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Coronavirus: Jens-Spahn spricht sich für »richtiges Runterfahren« aus

March 27
21:26 2021
Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer Diskussionsveranstaltung am Samstag Bild vergrößern

Gesundheitsminister Jens Spahn bei einer Diskussionsveranstaltung am Samstag

Foto: CLEMENS BILAN / EPA

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält einen weiteren Lockdown von 10 bis 14 Tagen für erforderlich. »Wenn wir die Zahlen nehmen, auch die Entwicklungen heute, brauchen wir eigentlich noch mal 10, 14 Tage mindestens richtiges Runterfahren unserer Kontakte, unserer Mobilität«, sagte Spahn am Samstag bei einer Online-Diskussionsveranstaltung der Bundesregierung, bei der Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen konnten.

Nötig sei ein Lockdown ähnlich wie an Ostern im vergangenen Jahr. Er selbst würde auch lieber Ostern im größeren Kreis der Familie verbringen, sagte Spahn. »Aber es geht halt dieses Jahr noch nicht.« Wenn es gelinge, diese Welle zu brechen, bevor sie im April zu groß werde, dann seien anschließend auch Öffnungsschritte möglich. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, »im Zweifel auch mehr als die staatlichen Regeln« umzusetzen.

Die Intensivstationen füllten sich derzeit wieder mit Covid-19-Patienten, sagte Spahn. Darunter seien wegen der Impfungen zwar weniger ältere Menschen, dennoch müsse man nun weitere Wochen überbrücken. »Das kann noch mal sehr, sehr schwierig werden bis weit über die Belastungsgrenze hinaus, wenn wir diese Welle nicht brechen«.

Die Coronainfektionen in Deutschland steigen in Deutschland seit Tagen stark an. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstagmorgen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 124,9. Damit ist der Wert so hoch wie seit dem 19. Januar (131,5) nicht mehr. Darüber hinaus wurden innerhalb von 24 Stunden 157 neue Todesfälle verzeichnet.

Trotz der schlechten Zahlen hatten Bund und Länder auf der Ministerpräsidentenkonferenz zu Beginn der Woche beschlossen, dass die Länder in »ausgewählten Regionen« in »zeitlich befristeten Modellprojekten« einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens testweise öffnen dürfen, »mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept«. Mehrere Länder haben angekündigt, gleich mehrere Modellregionen entsprechend zu öffnen. Das Saarland will nach Ostern sogar das ganze Land öffnen – bisher auch ohne eine Befristung.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert nun erneute Coronaberatungen. »Wir müssen rasch noch mal neu verhandeln«, sagte Lauterbach dem »Tagesspiegel«. »Ohne einen scharfen Lockdown wird es nicht gehen. Ausgangsbeschränkungen ab 20 Uhr für zwei Wochen würden wirken – wir haben es in Frankreich, Großbritannien und Portugal gesehen.«

Aus Sicht der Linken-Co-Vorsitzenden Janine Wissler müssen die Arbeitgeber stärker in die Anti-Corona-Maßnahmen einbezogen werden. »Ich finde, wenn die Zahlen weiter so in die Höhe gehen, dann muss man auch darüber reden, dass nicht dringend notwendige Produktion ein paar Tage stillgelegt werden muss, um einfach die Infektionsketten zu brechen«, sagte Wissler. Wenn man die Welle nicht breche, sei das auch wirtschaftlich kurzfristig gedacht.

Inzwischen sprechen sich mehr Bürgerinnen und Bürger für eine Verschärfung als eine Lockerung der Maßnahmen aus, wie das ZDF-Politbarometer ergab. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) will sie verschärfen, knapp ein Drittel (31 Prozent) beibehalten und ein Viertel (26 Prozent) lockern.

Spahn verspricht Impfungen in bis zu 100.000 Arztpraxen

Auf der Diskussionsveranstaltung machte Spahn zudem Hoffnung auf ein höheres Impftempo. Er gehe davon aus, dass Ende April oder Anfang Mai 80.000 bis 100.000 Arztpraxen impfen könnten, sagte er. Nach Ostern werde man beginnen, auch Hausärzte in die Impfkampagne einzubeziehen. Derzeit impfen Hausärzte nur in Modellprojekten mit. An der geplanten Ausweitung auf Hausärzte sollen laut Spahn zunächst bis zu 50.000 Praxen beteiligt sein.

Betriebsärztinnen und Betriebsärzte sollen erst nach Hausärzten dazu kommen, sagte Spahn. »Ich kann nur um Geduld bitten. Noch ist es zu knapp«, sagte er über den verfügbaren Impfstoff. Er finde es schwierig, jüngere Mitarbeiter von Unternehmen zu impfen, solange die Älteren noch nicht geschützt seien.

Neben den Praxen würden auch die Impfzentren weiter gebraucht, sagte Spahn. »Beides hat seine Berechtigung.« Während Hausärzte Impfsprechstunden für ihre Patientinnen und Patienten anbieten könnten, seien Impfzentren gut geeignet, um etwa bestimmte Berufsgruppen im großen Stil zu impfen.

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