Adidas – Rassismusvorwürfe: Drei weiße Streifen
Icon: vergrößernAdidas-Präsentation in Fürth/Franken (Archiv): Intern schwelt ein Konflikt, der das Unternehmen zu zerreißen droht
Foto: Daniel Karmann/DPA
Als Aaron Ture im Oktober 2017 nach Herzogenaurach kam, ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Über das Nachwuchsförderprogramm "Future Talent" hatte er eine Stelle bei Adidas bekommen. Sein Einstellungsgespräch hatte ihn optimistisch gestimmt, so erzählt es der 30-Jährige am Telefon. Ture hatte ein Studium in Taiwan hinter sich und ein Praktikum bei Porsche, aber in einem derart "internationalen" Unternehmen wie Adidas hatte er noch nie gearbeitet. So zumindest war sein erster Eindruck. "Nach ein paar Monaten habe ich dann gemerkt, dass es mit der Internationalität im deutschen Headquarter doch nicht so weit her ist", sagt er.
Ture ist schwarz und homosexuell, seine Jugend in Fulda war auch von Anfeindungen und Mobbing geprägt, erzählt er. Umso wichtiger war es ihm, in einem Unternehmen zu arbeiten, das nicht nur Milliarden mit schwarzen Sportlern verdient, sondern auch bei seinem Personal für eine angemessene Repräsentation sorgt. Was er sah, enttäuschte ihn: Weiße, männliche Teams, die an Schuhdesigns für eine afroamerikanische Zielgruppe tüftelten. Ein Förderprogramm für Geflüchtete, bei dem von 15 Praktikanten nur einer einen Ausbildungsplatz bekam. (Adidas erklärt auf Anfrage, dass seit 2015 rund einem Viertel von 100 Praktikanten mindestens eine befristete Stelle angeboten wurde). Schwarze und People of Color, erinnert sich Ture, "konnte man im Unternehmen an zwei Händen abzählen".

