Corona-Patienten mit Migrationshintergrund: »Da kann keiner Homeoffice machen«
Icon: vergrößernCorona-Intensivstation: Einige Krankenhäuser berichten von überproportional vielen Migrantinnen und Migranten
Foto: Ralph Lueger / imago images
SPIEGEL: Einige Krankenhäuser in Deutschland berichten davon, dass überproportional viele Kranke mit Migrationshintergrund auf ihren Covid-Stationen behandelt würden. Wie erklären Sie sich das?
Deli: Vergleichsweise viele Migranten arbeiten in der produzierenden Industrie, wo die Arbeitsbedingungen schlecht sind. Da kann keiner Homeoffice machen. Sie müssen in Schichten arbeiten, auch nachts, oder haben Umgang mit gefährlichen Stoffen. Das galt besonders auch für die erste Gastarbeitergeneration, die nun schon qua ihres Alters eine Risikogruppe bildet. Viele haben Vorerkrankungen. Das macht sie jetzt sehr verletzlich. Schlechter Arbeitsschutz beschleunigt den Alterungsprozess und die Chronifizierung von Krankheiten. Hinzu kommen beengte Wohnverhältnisse, in denen sich Corona schnell verbreiten kann.
SPIEGEL: Welche Rolle spielen sprachliche Hürden beim Infektionsschutz?
Deli: Das ist ein Riesenthema. Die Behörden gehen davon aus, dass sich die Leute schon irgendwie über die deutschen Lokalmedien oder das deutsche Fernsehen informieren werden. Das tun aber viele, vor allem unter den Älteren, nicht. Sie schauen die Kanäle ihrer Heimatländer – in ihrer Muttersprache.

