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Israel: Dutzende Tote bei Massenpanik auf jüdischem Fest

April 30
05:28 2021
Unglücksstelle in Meron im Norden Israels Bild vergrößern

Unglücksstelle in Meron im Norden Israels

Foto: DAVID COHEN / EPA

Bei einer Massenpanik auf einem jüdischen Fest im Norden Israels sind nach Angaben von Rettungskräften mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sprach am frühen Freitagmorgen von einer »unfassbaren Katastrophe«. Mehr als 100 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen lebensgefährlich.

Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige auch per Rettungshubschrauber. Die Polizei versuchte, das Gelände zu räumen. Zufahrtsstraßen wurden abgesperrt. Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb bei Twitter, er verfolge die Berichte aus dem Ort Meron und bete für die Genesung der Verletzten.

Tausende Ultraorthodoxe hatten in Meron den jüdischen Feiertag Lag Ba'Omer begangen. In sozialen Netzwerken war vor dem Unglück in Videos zu sehen, wie die Menschen dicht gedrängt und ausgelassen sangen, tanzten und hüpften. Die Zeitung »Haaretz« berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, die Panik sei ausgelöst worden, nachdem Menschen auf Treppen ausgerutscht und hingefallen waren. Die hinter ihnen laufenden Menschen seien dann gestürzt. In ersten Medienberichten war vom Einsturz einer Tribüne die Rede gewesen.

»So etwas habe ich noch nie gesehen«

Ein Sprecher des Rettungsdienstes Zaka sagte dem israelischen Fernsehen, vor Ort herrsche Chaos, viele Kinder seien von ihren Eltern getrennt worden. Man bemühe sich, sie wieder zusammenzuführen. »Ich bin seit mehr als 20 Jahren beim Rettungsdienst, so etwas habe ich noch nie gesehen«, sagte er. »Das sind unfassbare Zahlen.« Auch ein Sanitäter sagte, er habe schreckliche Bilder gesehen.

Der Polizei zufolge gab es Probleme mit dem Handyempfang, viele versuchten ihre Angehörigen in Meron telefonisch zu erreichen. Die Polizei verwies für Auskünfte auf eine spezielle Festnetz-Rufnummer.

Lag Ba'Omer ist ein Fest, bei dem unter anderem an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba erinnert wird. Er war im Jahre 132 ausgebrochen und rund drei Jahre später niedergeschlagen worden. Der Überlieferung nach endete an dem Tag von Lag Ba'Omer eine Epidemie, an der damals zahlreiche jüdische Religionsschüler gestorben waren.

Rabbi Schimon Bar Jochai, der auch an dem Aufstand gegen die Römer beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. Sein Ort ist ein Wallfahrtsort, den an dem Feiertag jedes Jahr Tausende besuchen. Traditionell werden dann auch Lagerfeuer angezündet.

Die religiösen Feierlichkeiten waren trotz der Bedenken der Gesundheitsbehörden abgehalten worden und gelten in Israel als eine der größten Menschenansammlungen seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie. Im vergangenen Jahr war den Gläubigen wegen der Pandemie der Zugang zur Grabstätte verwehrt worden.

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