Corona: Wie kann Impfstoff gegen das Virus gerecht verteilt werden?
Icon: vergrößernPhilippinische Krankenschwester mit einem der ersten Impfstoffe gegen die Schweinegrippe 2009
A2800 epa Francis R. Malasig/ dpa
SPIEGEL: Herr Witte, Sie haben 2013 im Fach Jura promoviert zum Thema Pandemievorbereitung. Jetzt haben wir den Salat. Ist die Lage so, wie Sie sie erwartet haben?
Witte: Es ist schon eine verrückte Situation. Ich hatte nie gehofft oder befürchtet, dass mein Thema mal so relevant würde. Die Erstauflage ist jetzt restlos ausverkauft.
SPIEGEL: Was kann uns Ihre Arbeit lehren?
Witte: Mein Hauptthema war genau die Frage, die jetzt auf die Gesellschaft zukommt, nämlich: Wie können Impfstoffe gerecht verteilt werden? Wenn sie zur Verfügung stünden, gäbe es mit Sicherheit für lange Zeit nicht genug Impfstoff für alle. Es müssen also Triage-Entscheidungen getroffen werden: Wir brauchen Kriterien dafür, wer ihn früher bekommt und wer nicht, zum Beispiel erst das medizinische Personal, dann die Risikogruppen, dann Erzieher und Lehrer.
SPIEGEL: Sollen Ärzte das machen?
Witte: Ärzte können und müssen die Einzelfallentscheidungen vor Ort treffen, die dabei anzulegenden Kriterien aber muss das Parlament im Vorfeld diskutieren und festlegen. Das bedeutet: jetzt.

