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Biontech: Karl Lauterbach gegen vorrangige Impfung von Kindern

April 29
17:17 2021
Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein Bild vergrößern

Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein

Foto: Gregor Fischer / dpa

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer könnte bald für Kinder ab zwölf Jahren zugelassen werden. Vielen Eltern dürfte das Hoffnung machen: Kinder und Jugendliche haben durch ihre zahlreichen Kontakte, etwa in den Schulen, schließlich ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Problem: Mit der Zulassung des Impfstoffes für über 12-Jährige erhöht sich die Zahl der Menschen, die Anspruch auf eine Impfung haben – allerdings nicht die Menge an Impfstoff, die in Deutschland zur Verfügung steht. Sollten Schulkinder ab Anfang Juni also vorrangig geimpft werden, um wieder sicheren Präsenzunterricht zu ermöglichen?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist dagegen, dass Kinder bevorzugt behandelt werden – auch wenn das zu Zorn und Verzweiflung der Eltern führen werde. »Der Impfstoff für Kinder geht etwa bis September zulasten des Kontingents, das wir haben«, sagte Lauterbach dem SPIEGEL. Doch es gebe gerade andere Schwerpunkte, um die man sich in der Pandemiebekämpfung zuerst kümmern müsse.

Anstatt Kinder bei der Impfpriorisierung früher zu berücksichtigen, schlägt Lauterbach deshalb eine andere Strategie vor: »Wir sollten zusätzliche Kontingente in die Brennpunkte schicken.« Dort sollten dann alle Menschen geimpft werden, auch die Kinder. Schwerpunktmäßig sollte dort für Erwachsene der Impfstoff von Johnson & Johnson eingesetzt werden. Dieser muss für eine Immunisierung nur einmal verimpft werden. Für Kinder rät Lauterbach zum Impfstoff von Biontech.

»Wenn wir die Brennpunkte nicht in den Griff bekommen, dann kriegen wird keine Herdenimmunität hin«, sagte Lauterbach. Dann werde es auch lange keine Erfolge auf den Intensivstationen geben.

Er verstehe, dass sich das für viele Eltern schlecht anfühlen werde. »Wir haben viel über Kinder gesprochen, aber wenig für Kinder getan«, sagte Lauterbach. Irgendwann werde es Lockerungen geben, weil Ältere geimpft seien. Eltern und Kinder hätten dann das Nachsehen und stünden vor dem größten Risiko. »Kinder sind die einzige Altersgruppe, wo man auf keine Geimpften trifft«, sagte Lauterbach.

Die Linkenfraktionsvorsitzende Amira Mohamed Ali pocht deshalb darauf, Kinder bei den Impfungen vorzuziehen, sollte der Impfstoff nicht für alle reichen: »Für Kinder gibt es bisher keinen zugelassenen Impfstoff. Und wenn er in der Zukunft zugelassen sein wird und der vorhandene Impfstoff dann nicht ausreicht, um auch die Kinder sofort zu impfen, dann wird die Impfkommission eine Empfehlung abgeben«, sagte die Linkenpolitikerin dem SPIEGEL. »Mir persönlich scheint es plausibel zu sein, dann gegebenenfalls nicht nur über das vorrangige Impfen von Kindern, sondern ganzer Familien nachzudenken.«

Auf die Frage, ob Kinder bei der Priorisierung bevorzugt werden sollten, hatte Gesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstagvormittag erklärt, die Priorisierung gehe von den schwersten Verläufen nach einer Infektion aus. Er verstehe, dass Normalität in Schulen und Hochschulen wichtig sei. Aber es dauere nicht mehr lang, bis mehr Menschen einen Impfschutz erhalten könnten. »Wir reden doch hier über Wochen«, sagte Spahn. Er wisse, wie hart jeder Tag sei, bat aber dennoch um ein wenig Geduld.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) sprach angesichts der Aussichten auf einen Kinder-Impfstoff von einer »sehr ermutigenden Nachricht« und einem »entscheidenden Fortschritt auf dem Weg raus aus der Pandemie«. Wichtig sei, so Giffey, »dass wir als Bundesregierung unterstützen, wo es geht: bei der Lieferung, bei der Organisation, aber auch bei der Aufklärung und Information der Bevölkerung, besonders in sozialen Brennpunkten«.

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