Corona-Lage in Tirol: Österreichs Angst vor einem zweiten Ischgl
Icon: vergrößernInnenminister Nehmammer, Kanzler Kurz, Gesundheitsminister Anschober: Tiroler nicht zur Räson gebracht
Foto: Herbert Neubauer / dpa
Direkter als Franz Hörl hat den österreichischen Bundeskanzler schon länger kein Parteifreund mehr öffentlich angegriffen. »Wenn Wien an Rülpser tut«, so sei das für ihn nicht von Belang, spöttelte der Zillertaler Hörl, ein bekannt bärbeißiger Interessenvertreter der Tiroler Wirtschaft am Montag. Er machte sich dabei nicht einmal die Mühe, den Adressaten seiner Botschaft, Sebastian Kurz, zu erwähnen. Warum auch? Der Kanzler hatte zuvor im Namen der Bundesregierung offiziell »vor Reisen nach Tirol« gewarnt, um eine weitere Ausbreitung der Südafrika-Variante B.1.351 des Coronavirus zu verhindern.
Hörl ist nicht nur mächtiger Hotelier und Seilbahner aus Gerlos, sondern gleichzeitig Abgeordneter der Kanzlerpartei ÖVP – und als solcher das lebende Abbild der Grabenkämpfe, die im österreichischen Regierungslager derzeit vor aller Augen toben. Hin- und hergerissen zwischen der Fraktionsdisziplin im Parlament und seiner Rolle als Lobbyist in Tirol, hat Hörl klargestellt, dass ihm das Tiroler Hemd näher sitzt als der Wiener Rock – obwohl er selbst eben erst eine Covid-19-Infektion überstanden hat.

