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Tausende geflüchtete Kinder in US-Lagern: Biden lässt Zustände an Grenze nach Mexiko prüfen

March 13
21:09 2021
Unbegleitetes Kind nach Flucht in die USA im Wagen der Border Control: Situation an der Grenze spitzt sich zu Icon: vergrößern

Unbegleitetes Kind nach Flucht in die USA im Wagen der Border Control: Situation an der Grenze spitzt sich zu

Foto: ADREES LATIF / REUTERS

Es waren schockierende Zustände, die Anwältinnen und Anwälte 2018 und 2019 in den USA öffentlich machten: Hunderte Kinder aus Lateinamerika waren auf der Flucht in die USA von ihren Eltern getrennt worden, harrten verschmutzt und hungrig in Heimen an der Grenze aus. Achtjährige kümmerten sich um die Jüngeren, Kleinkinder machten sich aus Mangel an Windeln in die Hosen. Die Familientrennung und die zeitlich unbefristete Unterbringung von Kindern in Lagern und Heimen war Teil der restriktiven Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump.

Sein Nachfolger Joe Biden wollte den Umgang mit Migranten grundlegend ändern. Doch nun ist auch der neue US-Präsident mit harscher Kritik im Umgang mit Geflüchteten konfrontiert. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation für Kinder an der Grenze zu Mexiko zunehmend verschlechtert.

Zwar setzt die Biden-Regierung die Familientrennungen ihres Vorgängers nicht fort. Doch Tausende Minderjährige, die ohne ihre Eltern auf der Flucht sind, werden während der Prüfung ihrer Asylanträge in Lagern oder Heimen festgehalten, dort wird der Platz langsam knapp. 3700 Kinder sollen laut CNN derzeit im Gewahrsam der Behörden sein. Und es dauert offenbar zunehmend länger, bis sie woanders untergebracht werden.

Immer mehr Menschen flüchten vor Gewalt, Armut und Naturkatastrophen

Das liegt zum einen daran, dass sich in den vergangenen Monaten deutlich mehr Menschen auf den Weg in die USA gemacht haben. Allein im Februar griffen Mitarbeiter der Grenzschutzbehörde CBP nach eigenen Angaben 100.441 Menschen beim versuchten Übertritt auf – 28 Prozent mehr als im Vormonat und fast dreimal so viele wie im Februar vergangenen Jahres. 72.113 Migranten seien wieder zurückgeschickt worden.

Die Zahl der unbegleiteten Minderjährigen stieg laut CBP von 3490 im Februar 2020 auf 9457 im vergangenen Monat. Die Behörde führt den Anstieg der Zahlen insgesamt unter anderem auf anhaltende Gewalt, Naturkatastrophen und Armut in zentralamerikanischen Staaten zurück.

Zum anderen sieht sich die Biden-Regierung durch die Coronapandemie noch einmal besonders unter Druck gesetzt. Die für die Gesundheit und Unterbringung der Geflüchteten zuständige Behörde arbeitet mit einem Netz von Unterkünften zusammen, das landesweit über 13.000 Betten verfügt. Doch wegen der aktuellen Hygieneregeln können nur 60 Prozent davon genutzt werden. Zudem müssten die Kinder zunächst in Quarantäne. Deshalb werden viele minderjährige Migranten weiter auf unbefristete Zeit in grenznahe Lager gesperrt – obwohl sie dort eigentlich nach 72 Stunden entlassen werden müssten.

Biden schickt Minderjährige nicht zurück

Die Regierung stehe zu ihrem Prinzip, unbegleitete Minderjährige nach einem Grenzübertritt aus humanitären Gründen nicht zurückzuschicken, machte Bidens Sprecherin Jen Psaki deutlich. Republikaner und Einwanderungsgegner dagegen befürchten, dass eine vorzeitige Gewährung der Einwanderung die Zahl der Migranten, die sich auf den Weg in die USA machen, noch erhöhen könnte.

Für die Regierung ist die Lage an der Grenze eine »enorme Herausforderung«. Konkrete Vorschläge, wie sie die Krise bewältigen will, präsentierte Sprecherin Psaki jedoch nicht: Die Regierung suche nach Möglichkeiten, die Zahl der Kinder zu reduzieren, die die gefährliche Reise auf sich nähmen. Man prüfe auch Schritte, mit denen Minderjährige nach einem Grenzübertritt schneller in spezielle Einrichtungen gebracht oder mit Familienmitgliedern in den USA zusammengeführt werden könnten.

Immerhin: Präsident Biden will die Lage der unbegleiteten Geflüchteten und die Zustände in den Heimen nun prüfen lassen. Hochrangige Mitglieder seines Teams sollen in die Grenzregion reisen, den Präsidenten briefen und »eine Einschätzung zusätzlicher Schritte geben, die unternommen werden können, um die Sicherheit und Versorgung dieser Kinder zu gewährleisten.«

Icon: Der Spiegel

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