Commerzbank-Spitze will zurücktreten
Icon: vergrößernCommerzbank-Manager Zielke (l.) und Schmittmann
Daniel ROLAND / AFP
Die Commerzbank steht überraschend vor dem Austausch ihrer Führungsspitze. Vorstandschef Martin Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann wollen von ihren Posten zurücktreten. Der Präsidial- und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats habe empfohlen, die Bestellung Zielkes spätestens zum 31. Dezember 2020 zu beenden, teilte die Bank am Freitag mit. Der Aufsichtsrat werde dazu in seiner Sitzung am 8. Juli 2020 einen Beschluss fassen. AR-Chef Schmittmann habe angekündigt, sein Mandat im Aufsichtsrat mit Wirkung zum 3. August 2020 niederzulegen.
Zielke ließ sich in einer Pressemitteilung mit den Worten zitieren, er wolle "den Weg für einen Neuanfang freimachen. Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt."
Zu den Gründen für die Rücktritte äußerte sich die Bank zunächst nicht. Nach SPIEGEL-Informationen war aber offenbar ein Streit mit einem Großaktionär der Auslöser: Der US-Finanzinvestor Cerberus, der mehr als fünf Prozent an der Bank hält, hatte zuletzt immer wieder heftige Kritik an der Unternehmensführung geäußert und den Aufsichtsrat aufgefordert, Konsequenzen zu ziehen. "Es ist leider offensichtlich, dass die Geschäftsführung der Commerzbank weder unsere Sorgen oder Empfehlungen noch die von anderen Großaktionären beachtet oder überhaupt nur adressiert hat. Stattdessen (…) haben es Vorstand und Aufsichtsrat versäumt, jedwede (…) Initiative umzusetzen", heißt es etwa in dem Brief vom 9. Juni.
Cerberus war bei der Commerzbank im Sommer 2017 eingestiegen, als der Aktienkurs um elf Euro pendelte. Mittlerweile liegt der Kurs bei gut vier Euro, im Mai war er sogar unter drei Euro abgesackt. Für den Finanzinvestor ist das Engagement bisher also ein katastrophales Geschäft.
Ärger auch mit den Arbeitnehmervertretern
Für zusätzlichen Streit hatten jüngst neue Sparpläne gesorgt. Eine für vergangenen Mittwoch angesetzte außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates war kurzfristig abgesagt worden. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hatten beanstandet, dass das Management dem Aufsichtsrat wichtige Unterlagen nicht rechtzeitig vorgelegt habe.
Der Vorstand hatte nach einem Gewinneinbruch 2019 in diesem Februar angekündigt, dass der Sparkurs noch einmal forciert werden soll. Im September hatte die Commerzbank angekündigt, konzernweit 4300 Vollzeitstellen zu streichen, zugleich aber in strategischen Bereichen wie Vertrieb, IT und Regulatorik 2000 Jobs zu schaffen. Somit ergab sich unter dem Strich ein Abbau von etwa 2300 Stellen. Zudem beschloss das Management im Herbst, etwa 200 Filialen und damit jeden fünften Standort in Deutschland zu schließen.
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