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Hanau-Protokolle: Überlebende des Attentats berichten über ihre Entfremdung von Deutschland

February 13
17:29 2021

Filip Goman: Serpil, keiner versteht, was wir hier machen.

Serpil Unvar: Ja. Nicht einmal unsere Leute zu Hause verstehen uns.

Filip Goman: Warum sind wir jeden Tag hier?

Filip Goman zeigt auf die weiße Wand gegenüber, auf das Bild seiner Tochter Mercedes, auf Serpil Unvars Sohn Ferhat, auf die sieben anderen jungen Menschen, die er vor dem 19. Februar 2020 nicht kannte. In diesem Raum hängen sie auf Fotos nebeneinander, eingeschweißt in Plastik, umrahmt von einem grauen Vorhang:

Der Raum, das sind 140 Quadratmeter Ladenfläche in der Krämerstraße in Hanau, früher ein Erotikshop, heute prangt #saytheirnames am Eingang über dem Schaufenster in blauer Leuchtschrift.

In diesem Raum treffen sich jeden Tag Menschen, die sich zuvor nicht kannten, obwohl die meisten von ihnen Jahrzehnte im selben Viertel gelebt haben. Zusammengebracht hat sie der Mann, den sie hier »Tobias« nennen, »den Hund« oder »den Bastard«. Der Rassist, der ihr Nachbar war und in der Nacht vom 19. Februar 2020 ihre Kinder erschoss, an sechs verschiedenen Tatorten, innerhalb von wenigen Minuten. Der danach in sein Elternhaus zurückkehrte, erst seine Mutter erschoss, dann sich selbst.

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