Der VDS müsse daraus Konsequenzen ziehen »Wer mit rechtsextremen Kampfbegriffen um sich wirft und die Axt an das Grundrecht der Pressefreiheit legen will, hat im Vorstand eines Vereins, der als gemeinnützig anerkannt ist, nichts zu suchen«, betonte Beuster.

Neben ihrer Tätigkeit beim Verein Deutscher Sprache (VDS) ist Silke Schröder unter anderem als Kolumnistin beim AfD-nahen »Deutschland Kurier« tätig.

Der Verein Deutsche Sprache wurde 1997 vom Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer gegründet und kämpft seitdem mit markigen Sprüchen gegen »Sprachpanscherei« oder »Denglisch«. Auch geschlechtergerechte Formulierungen werden von dem Verein mit Nachdruck abgelehnt. Der SPIEGEL attestierte dem Gründer 2019 »eine Mission, die zuweilen ins Sektiererhafte schwappt«.

Peter Sloterdijk musste sich bereits in der Vergangenheit deutlich von der AfD abgrenzen, da diese wiederholt seine Nähe gesucht und ihn als Stichwortgeber für ihre Politik verstanden hatte. Sloterdijks langjähriger Schüler Marc Jongen gilt als Vordenker der Partei, AfD-Rechtsaußen Björn Höcke schrieb 2018 in einem Buch, man komme nicht »um eine Politik der ›wohltemperierten Grausamkeit‹ herum«, um dem »Volkstod durch Bevölkerungsaustausch« zu entgehen. Der Begriff »wohltemperierte Grausamkeit« wurde von Sloterdijk geprägt, diese sei vonnöten, wenn ein Land »allzu attraktiv« für Flüchtlinge würde und ein Abwehrsystem aufbauen müsse , wie er 2015 in einem Interview erläuterte.

Der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hatte dem Philosophen 2016 in einem Gastbeitrag im SPIEGEL vorgeworfen, ein »rechter Ideologielieferant« für die AfD zu sein. Sloterdijk verwahrte sich dagegen, die AfD sei »eine Unmöglichkeitspartei« im »gesamteuropäische Konzert der Unqualifizierten«.

Neueste Beiträge

23:57 Proteste nach tödlichen Schüssen: US-Präsident Trump will kein Militär in Minnesota – “im Moment”

0 comment Read Full Article