Commerzbank-Chefs: Vom Höllenhund aus dem Amt gejagt
Icon: vergrößernEin letztes Glas: Vorstandschef Martin Zielke soll spätestens Ende des Jahres gehen
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Jahrelang schien Commerzbank-Chef Martin Zielke trotz großer wirtschaftlicher Schwächen des Geldhauses sicher im Sattel zu sitzen. Schließlich hat das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut mit dem Bund, der gut 15 Prozent der Anteile hält, einen außergewöhnlich starken und soliden Ankeraktionär, der lange über den schleichenden Niedergang hinweggesehen hat.
Jetzt aber ist Schluss mit der Ruhe: Am Freitagabend teilte die Commerzbank mit, dass Zielke wohl spätestens zum Jahresende sein Amt aufgeben wird. Zudem wird Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann schon in den nächsten Wochen das Haus verlassen. Hintergrund für die überraschend schnellen Rücktritte ist nach SPIEGEL-Informationen aus Finanzkreisen, dass der US-Finanzinvestor und Großaktionär Cerberus seit Wochen Druck auf die Führung der Commerzbank macht, personelle Konsequenzen aus der wirtschaftlichen Misere zu ziehen und einen Strategiewechsel einzuleiten.
Erst vor wenigen Wochen hatte Cerberus (in der griechischen Mythologie der Name des Höllenhundes) eine öffentliche Attacke gegen die Führung der Commerzbank geritten. In einem fünfseitigen Papier listeten die Amerikaner in ungewöhnlich scharfem Ton auf, was das Management ihrer Ansicht nach in der Vergangenheit für Fehler gemacht hat – ein direkter Angriff auf Zielke, Schmittmann und die gesamte Führung der Commerzbank. Zudem forderte Cerberus zwei Sitze im Aufsichtsrat für eigene Vertrauensleute und behielt sich vor, dies auf einer außerordentlichen Hauptversammlung durchzusetzen – deren Einberufung der Commerzbank-Vorstand allerdings hätte zustimmen müssen.
Fast alle strategischen Ziele verfehlt
Der Bund als größter Aktionär äußerte sich nicht zu der Attacke der Amerikaner. In Finanzkreisen wird jedoch davon ausgegangen, dass Berlin wohlwollend betrachte, wie Cerberus die Lage einschätzt.
Tatsächlich hat die Commerzbank in den vergangenen Jahren fast alle strategischen Ziele verfehlt. Der Aktienkurs, der Anfang 2018 noch bei mehr als 13 Euro lag, ist im Mai auf unter drei Euro abgesackt.
Im Frühjahr 2019 hatten Commerzbank und Deutsche Bank über eine Fusion verhandelt, die maßgeblich vom Bund sowie von Cerberus betrieben worden war – die Amerikaner halten größere Aktienpakete an beiden Geldhäusern. Doch die Fusion scheiterte am Vorstand der Deutschen Bank.
Seitdem hat sich die Talfahrt der Commerzbank fortgesetzt. Bis zur Veröffentlichung des Cerberus-Briefs Anfang Juni herrschte zumindest vordergründig Ruhe, konkrete Rücktrittsforderungen gegen Zielke gab es nicht.
Seit dem öffentlichen Auftreten von Cerberus allerdings hat sich die Lage verändert. Nach SPIEGEL-Informationen hat Cerberus in den nächsten Tagen den Druck auf die Commerzbank weiter erhöht und den Austausch mehrerer namentlich genannter Aufsichtsratsmitglieder gefordert. Als gefährdet gelten Rainer Hillebrand, Ex-Vizechef der Otto Group, Victoria Ossadnik, Vorsitzende der Geschäftsführung E.on Energie Deutschland, sowie Robin Stalker, Ex-Vorstand bei Adidas. Der Plan von Cerberus ist demnach weiterhin, eigene Vertrauensleute in das Gremium zu entsenden und von dort aus Veränderungen im Vorstand und bei der Strategie vorzunehmen.
Dem ist die Commerzbank nun insofern zuvorgekommen, als dass mit Zühlke und Schmittmann gleich die beiden wichtigsten Führungsleute der Bank ihren Rücktritt angekündigt haben. Erwartet wird nun, dass, wie von Cerberus gewünscht, weitere Aufsichtsräte ihre Ämter niederlegen und die Amerikaner wie geplant eigene Leute entsenden. Und auch bei der Neubesetzung des Vorstandschef-Postens werden die Amerikaner ein gewichtiges Wort mitreden wollen.
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