Scheidender »Washington Post«”-Chefredakteur Martin Baron: “Die Drohungen kommen immer noch”
Icon: vergrößernBaron im Newsroom der "Post" in Washington
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Justin T. Gellerson / NYT / Redux / laif
SPIEGEL: Mr Baron, Sie beenden Ihre Zeit als Chefredakteur bei der »Post« in einer politisch schwierigen Zeit. Machen Sie sich Sorgen um Ihr Land?
Baron: Ich mache mir Sorgen um den Zustand unserer Demokratie. Sie steht vor enormen Herausforderungen. Und als Journalisten spielen wir in dieser Demokratie eine wichtige Rolle: Wir versorgen die Menschen mit den Informationen, die für sie wichtig sind und die sie kennen sollten.
SPIEGEL: Millionen Amerikaner glauben heute lieber an Verschwörungstheorien, statt Nachrichten zu lesen. Wie kam es dazu?
Baron: Das passiert auch in anderen Ländern, ich halte es für eine Folge des Internets. Die Leute können sich heute Informationen zusammensuchen, die nur ihren Standpunkt bestätigen. Das ist auch das Geschäftsmodell einiger Medien: Sie liefern sogenannte Nachrichten, die den Menschen den Eindruck vermitteln, dass ihre Gefühle richtig sind, dass ihre Instinkte richtig sind, dass es andere gibt, die genau so denken wie sie. Solche Medien stören sich nicht an Fakten oder an der Wahrheit.

