Corona: Ema hält an Empfehlung von AstraZeneca-Impfstoff fest
Icon: vergrößernSpritze mit Corona-Vakzine bei einem Impfprojekt in Sachsen
Foto: Jens Schlueter / Getty Images
Laut der europäischen Arzneimittelbehörde Ema überwiegt der Nutzen des AstraZeneca-Impfstoffs weiterhin das Risiko. Zwar könne ein Zusammenhang mit sehr seltenen, speziellen Thrombosen nicht ausgeschlossen werden. Dem stünden jedoch deutlich größere Gefahren durch Covid-19 gegenüber. Emer Cooke, Ema Executive Director, bezeichnete die Impfung als »sicher und effektiv«.
Menschen, die sich impfen lassen wollen, sollten der Behörde zufolge über die mögliche Gefahr solcher gefährlicher Gerinnsel aufgeklärt werden. Es werde eine extra Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgenommen. Ein Zusammenhang mit gewöhnlichen Thrombosen konnte bei Untersuchungen nicht hergestellt werden. Die Bedenken beschränken sich aktuell auf sogenannte Sinusvenenthrombosen im Gehirn.
Die Empfehlung basiert auf einer Entscheidung des sogenannten Pharmakovigilanzausschusses, kurz PRAC. Er tagt, wenn bei einem zugelassenen Impfstoff oder Medikament mögliche Komplikationen auftreten. In dem Komitee sitzen unter anderem Vertreter aller EU-Staaten sowie von der EU-Kommission benannte unabhängige Expertinnen und Experten. Seine Empfehlungen gelten europaweit.
Deutschland: Mittlerweile 13 Fälle berichtet
Unter anderem Deutschland hatte die Impfung mit der AstraZeneca-Vakzine kürzlich ausgesetzt, nachdem ein möglicher Zusammenhang mit seltenen Hirnvenenthrombosen bekannt wurde. In Deutschland wurden im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung laut Bundesgesundheitsministerium mittlerweile 13 solcher Fälle registriert. Drei der Betroffenen sind verstorben. Laut Paul-Ehrlich-Institut wäre gemessen an den 1,6 Millionen verabreichten Impfdosen eigentlich nur ein Fall zu erwarten gewesen.
Am Ende entscheidet eine Abwägung der Risiken mit dem Nutzen immer darüber, ob Impfstoffe oder Medikamente angewendet werden. »Nach derzeitigem Wissen ist der Nutzen des AstraZeneca-Impfstoffs deutlich größer als seine Risiken«, sagte Hans Kluge, europäischer Generaldirektor der WHO, am Donnerstag. Er appellierte an die Länder Europas, die Vakzine weiter zu nutzen, um Leben zu retten. In den vergangenen Tagen hatten mehr als 20 europäische Staaten die Impfung ausgesetzt.
Andersherum gedacht zählte die Tatsache, dass auch junge Menschen von den seltenen, lebensbedrohlicheren Nebenwirkungen betroffen sind, zu den Gründen, aus denen das deutsche Paul-Ehrlich-Institut für einen vorläufigen Impfstopp plädierte. Gerade junge Menschen haben ein verhältnismäßig geringes Risiko, an Covid-19 zu sterben.
In Deutschland wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten an diesem Freitag per Telefonkonferenz über den Fortgang der Impfkampagne beraten. Auch der Zeitplan für einen breiten Impfstart in Arztpraxen soll dabei besprochen werden.
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